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Wanted: Ende der heimischen Durststrecke - Schuster: "Haben teilweise auswärts mehr Räume für unser Spiel..."

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Dank den beiden Triumphen zum Rückrundenbeginn bei unmittelbaren Kontrahenten hat der SV Darmstadt 98 seine Klassenerhaltsaktien schlagartig verbessert. Am kommenden Samstag will die aktuell drittbeste Bundesligaauswärtsmannschaft (welch ein unglaublicher Sensationsfakt) gegen Bayer Leverkusen noch einen draufpacken und endlich mal wieder im eigenen Wohnzimmer punkten (Anstoß 15Uhr30).

Die drastische Diskrepanz zwischen Heim- (Drittletzter) und Fremdbilanz (Bronzemedaille hinter den beiden Überfliegern vom Weißwurstäquator und Borsigplatz!!!) kann eigentlich niemand so recht erklären. Selbstverständlich hängen sich die Lilien zu Hause genauso engagiert und aufopferungsvoll wie in den fernen Gefilden rein, doch aus welchen Gründen auch immer ist am Bölle meist der Ergebniswurm drin. Lediglich zwei Pünktchen aus den letzten sechs Heimpartien sind eigentlich statistische Werte eines Abstiegskandidaten.

Aber weit gefehlt: Die mit einem Vorsprung von fünf Zählern zum Relegationsrang und sogar zehn Punkten zur direkten Gefahrenzone garnierte Gesamtposition Elf verdanken Dirk Schuster und seine Schützlinge dem überragenden und nie erwarteten Profit fern der Heimat. Fünf Siege auf des Gegners Platz – davon vier bei Nebenbuhlern um die Bundesligavertragsverlängerung – sind eine die Konkurrenz aufschreckende Duftmarke und lassen das nächste Wunder der Erfolgsstory in einem realistischen Licht erscheinen.

„Auswärtsdreier“ Nummer Fünf neben den kompletten Beuteentführungen der „Sechspunktespiele“ in Augsburg, Frankfurt, Hannover plus am vergangenen Sonntagabend in Hoffenheim war gleichzeitig der Auftakt dieses netten saisonalen Fremdreigens respektive der erste Bundesligasieg seit über 33 Jahren. Im Hinspiel unter dem Bayer-Kreuz düpierten die Lilien am vierten Spieltag den hoch favorisierten Werksklub, weil Captain Sulu nach acht Minuten einen Freistoß von Kocka Rausch per Kopf unhaltbar ins Netz verlängerte und seinen persönlichen Grundstein zum längst fundamentierten Status als torgefährlichster Innenverteidiger des deutschen Kickoberhauses legte (inzwischen schon fünf Buden).

Diesen frühen Vorsprung verwalteten die Lilien abgezockt. Und zwar nicht wie ein gerade aufgestiegenes Greenhorn, sondern wie eine gestandene Mannschaft, die seit Jahren in der Beletage mitwirkt. Auch das Debüt des mexikanischen Stürmers Javier Hernandez, genannt Chicharito (Erbschen) – konnte den Spitzengruppenabonnenten Leverkusen damals nicht vor der Heimpleite retten. Nach  einem Duplikat dieses Ergebnisses (natürlich erneut pro SV98) sehnen sich jetzt alle blau-weiße Fans, damit die Heim-„Misere“ zu den Akten gelegt und der nächste Meilenstein zum großen Ziel protokolliert wird. 

Es ist aber auch jedem bewusst, dass Bayer ein ähnliches Potenzialkaliber wie im zurückliegenden Heimmatch der FC Schalke aufweist. Beim zweiten 98er-Heimspiel in 2016 kommt es ergo erneut zu einem Duell gegen ein „04er“ – Team aus dem „wilden“ Westen. In Kontrast zum Kultmythos des ersten Jahresgastes ist der jetzt nach Südhessen anrollende Kontrahent allerdings außerhalb der eigenen Stadtgrenzen nicht gerade mit Popularität und Anziehungskraft gesegnet. Obwohl schon Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet und seit 1979 ununterbrochen auf der Bundesligamatte mitturnend, muss der Verein aufgrund des „Vornamensspenders“ (der Chemie-Gigant Bayer hat seinen Firmensitz in Leverkusen) von jeher als finanziell sehr potenter Werksklub leben. Daran änderten auch die beiden einzigen wichtigen Titel herzlich wenig (UEFA-Pokalsieger 1988 gegen Espanyol Barcelona und DFB-Pokalsieger 1993 durch ein schmeichelhaftes 1:0 gegen die Amateurbubis von Hertha BSC).

