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Die Unbesiegten bitten die Unbezwingbaren zum unfassbaren Bölle-Tanz #D98FCB

Die Unbesiegten bitten die Unbezwingbaren zum unfassbaren Bölle-Tanz #D98FCB
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Die Aktualisierung des 98er-Erfolgsalmanachs als Resultat einer historischen Spritztour in die Aspirinhochburg Leverkusen (erster Bundesligasieg nach über 33 Jahren) ist gerade erst über die Bühne gegangen und schon wartet auf die Lilien eine englische Woche, die man nur als unglaublich umschreiben kann.

Wer im Mai 2013 nach dem sportlichen Abstieg in die Regionalliga gesponnen hätte, dass der Sportverein zwei Jahre später binnen acht Tagen gegen den rot-weißen Rekordmeister von der Isar, die Grün-Weißen vom Weserstrand und beim gelb-schwarzen Vizepokalsieger vom Borsigplatz um Bundesligapunkte kämpfen würde, wäre wohl ohne Gerichtsverhandlung in einer geschlossenen Anstalt gelandet. Los geht die hammerhafte Trilogie am Samstag im natürlich restlos ausverkauften Bölle gegen den größtmöglichen Hype-Verursacher in deutschen Fußballlanden bzw. dem neben Schalke bundesweit meist polarisierenden Klub namens FC Bayern München.

Hier wie da gibt es von Flensburg bis Passau und über die Staatsgrenzen hinaus prinzipiell lediglich ein Pro oder Contra bezüglich Sympathie und Antipathie. Für ein gleichgültiges Interimsfeeling ist kaum Freiraum vorhanden. Der große Unterschied: Während Königsblau seinen Mythos aus traditioneller Verbundenheit und unzähligen Skandalen bezieht, basiert das bajuwarische Image auf dem permanenten sportlichen wie wirtschaftlichen Erfolg, den sich der FCB dank der goldenen Generation um Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller ab Mitte der 1960er hart erarbeitet hat.

1963 standen die Bayern bei der Bundesligainstallierung zunächst einmal im Regen. Ausgerechnet der Erz- und Lokalrivale 1860 München sicherte sich die letzte Oberliga Süd – Meisterschaft und schnappte deshalb dem FCB das Ticket für das neue Oberhaus vor der Nase weg. Doch mit dem angesprochenen Trio, das noch am Anfang seiner Karriere stand und noch nichts von den künftigen Ehrfurchtbezeichnungen Katze von Anzing, Kaiser und Bomber der Nation ahnte, waren die Bayern eine Nummer zu groß für die zweitklassige Regionalliga Süd. Zwar scheiterte man 1964 noch in der Aufstiegsrunde an Borussia Neunkirchen (!!), doch zwölf Monate später gab es kein Halten mehr: Der Einzug in die Beletage war perfekt.

Dort nistete sich der damalige Emporkömmling sofort in den oberen Regionen ein. Zwar dauerte es bis 1969, ehe die erste Buli-Meisterschaft unter Dach und Fach war, aber dann legten die Protagonisten von der Säbener Straße  mit Karacho los, zumal die Löwen durch ihren Abstieg 1970 den Weg endgültig freimachten. Doch nicht nur am heimischen Weißwurstäquator, sondern auch in der ganzen Republik war der FCB nicht mehr zu bremsen. Clevere Geschäftsleute wie Wilhelm Neudecker und Robert Schwan sowie der Bau des Olympiastadions für die nicht ganz so heiteren Spiele 1972 taten ihr übrigens, dass sich die Bayern auf allen Ebenen zur Fußballgroßmacht entwickelten.

Daran hat sich bis heute nichts verändert: Sieben Europapokalgewinne (darunter zweimal die Champions League), dazu einsame Spitze mit 25 nationalen Meisterschaften (zuletzt dreimal in Serie) und 17 DFB-Pokalsiegen (selbstredend jeweils Rekord): Die Titelhamsterei der vergangenen 45 Jahren spricht Bände. Zwar gab es hin und wieder auch Dämpfer für die „Mir san mir“ – Repräsentanten (berühmteste Beispiele sind wohl der Last Minute – Doppelschock von ManUnited anno 1999 und die Uli Hoeneß – Steueraffäre), doch das Vereinsfundament ist so gefestigt, dass es an der bajuwarischen Dominanz in den kommenden Jahren (vielleicht sogar Jahrzehnten) kaum etwas zu rütteln geben dürfte. „Forever Number One“ singen die eigenen Fans in ihrer Hymne, während die oft verzweifelnde Gegneranhängerschaft den Evergreen von den ausgezogenen Lederhosen bemüht.

