Vorschau HL: Vollgasstart mit zwei englischen Wochen PDF Drucken E-Mail
Hessenliga - Hessenliga News
Donnerstag, 23. Juli 2009
Während in den meisten Amateurklassen der Ball für den Punktspielbetrieb noch ein bis zwei Wochen ruht, lädt das hessische Oberhaus bereits am Samstag mit dem kompletten ersten Spieltages zu seinem Prolog für eine ganz lange Saison ein.


Ähnliche Abstiegsdramatik wie in der Vorsaison ist zu erwarten

Erneut gehen neunzehn Vereine im Kampf um den Auf- respektive gegen den Abstieg auf eine 36 Runden dauernde Wegstrecke. Die hohe und ungerade Teilnehmerzahl ist der Tatsache geschuldet, dass der Hessische Fußballverband kurz vor dem vergangenen Rundenende einem Protest von mehreren gefährdeten Klubs stattgab und den vierten direkten Abstiegsplatz stornierte, weil Viktoria Aschaffenburg aus finanziellen Gründen vor einer Fortsetzung seiner Regionalligazukunft resignierte. Da die Mainfranken sportlich gerettet waren und sich „nur“ wegen der wirtschaftlichen Vernunft selbst freiwillig eine Etage tiefer zurückmeldeten, entschieden die verantwortlichen Gremien, dass der Rückzug nicht auf Kosten eines Hessenligateams gehen durfte. Dank diesem späten Entschluss wurde Germania Ober-Roden die Relegation erspart. Die eigentlich schon abgestiegenen Buchonen aus Flieden erhielten dagegen praktisch eine zweite Chance, doch noch den Klassenerhalt über die Entscheidungsspiele zu realisieren. Dieses Ziel vereitelte bekanntlich in einem dramatischen „Finale“ der SVA Bad Hersfeld, so dass die Kicker aus dem „Königreich“ zusammen mit Borussia Fulda, dem KSV Hessen Kassel II und dem FSC Lohfelden ihren Platz in Hessens „Gut Stubb“ räumen mussten. Ab der Saison 2010/11 soll die Richtzahl von achtzehn Vereinen endlich wieder erreicht werden. Deswegen beißen am Ende der jetzt beginnenden Spielzeit mindestens drei Klubs ins bittere Abstiegsgras. Falls ein Stockwerk höher ein hessischer Regionalligist zurück auf das Oberligaterrain verbannt wird, erhöht sich die Anzahl entsprechend. Die Mannschaft vor den Direktabsteigern bestreitet die Relegation gegen die Verbandsligazweiten der Staffeln Nord, Mitte und Süd. Diese Konstellation verspricht eine ähnliche Dramaturgie wie in der abgelaufenen Saison, als drei Viertel der Liga fast bis zum Kehraus in den Fight um den Ligaverbleib involviert war.

„Absteiger“ Aschaffenburg erwartet Meister Waldgirmes
                zum Knaller des ersten Spieltages

In der oberen Tabellenhälfte schaut die Entscheidungsfindung auf den ersten Blick einfacher aus. Nur ein Verein besitzt ein Aufstiegsrecht, und das steht naturgemäß dem Meister zu. Allerdings haben in den letzten beiden Jahren die hohen Regionalligaansprüche des Deutschen Fußball-Bundes reihenweise die Anwärter vor der Viertklassigkeit kapitulieren lassen. Vergangene Runde wurde der SC Waldgirmes erstmals Champion im Oberhaus, warf aber schon im Frühjahr hinsichtlich des nicht zu stemmenden finanziellen Aufwandes das Handtuch. Bayern Alzenau profitierte als Zweitplatzierter von der Lahnauer Demission und wagt nun nach mehreren Kraftakten außerhalb des Spielfeldes das Abenteuer Regionalliga. Gut möglich, dass auch in der kommenden Spielzeit der wirtschaftliche Aspekt wieder Einfluss auf die Aufstiegsfrage nimmt. Ein absoluter Favorit auf den Titel ist schwer auszumachen. Naturgemäß zählt „Absteiger“ Viktoria Aschaffenburg zu den heißen Kandidaten. Doch nach dem kompletten Umbruch im Mannschaftsgefüge muss der neue Trainer Marco Roth (Nachfolger von Ronny Borchers) zunächst einmal eine homogene Einheit bilden. Die Qualität, um oben ein Wörtchen mitzusprechen, ist sicherlich vorhanden. Die namhaften Neuzugänge wie Sebastian Barnes, Simon Schmidt, Thorsten Dinkel, Florian Ettl oder Renato Levy – um nur einige zu nennen – lassen am Schönbusch hoffen, dass der gewaltige Aderlass kompensiert wird. Die Generalprobe gelang zumindest vom Ergebnis durch ein 3:2 unter der Woche im Endspiel des Dieburger Kreispokals gegen den Ligarivalen Viktoria Urberach. Schon die allererste Punktspielprüfung stellt einen richtungsweisenden Gradmesser dar, wenn die Mainfranken am Samstag zur absoluten Schlagerpartie des ersten Spieltages den amtierenden Meister SC Waldgirmes empfangen. Beim Titelverteidiger muss Coach Thorsten Krick in seiner fünften verantwortlichen Saison mit Abwehrchef Markus Bloß (zu Absteiger Borussia Fulda), Spielmacher Gino Parson (zum Verbandsliganeuling VfB Gießen) und Torwart Jörg Kässmann (Laufbahn beendet) drei Korsettstangen der Vergangenheit ersetzen.

