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Beim dritten Saisonduell 96 vs. 98 werden Big Points für den Ligaverbleib verteilt

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Ganze fünf Wochen nach dem Kehraus der ersten Halbserie bittet die Bundesliga schon zum Start der entscheidenden Rückrunde. Dabei gastiert der SV Darmstadt 98 am Samstagnachmittag zu einem sogenannten Schlüssel- oder Sechspunktespiel bei Hannover 96, einem direkten Rivalen im Kampf um den Klassenerhalt (Anstoß 15Uhr30 in der HDI-Arena).

Hannover zum Dritten lautet das Motto für den südhessischen Sensationsneuling, dessen unnachahmlichen Positivlauf der vergangenen zweieinhalb Jahre man letzten Sonnabend während einer Gänsehaut produzierenden TV-Ausstrahlung noch einmal verfolgen konnte. In dieser dreiviertelstündigen ARD-Dokumentation erläuterte der Kommentator, dass der Ligaverbleib das nächste Wunder der Erfolgsstory darstellen würde. In der Tat wäre ein weiteres Happyend unter dieser Superlativrubrik einzuordnen. Egal wie es ausgeht: Die blau-weiße Drama-Queen (Begriff entliehen) dürfte - fast schon wie gewohnt - das Nervenkostüm ihrer begeisterten Fans bis zum finalen Showdown strapazieren.

Ungeachtet des krassen Außenseiterstatus in praktisch jedem Match wohnte der SV98 dank dem überdimensionierten Teamspirit bislang immer über dem Abstiegsstrich und überwies trotz des kleinen Ergebnisdurchhängers auf den 2015er-Zielgeraden („nur“ ein Sieg aus acht Ligabegegnungen, der allerdings beim Derby im Adlerhorst errungen wurde und logischerweise die blau-weiße Seele in Rekordhöhe baumeln ließ) einen respektablen Drei- (zum Relegationsplatz) bzw. Vierzählervorsprung zum ersten direkten Abstiegsrang ins Kalenderjahr 2016.

Auf letztgenannter Stufe zittert ausgerechnet der Debütgastgeber für die Fortsetzung der Punktehatz. Ergo werden gleich zur Eröffnungsperformance nach der kurzen Winterpause wegweisende Schilder verteilt. Bei Hannover 96 gab es im Schatten der besinnlichen Tage einige gravierende Personaländerungen. Als wichtigster Wechsel ist natürlich der neue Hoffnungsträger auf dem Trainerposten notiert. Kurz vor Heiligabend trat Michael Frontzeck zurück und der niedersächsische Traditionsverein übergab den Nachfolgestab an Übungsleiterhaudegen Thomas Schaaf - einst ein Urgestein beim norddeutschen Erzrivalen Werder Bremen (als Spieler & Coach ununterbrochen von 1978 bis 2013!! für die Grün-Weißen aktiv) und in der zurückliegenden Saison Coach von Eintracht Frankfurt.

Doch nicht nur der Hannoveraner Trainerstuhl, der in den letzten Jahren eher einem „Schleudersitz“ ähnelte, sondern auch der Spielerkader fluktuierte wiederum enorm. Vom Japaner Yamaguchi, dem von Hoffenheim ausgeliehenen Ungar Adam Szalai, Marius Wolf von den Münchener Löwen, dem norwegischen Nachwuchstalent Iver Fossum und last but not least dem portugiesischen Nationalspieler Hugo Almeida (ebenfalls ein Ex-Bremer) beinhaltenden Neuzugangsquintett versprechen sich die Verantwortlichen um den umstrittenen „Regenten“ Martin Kind einen Qualitätsanstieg für die Mission „Kopf aus der Schlinge ziehen“ respektive für die Verteidigung des seit 2002 nonstop dokumentierten Bundesligastandortes.

