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Kreisliga B Darmstadt

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Vorschau DFB-Pokal: Lilien blasen ohne ihren Captain zur Wolfsjagd

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Der SV Darmstadt 98 fertigt den VfL Wolfsburg 4:0 ab. Stopp, das war kein Optimismusorakel für den Vergleich am kommenden Sonntagabend im Rahmen der ersten DFB-Pokalhauptrunde im Merck-Stadion am Böllenfalltor (Anstoß 20Uhr30), sondern das Ergebnis des bislang einzigen Pflichtspielaufeinanderpralls zwischen Lilien und Wölfe in der blau-weißen Heimstätte.

Man schrieb den 26. September 1992, als Stephan Täuber, Henrik Eichenauer, Yvo Hoffmann und Thomas Weiß in der letzten 98er-Zweitligasaison vor dem 21-jährigen Exil die Gäste mit einer Packung in deren niedersächsische Heimat zurückschickten (das Rückspiel im „hohen“ Norden ging 0:3 den Bach hinunter).  Am Ende der Runde 92/93 stieg der Sportverein bekannterweise in die Hessenliga ab, während sich der VfL als Neuling behauptete und die Grundlage für seinen unaufhaltsamen sportlichen Aufschwung legte. Nach 22 Jahren folgt nun also die Neuauflage des bislang so seltenen Duells.

Die jüngeren Fußballfans assoziieren Wolfsburg natürlich vor allem mit der sensationellen Deutschen Fußballmeisterschaft 2009. Unter Trainer Felix Magath lehrte der VW-Klub vor fünf Jahren sogar den favorisierten Bayern das Fürchten. Unvergessen ist das Tor des Jahres von Grafite beim vorentscheidenden 5:1-Triumph über die Münchener, als der Brasilianer seinen Solotanz mit der Hackenvollendung krönte. Von den einstigen Heroen stehen nur noch Marcel Schäfer und Keeper Diego Benaglio im heutigen Kader. Zum damaligen (erweiterten) Aufgebot gehörte auch ein anderer Schlussmann, der seit kurzem beim SV98 den Kasten hütet: Patrick Platins…

Nach dem Husarenstück konnten die Wölfe jedoch nicht mehr an den großen Erfolg anknüpfen. Allerdings hat  der Verein unter Trainer Dieter Hecking (Vertrag seit Dezember 2012) seine kleine Durststrecke an den Nagel gehängt, was Rang Fünf zum Abschluss der Bundesligavorsaison und die damit verbundene Rückkehr auf die europäische Bühne untermauert. Auch dank prominenter Neuzugänge wird der VfL in der nächste Woche beginnenden BL-Runde wieder ganz oben erwartet.

Manko des Vereins ist sein Ruf als Werksklub. Außerhalb des Großraumes Wolfsburg VfL-Fans zu finden, gleicht der berühmten Stecknadelsuche im Heuhaufen. Die mangelnde Attraktivität der Wölfe spiegelte sich auch im Vorverkauf wider. Anders als bei den Cupmatches vor einem Jahr gegen die "Kultgenossen" Gladbach und Schalke war das Bölle nicht "sofort" nach der Auslosung ausverkauft. Dieser „Makel“ wird die Wölfe wohl auch in Zukunft begleiten, auch wenn die altehrwürdige Hütte an der Nieder-Ramstädter Straße bis zum Anpfiff randvoll sein wird.  

Kein Wunder, denn die Stadt Wolfsburg entstand erst kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Anlass war eine Niederlassungsbleibe für VW-Arbeiter. Der größte europäische und weltweit zweitgrößte  Automobilhersteller gab kurz nach der Kapitulation 1945 die VfL-Geburtshilfe für die Leibesertüchtigungen seiner vielen Angestellten. Immerhin gehörte die Fußballabteilung 1974 zum Gründungspersonal der Zweiten Liga, ehe ein langer Oberligadurchhänger folgte. Wie erwähnt kehrten die Grün-Weißen erst 1992 ins Rampenlicht zurück und seit 1997 (denkwürdiges 5:4 im finalen Saisoneinsatz gegen Mainz) ist die Bundesliga  das feste Zuhause.

Dem SV98 bleibt gegen das hochdotierte Ensemble aus Niedersachsen natürlich nur die krasse Außenseiterrolle. Aber in der fühlen sich die Lilien bekanntlich pudelwohl. Abzulesen ist diese These u.a. an den Pokalfights vor Jahresfrist gegen die Fohlen (Triumph im Elfmeterschießen) und Knappen (1:3 nach großem Kampf) sowie an den beiden Auftaktbegegnungen zum Zweitligacomeback, in denen der Sportverein als Underdog gleich mal eine beeindruckende Visitenkarte hinterließ und stolze vier Punkte auf dem Konto hortete. Dass nicht das Optimum und sogar die Tabellenführung in der Bilanzbuchhaltung verarbeitet wurde , ist dem ärgerlichen „Last Second“ – Einschlag von Ingolstadt geschuldet. Aber vielleicht hatte der späte Dämpfer für die Euphorie auch sein Gutes. So einfach wachsen die Bäume halt noch nicht in den Himmel und doch weiß nun die Konkurrenz, dass die südhessischen Renaissancekünstler kein Kanonenfutter liefern, sondern den neuen Herausforderern bislang mindestens auf Augenhöhe begegneten.

Gegen die Wölfe müssen die Schützlinge von Dirk Schuster nun aber noch mehr als das Limit leisten, um eine Minimalchance für einen Paukenschlag hervorzuzaubern. Fehlen wird dem Übungsleiter der Captain. Bei den Schanzern zog sich Aytac Sulu nach einem unglücklichen Zusammenprall mit seinem eigenen Keeper Mathenia schwerste Gesichtsfrakturen zu, die ihn mehrere Wochen außer Gefecht setzen – und das war viel schlimmer als der kassierte Ausgleich kurz vor Torschluss. Am Sonntag und in den folgenden Partien werden wohl Romain Bregerie und Benjamin Gorka das Innenverteidigerpärchen bilden. Und wer die zusammengeschweißte Mannschaft kennt, kann davon ausgehen, dass man im Sinne des verletzten Kapitäns nun noch intensiver die „Jetzt erst recht“ – Mentalität auf die Wiese des Böllenfalltors transportiert…

Letzte Änderung amMittwoch, 13 August 2014 22:56
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