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1. Bundesliga

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Kein Spiel wie jedes andere

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In diesen traurigen Stunden fällt es bestimmt nicht leicht, so mir nichts/dir nichts den Blick auf die sportliche Tagesordnung zu richten. Aber es ist sicherlich im Sinne von Johnny, dass Mannschaft und Fans des SV Darmstadt 98 nun noch enger und intensiver wie gewohnt an einem Strang ziehen und am Samstag gegen den FC Augsburg einen Sieg einfahren.        

Am Dienstagabend musste Jonathan Heimes sein irdisches Dasein beenden und schwebt nun auf einer anderen und hoffentlich erlösenden Wolke. Sein heldenhafter Kampf gegen die heimtückische Krankheit hat mehr als nur Spuren hinterlassen, was sich auch in der bundesweiten und melancholischen Anteilnahme widerspiegelt. Auch wir verneigen uns vor dem Lebenswerk von Johnny. Seine unerschütterliche Tapferkeit, dem Bösen zu trotzen und optimistisch nach vorne zu schauen, wird uns einerseits fehlen und sollte andererseits Vermächtnis genug sein, auch in tristen Lebenszeiten den Weg aus jeder Talsohle zu suchen.  

Der SV Darmstadt von 1898 hat einen seiner größten Fans verloren. Es wird ewiglich unvergessen bleiben, wie seine Motivationsarmbändchen die Lilien 2014 zum Wunder von Bielefeld anpuschten. Captain Aytac Sulu, der auch am Mittwoch auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz mit einem verständlichen Kloß im Hals kondolierte, drückte das auf den Aufstiegsfeiern immer wieder bewegend aus: „Ohne Johnny wär´n wir gar nicht hier“! Klar, dass die kommende Bundesligapartie von dem schweren Verlust überschattet wird.

Es ist ergo kein Automatismus, einfach so den Hebel umzulegen. Nicht für die seine unzähligen Weggefährten und Freunde und nicht für das Team, das Johnny so nahe stand. Aber wie erwähnt: Er hätte es so gewollt, dass man sich wie immer den Allerwertesten aufreißt und so werden es auch alle Protagonisten trotz dem flauen Gefühl in der Magengegend angehen. Kommen wir also – etwas kürzer als sonst – zum Alltagsgeschäft.        

Kopf an Kopf und nur durch die Tordifferenz getrennt gehen die südhessischen Lilien und die bayrischen Schwaben in das wichtige Match. Je zwei Punkte beträgt der Vorsprung zum Relegationsplatz Sechzehn und derer fünf zum ersten direkten Abstiegsrang. Diese Konstellation macht gnadenlos deutlich, welche wegweisende Bedeutung der kommende Kracher aufweist. Vom letzten Ausgang müsste der Sportverein eigentlich im Vorteil sein. Während sich die Mannschaft von Dirk Schuster mit Hilfe ihrer ungewöhnlichen Auswärtsstärke ein verdientes 0:0 beim Bayern-Bezwinger FSV Mainz 05 erkämpfte, schenkte das Team von Markus Weinzierl den durch einen Dreierpack des Südkoreaners Ja-Cheol Koo heraus geballerten 3:0-Vorsprung ab und kassierte gegen Bayer Leverkusen in letzter Sekunde noch einen Elfmeter zum demoralisierenden 3:3-Endstand.

Tja, eigentlich… Wäre da nicht die „Heimphobie“ des Aufsteigers. Der einzige Saisondreier am Bölle liegt gefühlte ewige Zeiten zurück (im September 2:1 gegen Bremen). Seitdem versuchten die Lilien achtmal vergeblich, dieses Kunststück zu wiederholen. In den letzten vier Partien an der Nieder-Ramstädter-Straße ging man sogar komplett leer aus und erzielte nur einen einzigen Treffer. Aber vielleicht wird ja nun mit dem in dieser Woche neu gelegten grünen Teppich, dessen ramponiertes Vorgängermodell ja nicht nur Dirk Schuster auf die sprichwörtliche Palme brachte, alles besser. Schließlich trug eine Bielefelder Firma den alten Rasen ab und Bielefeld assoziieren wir seit Mai 2014 mit purem Glücksgefühl…

Auswärts läuft es indes ja fast wie am Schnürchen. Erfahrungswerte über die sensationelle Heinerqualität in fremden Gefilden  musste auch das Ensemble aus der Heimat von Jim Knopf, Bill Bo und Urmel - also den Hauptdarstellern der berühmten Augsburger Puppenkiste - im Hinspiel sammeln, als das südhessische Flaggschiff beim erstmaligen Auftritt in der WWK Arena die Augsburger Klippe ohne jegliche Schramme umsegelte. Sandro Wagner (7.) und Peter Niemeyer (29.) untermauerten frühzeitig den ertragreichen Beutezug im Schwabenland.

Die früheren und teilweise denkwürdigen Auseinandersetzungen fanden allesamt im altehrwürdigen und seit 2014 unter Denkmalschutz stehenden Rosenaustadion statt. Wer erinnert sich nicht an die Hitzeschlachten von 1996 und 1997, als der Sportverein jeweils am finalen Regionalligaspieltag den Klassenerhalt in der Fuggersauna feierte?

Der 1969 durch eine Fusion der Kultvereine BC (Stammverein der städtischen Kicklegende Helmut Haller) und der Lizenzspielerabteilung von Schwaben Augsburg entstandene FCA schwimmt aufgrund der fünften Bundesligasaison in Folge und seiner erst vor wenigen Wochen an der ruhmreichen Liverpooler Anfield Road endenden Europadebüttournee eigentlich auf der erfolgreichsten Bahn seiner Historie. Wäre da nicht die drohende Abstiegsgefahr, der sich die Augsburger nicht entziehen können. Die könnte sich mit einer Niederlage noch verschärfen. Gleiches gilt natürlich für die Lilien, die erstmals in dieser Saison nur noch einen Platz über den ungeliebten Ranglistenstellen thronen. Ein Heimsiegcomeback würde automatisch eine Beförderung von mindestens einer Stelle – eben am FCA vorbei – bedeuten. Ein Sechspunktespiel eben, auch wenn keiner diesen Begriff mehr hören kann.

„Du musst kämpfen“ wird in einer imaginären Sprechblase über dem Bölle stehen. Für den Heimsieg, den Klassenerhalt und natürlich für Johnny!!

Alle Partien vom 26. Bundesligaspieltag:

Fr. 11.03. 20.30

Hertha BSC Berlin – FC Schalke 04

Sa 12.03. 15.30

SV Darmstadt 98 – FC Augsburg, Bor. M´Gladbach – Eintracht Frankfurt, Hannover 96 – 1. FC Köln, TSG Hoffenheim – VfL Wolfsburg, FC Ingolstadt – VfB Stuttgart, Bayern München – Weder Bremen 18.30

So 13.03.

Bayer Leverkusen – Hamburger SV 15.30, Borussia Dortmund – Mainz 05 17.30

Medien

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Ein von ballraum.de (@ballraum) gepostetes Foto am

Letzte Änderung amDonnerstag, 10 März 2016 11:48
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