Ende der 1990er bzw. Anfang des neuen Jahrtausends gesellte sich noch ein weiterer unrühmlicher Spitzname hinzu. Nach mehreren vergeblichen und oft erst auf der Zielgerade gescheiterten Versuchen, die Deutsche Meisterschaft oder einen Pokal zu erringen, erhielt der Begriff „Vizekusen“ Einzug im Fußballjargon. In der Saison 99/00 benötigte Bayer am letzten Spieltag bei der Spvgg Unterhaching nur ein Unentschieden für den erstmaligen Griff nach der Salatschüssel, aber ein kurioses Eigentor von Michael Ballack leitete die 0:2-Niederlage ein und so durfte „um die Ecke“ in München an der Säbener Straße wieder einmal gejubelt werden. Noch doller trieb es der Werksklub 2002: Nach der verlorenen Meisterschaft zog Leverkusen auch in den Cupendspielen des DFB-Pokals (2:4 gegen Schalke) und Champions-League (1:2 gegen Real Madrid) den Kürzeren. Dreimal Zweiter binnen einer Woche: Da prasselte eine große Portion Mitleid gepaart mit reichlich Hohn und Spott über Bayer 04 herein.

Auch in dieser Spielzeit ist das Mitspracherecht um die Deutsche Meisterschaft eine Mission Impossible. Zumindest die erneute Qualifikation für die Champions-League ist noch in Reichweite. Leverkusen verlor seit fünf Runden nicht mehr und kassierte in diesem Zeitfenster nur einen Gegentreffer. Die neue Defensivstabilität bekam am letzten Sonnabend der FC Bayern beim torlosen Remis in der BayArena zu spüren, bröckelte allerdings wenige Tage später bei der unerwarteten Pokalschlappe gegen Werder Bremen (1:3). In diesem Match zog sich „Chicharito“ (traf nach seinem „missglückten“ Einstand gegen den SV98 auf der Bundesligabühne 13mal ins Schwarze) einen Faserriss zu.

Damit ist das torgefährliche Offensivwerksduo gesprengt. Chicharito fällt für den Rückkampf am Bölle aus und kann seinen Sturmpartner Stefan Kießling (das etablierte Vereinsurgestein wäre in der Winterpause um ein Haar nach Hannover abgewandert) nicht unterstützen. Das Darmstädter Innenverteidigertandem Aytac Sulu/Slobodan Rajkovic muss sich trotz dieser personellen Leverkusener  Schwächung wieder auf Schwerstarbeit einstellen, was aber natürlich nicht ausschließt, dass man bei jeder Standardmöglichkeit auch den gegnerischen Sechzehner aufsucht – im Bestfall mit ähnlicher Effektivität wie in Sinsheim.

Das Bölle erlebt am Samstag erst den fünften Vergleich zwischen 98 und Bayer. Während beide Bundesligabegegnungen 81-82 in die Hose gingen und hauptverantwortlich waren, dass die Lilien direkt in den Abstiegsapfel beißen mussten und Leverkusen sich via Relegation auf Kosten des OFC die Klasse sichern konnte, schnürte der Sportverein sowohl im DFB-Pokal 89/90 als auch im erwähnten Hinkampf als krasser Außenseiter den Überraschungsschuh. Jeweils mit einem 1:0. Ein „Sieghattrick“ gegen den Werksklub ist natürlich der insgeheim lodernde Wunsch, auch wenn die Lilien sicherlich schon mit einem Remis gut leben könnten.

Und falls doch alle Stricke in die negative Rechnung reißen sollten, kann man ja bei der anschließenden Aufgabe beim unangefochtenen Klassenprimus Bayern München „wie gewohnt“ auswärts den eventuellen Schaden reparieren. Doch bevor wir den Blick (eventuell etwas zu optimistisch) in die Folgewoche richten, wollen Dirk Schuster und seine Schützlinge die Tendenzrichtung umkehren. Bayer 04 reist aufgrund des Knockouts im Pokal und dem verletzungsbedingten Verzichts auf Chicharito mit Kopfschmerzen an. Vielleicht muss der Leverkusener Vereinsarzt ja auf der Rückfahrt vom Bölle ins Rheinland die Aspirin-Dosis für seine Spieler noch einmal erhöhen…

Alle Partien vom 21. Bundesligaspieltag:

Fr 12.02. 20.30

Mainz 05 – Schalke 04

Sa 13.02. 15.30

SV Darmstadt 98 – Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund – Hannover 96, VfL Wolfsburg – FC Ingolstadt, VFB Stuttgart – Hertha BSC, Werder Bremen – TSG Hoffenheim, 1. FC Köln – Eintracht Frankfurt 18.30

So 14.02.

Hamburger SV – Bor. M´Gladbach 15.30, FC Augsburg – Bayern München 17.30

Medien

Letzte Änderung amDonnerstag, 11 Februar 2016 13:41
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