Ähnlich wie die anderen Rivalen des unteren Tabellendrittels rüsteten die 96er im Gegensatz zu den Lilien also mächtig auf. Doch den besonnenen Dirk Schuster bringt das selbstredend nicht aus der Ruhe. Erstens vertraut er uneingeschränkt seiner bewährten Garde, die er in einem einwöchigen und zwei Testspiele (2:0 gegen Chemnitz und 1:1 gegen Kasimpasa Istanbul) beinhaltenden Türkei-Trainingslager für die kommenden Herkulesaufgaben getrimmt hat und zweitens kann er ja noch nachlegen. Bis zur Schließung des Transferfensters Ende Januar besteht noch die Möglichkeit, sein glückliches Lockrufhändchen zu untermauern und ein gleichermaßen lukratives wie produktives Last Minute – Häppchen ans Bölle zu lotsen – so wie seit seinem Amtsantritt vor rund drei Jahren schon mehrfach leistungsfördernd vorexerziert. Hauptsächlich im Offensivbereich riecht es diesbezüglich nach Handlungsbedarf. Diese Schlussfolgerung bezieht sich aus den Erkenntnissen der letzten Samstag 0:1 verlorenen Abschlusshärteprüfung gegen den Nürnberger Club, zumal Sandro Wagner noch angeschlagen ist und sein Mitwirken in Hannover auf der Kippe steht.

Zwischen 98 und 96 blinkt am Samstag bereits Vergleich Nummer Drei der laufenden Runde auf dem Fahrplan. 2:2 lautete der nackte Score im August, als die Lilien inklusive einer beeindruckenden Fan-Choreographie („Hier ticken die Uhren noch anders“) nach einer 33-jährigen Abstinenz einen berauschenden Wiedereinstieg auf dem höchsten deutschen Fußballsockel feierten. Einen Löwenanteil an der gelungenen Re-Installation gebührte Marcel Heller, der u.a. in seiner typischen Art und Weise einen Traumkonter in den Winkel vollstreckte. Ca. neun Wochen später eliminierte der Sportverein seinen Gast aus dem DFB-Pokal, wobei Captain Sulu und Wagner die Treffer erzielten. Wie auch die Saisonbilanz ist auch die Gesamtstatistik knapp positiv pro Blau-Weiß: Sechs Siege, sieben Unentschieden, vier Niederlagen.

Hinsichtlich dieser Quote profitieren die Heiner auch von den beiden einzigen Kompletterträgen an der Leine, die auch als Premierenauseinandersetzungen der beiden Widersacher aus Südhessen und Niedersachsen protokolliert sind. Anno Sommer 1982 triumphierte die damalige 98er-Mannschaft zweimal binnen kürzester Zeit in der Heimat des zweifachen deutschen Meisters (1938 & 1954) und Pokalsiegers von 1992 (als Zweitliga-Underdog im Elfmeterschießen gegen Gladbach). Zunächst im DFB-Pokal (4:0 im altehrwürdigen und heute unter Denkmalschutz stehenden Eilenriedestadion) und lediglich drei Tage darauf im Zweitligaalltag (2:1 beim Debüt im Niedersachsenstadion, dem Vorläufer der HDI-Arena).

Seitdem konnte man nicht mehr am Maschsee gewinnen. Das letzte Duell in Hannover ging gar 0:5 in die Hose, liegt aber auch schon eine Ewigkeit zurück (Juli 1992). Bei der Neuauflage im „hohen Norden“ wird nun mindestens ein blau-weißer Punkt angestrebt, um den im Volksmund roten, eigentlich aber schwarz-weiß-grünen Opponenten auf Distanz zu halten bzw. einen nervenberuhigenden Rückserienauftakt zu verzeichnen. Optimismus versprüht ein weiterer Blick auf die Datenbank. Schließlich empfängt die zweitschwächste Heimmannschaft (zwei mickrigen Siegen stehen sechs Pleiten gegenüber) die stolze Nummer Neun des Auswärtsklassements.

 

 

Alle Partien vom 18. Bundesligaspieltag:

Fr 22.01. 20.30

Hamburger SV – Bayern München

Sa 23.01. 15.30

Hannover 96 - SV Darmstadt 98, 1. FC Köln – VfB Stuttgart, Hertha BSC – FC Augsburg, TSG Hoffenheim -  Bayer Leverkusen, FC Ingolstadt – Mainz 05, Bor. M´Gladbach – Borussia Dortmund 18.30

So 24.01.

Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 15.30, FC Schalke 04 – Werder Bremen 17.30

Medien

Letzte Änderung amDonnerstag, 21 Januar 2016 08:42
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