Euphorie bei den Aufsteigern FSV II, Bad Hersfeld,
                                   Schwalmstadt und Marburg

Vier Neulinge brennen auf den Startschuss am Samstag. Davon ist die Zweitgarnitur des FSV Frankfurt der einzige echte Newcomer. Vor zwei Jahren kickte noch die A-Auswahl der Bornheimer in Hessens Bel Etage, nun bereichert die U23 erstmals das Oberhaus. Diese Tatsache belegt, dass es beim Traditionsverein weiter steil bergauf geht. Den Unterbau des Zweitligisten sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Das erste Match steigt zu Hause gegen einen völlig umgekrempelten KSV Klein-Karben, wo der neue Übungsleiter Dietmar „Atze“ Rompel mit einer blutjungen und unerfahrenen Mannschaft den Klassenerhalt auf dem Planzettel festgeschrieben hat. Im Gegensatz zum FSV II besitzen die drei Mitaufsteiger eine Hessenligahistorie. Der 1. FC Schwalmstadt (erst 2003 durch die Fusion zwischen Tuspo Ziegenhain und Jahn Treysa gegründet) reparierte den Betriebsunfall umgehend und meldet sich nach nur zwölf Monaten Abstinenz mit einem Heimspiel gegen den RSV Würges auf der Landesbühne zurück. Vier Jahre wartete der VfB Marburg auf sein Comeback. Die Schimmelreiter, wie sie aufgrund ihres Vereinswappens genannt werden, starten zu Hause gegen den 1. FC Eschborn. Die Gäste aus der Frankfurter Vorstadt müssen monatelang auf Mohammed Almalqui (Kreuzbandriss) verzichten. Am längsten dauerte der Entzug bei den Anhängern des nordosthessischen SVA Bad Hersfeld. Die Fußballer aus dem Stadtteil Asbach, bei denen Ex-Nationalspieler Uwe Bein 2006 seine Karriere ausklingen ließ, benötigten neun Jahre für den Wiedereinstieg, der am Samstag beim Derby im Baunataler Parkstadion offiziell wird. Die restlichen Partien der ersten Runde lauten Viktoria Urberach (der Sensationsdritte der Vorsaison hofft erneut eine gute Rolle zu spielen) gegen den FSV Fernwald, Hünfelder SV gegen OSC Vellmar, TSG Wörsdorf gegen Eintracht Stadtallendorf und Rot-Weiß Frankfurt gegen Germania Ober-Roden. Die beiden letztgenannten Konkurrenten wurden neben Aschaffenburg der größten Fluktuation im Kader unterworfen. Eine Standortbestimmung ist daher sowohl am Brentanobad als auch in Rödermark sehr schwierig. Zum Auftakt ist die U23 der Offenbacher Kickers spielfrei.

Neun Spieltage bis Ende August!!

Fakt ist auf jeden Fall, dass die Protagonisten auf dem grünen Rasen vom Fleck weg eine gute Kondition benötigen, damit nicht schon in der Anfangsphase der neuen Spielzeit die Ambitionen ihrer jeweiligen Klubs empfindlich gedämpft werden. Der Start hat es mehr als in sich: Gleich zu Beginn stehen zwei englische Wochen hintereinander auf dem Programm. Bis Ende August müssen die Kicker neun Spieltage absolvieren – ein wahres Mammutpensum. Schon in dieser frühen Periode kann sich also die Spreu vom Weizen trennen. Den Übungsleitern obliegt die schwierige Aufgabe, die richtige Trainingsdosierung zu kreieren. Verletzungen oder Formkrisen von Leistungsträgern werden vom ersten Anpfiff an negativ ins Gewicht fallen, die vielleicht im weiteren Saisonverlauf kaum noch wettzumachen sind.
 

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