Auch die aktuelle Mannschaft ist natürlich Toppanwärter für den Meistertitel 15/16. Das unterstreicht nicht nur die makellose Startbilanz von vier Siegen (auch wenn zweimal aufgrund von umstrittenen Elfmeterentscheidungen in der Schlussminute der berühmt-berüchtigte Bayern-Dusel in Anspruch genommen werden musste), sondern vor allem die Sichtung des elitären Kaders, auf dessen Qualität man hier nicht näher eingehen muss. Selbst ohne das verletzte Tandem „Robbery“ reisen die Bayern mit einer Überlegenheitsstellung ans Bölle, die man nicht weiter erörtern muss. Aber der Berufsoptimist hat ja mindestens schon einmal in seinem Leben vor der Apotheke ein Pferd seinen Mageninhalt oral entleeren sehen…

Und Erfahrung mit Triumphen gegen den FC Bayern haben zumindest die „Ü70 – Fans“ des Sportvereins schon gemacht. 1950 in der Oberliga Süd (3:2 im Hochschulstadion) und 1955 in der Zweiten Liga Süd (4:1 am Bölle) fegten die Lilien den damals sicherlich noch nicht so übermächtigen Rivalen aus der Heinermetropole. Lang ist´s her. Seitdem gelang einem 98er – Team gegen den FCB nur noch ein einziges Remis. Das weist allerdings legendäre Züge auf. Am 11. November 1978 schweißte Uwe Hahn im Nebel des Olympiastadions den Ball zwei Minuten vor dem Abpfiff per Volleygranate aus großer Entfernung am verdutzten Sepp Maier vorbei zum 1:1-Endstand in den Winkel. Das seinerzeitige Tor des Monats ist im SVD-Archiv ewiglich als eines der schönsten und unauslöschlichsten Einlochungen der Klubhistorie geführt.

Ansonsten setzte es nur noch Prügel. Auch beim letzten Aufeinandertreffen im Mai 2008, wo allerdings das kuriose Ergebnis von 11:5 absolut zweitrangig war. Die Bayern traten nach hartnäckiger Anfrage von Hans Kessler und geglückter Vermittlung von Helmut Markwort bei Uli Hoeneß zu einem Benefizspiel für den mehr als insolvenzbedrohten Sportverein am Bölle an. Knapp 20000 Zuschauer bevölkerten den altehrwürdigen Tempel und spülten über 200000 Euro in die klamme Kasse, was in Verbindung mit zahlreichen anderen Aktivitätern den Fortbestand des SV98 als eingetragenen Verein sicherte.  

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Bayern damals ihr einnetzendes Pulver an der Nieder-Ramstädter Straße verschossen haben. Alles andere als ein klarer FCB-Sieg zum Auftakt des parallel in München beginnenden Oktoberfests wäre eine Megasensation. Doch diese Einschätzung galt auch im Vorfeld des blau-weißen Auftritts unter dem Bayer-Kreuz. Und was übermittelten die Zeitzeugen am Ende des Tages: Den ersten Bundesligasieg der Neuzeit, die x-ste Bestätigung der für die Gegner unbequemen Spielweise und den Fortbestand der unbesiegten Serie. Als Aufsteiger nach vier Runden noch ungeschlagen: Das verdient eine Fusion von Duftmarke, Paukenschlag und Ausrufezeichen.  

Nichtsdestotrotz tendieren die 98er-Chancen auf einen Überraschungscoup gegen den großen FC Bayern zumindest auf dem Papier gen Nullpunkt. Aber noch einmal: Was bedeuten unter Berücksichtigung der speziellen Widerstandskraft von Dirk Schusters „Wahnsinnsschützlingen“ schon solche Prognosen? Vielleicht bekommt ja die scheinbar nicht endend wollende Erfolgsstory eine neue wundersame Note und der momentan viel beschäftigte Vereinschronist „muss“ schon wieder ein fettgedrucktes Positivkapitel in die blau-weißen Annalen eingliedern. Halten wir es mit dem Fußballkaiser und sagen: „Schau´n mer mal!“…            

Alle Partien vom fünften Bundesligaspieltag:

Fr 18.09. 20.30

FSV Mainz 05 – TSG Hoffenheim

Sa 19.09. 15.30

SV Darmstadt 98 – Bayern München, VfL Wolfsburg – Hertha BSC, Hamburger SV – Eintracht Frankfurt, Werder Bremen – FC Ingolstadt, 1. FC Köln – Bor. M´Gladbach

So 20.09.

VfB Stuttgart – FC Schalke 04 15.30, Borussia Dortmund – Bayer Leverkusen 17.30, FC Augsburg – Hannover 96 17.30

Medien

Letzte Änderung amMittwoch, 16 September 2015 16:19
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