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2. Bundesliga

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Zweiter Abschied von der Gegengerade gegen das mit neuem Trainer anrollende Schlusslicht

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Nach drei Ligapleiten lechzt der SV Darmstadt 98 wieder nach einem Erfolgserlebnis und hofft, dass gegen den Tabellenletzten FC Ingolstadt die Kehrtwende gelingt. Das finale Heimspiel des Kalenderjahres 2018 steht aber nicht nur wegen der für beide Vereine sportlichen Relevanz im Fokus, sondern auch aufgrund der zweiten und jetzt endgültigen Good Bye – Hommage für die altehrwürdige Gegengerade (Anstoß Samstag 13Uhr am Bölle).

Eigentlich war das von allen blau-weißen Fans (und auch von den meisten auswärtigen Supportern) seit jeher geliebte Stadionteilprunkstück schon beim Kehrausmatch der Vorsaison im Mai gegen Erzgebirge Aue (das 1:0 sicherte den Lilien seinerzeit den Klassenerhalt) verabschiedet worden. Doch der Abriss verzögerte sich, weil das richtige Unternehmen für die benötigten Umbauarbeiten noch in der Warteschleife hing. Inzwischen steht der ausübende „Umwälzer“ längst fest. Praktisch nach dem Abpfiff rollen die Bagger an und werden das kulturelle Kleinod peu á peu dem Erdboden gleichmachen.

Gegen die Schanzer wird die komplette Gegengerade kurz vor ihrem „Lebensende“ durchgehend für die 98er-Fans reserviert. Die sicherlich nicht in Massen anreisenden Gästeanhänger sind auf die Nordtribüne „verbannt“. Es dürfte also noch einmal einen emotionalen Schwanengesang für den jahrzehntelang geschätzten Wellenbrecherstehplatzbereich geben – inklusive einem blau-weißen Fahnenmeer.

Damit der Gegengerade noch einmal ein finales Erfolgserlebnis beschert wird, dafür müssen Trainer Dirk Schuster und seine Mannschaft sorgen. Nicht unbedingt wegen des aktuellen Niederlagenlaufs (die Kontrahenten Bochum, Köln und Union Berlin waren ja auch keine Laufkundschaft), sondern wegen der Chancenlosigkeit in diesen Duellen hat die Kritik im Umfeld und in der Presse hör- bzw. lesbar zugenommen. Mit Ausnahme der ersten Hälfte gegen den Geißbock und der letzte Viertelstunde bei den Eisernen standen die Lilien in diesem Matchterzett praktisch nur Spalier und gaben die Punkte (überspitzt ausgedrückt) ohne adäquate Parolimaßnahmen ab.

Die Befürchtung, wie zur gleichen Saisonphase vor einem Jahr Besuch vom Abstiegsgespenst zu erhalten, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass der Sportverein seit fünf Runden permanent auf dem gesicherten zwölften Platz des Klassements sitzt und der Vorsprung zur Abstiegszone immer noch sieben Punkte beträgt, ist wohl eher dem kollektiven Schwächeln der Klubs ab Rang Dreizehn geschuldet. Noch herrscht also relative Ruhe in den zuständigen Gremien. Das könnte sich rapide ändern, falls die Negativspirale gegen den Träger der roten Zweitligalaterne und in der Folgewoche bei Erzgebirge Aue (also zwei Klubs, die unter dem SV98 positioniert sind) eine Fortsetzung findet – was natürlich kein blau-weiß denkender Südhesse hofft.

Die Aufgabe gegen Ingolstadt macht es erfahrungsgemäß nicht leichter, dass die Schanzer (so werden eigentlich alle Bürger der oberbayrischen Metropole an der Donau genannt; der „Spitzname“ entstand im 16. Jahrhundert, als man Ingolstadt durch Wälle und Bastionen zur Landesfestung, der sogenannten Schanz, ausbaute) mit einem neuem Trainer am Bölle auflaufen und deshalb frisch motiviert sein werden, die vor der Runde nicht für möglich gehaltene Talfahrt zu stoppen. Nach Ex-Lilie Stefan Leitl, Alexander Nouri und dem für eine Begegnung verantwortlichen U19-Coach Robert Pätzold will nun der ehemalige Schalker bzw. Unioner Übungsleiter Jens Keller das sportliche Ruder in der Audi-Stadt herumreißen. 

Ein einziger „Dreier“ garniert das dünne Saisonkonto. Seit elf Spielen wartet man vergeblichen auf einen Befreiungsschlag in Form von drei Zählern und auswärts die gesamte Spielzeit (einziges Team ohne Sieg in der Fremde). Damit diese „Horrorstatistiken“ an der Nieder-Ramstädter Straße das nächste düstere Kapitel schreiben, sollte der SV98 gegen nicht gerade als Lieblingskontrahent fungierenden FCI unbedingt seine internen sportlichen Vergleichswerte aufpeppen. Zehnmal forderte der erst 2004 aus einer Fusion der Fußballabteilungen der alteingesessenen Ingolstädter Klubs ESV & MTV (gegen beide kickten die Lilien schon früher in Liga Zwei bzw. der alten Regionalliga) geborene Verein eine Darmstädter Auswahl zum Tanz und dabei gelang den Lilien nur ein einziger „Dreier“ (neben fünf Unentschieden und vier Niederlagen).

2015 stiegen SVD und FCI Kopf an Kopf in die höchste Kicketage auf und verblüfften in der ersten Saison das Establishment. Hier wie da wurde der sensationelle Ligaverbleib relativ souverän gemeistert. Erst im „verflixten“ zweiten Jahr senkte sich wohl aus den gleichen Gründen der Daumen, weil man nach den Abflügen der Erfolgstrainer Ralph Hasenhüttl und Dirk Schuster in der Nachfolgefrage auf das falsche Pferd setzte. Als die „Irrtümer“ korrigiert wurden, war das Defizit trotz dem Comeback der Achtungserfolge schon zu groß, um noch die Wende über den Strich zu vollziehen.

Beide Fraktionen verlängerten ergo ihr „Treuegelübde“ und gliederten sich wieder zusammen ein Stockwerk tiefer ein, wo sie jetzt im zweiten Jahr nach dem Abstieg aus der Beletage unabhängig voneinander anstreben, wieder erfreulichere Ergebnisse anzubieten. Fürwahr eine wegweisende Begegnung, welche sich die Gegengerade für ihre neuerliche Abschiedsvorstellung „ausgesucht“ hat… 

Alle Partien vom 16. Zweitligaspieltag:

Fr 07.12. 18.30

Hamburger SV – SC Paderborn, Jahn Regensburg – 1. FC Köln

Sa 08.12. 13.00

SV Darmstadt 98 – FC Ingolstadt, 1. FC Heidenheim – MSV Duisburg, Spvgg Greuther Fürth – Erzgebirge Aue

So 09.12. 13.30

Arminia Bielefeld – SV Sandhausen, Dynamo Dresden – Holstein Kiel, 1. FC Magdeburg – Union Berlin

Mo 10.12. 20.30

VfL Bochum – FC St. Pauli

 

Letzte Änderung amMittwoch, 05 Dezember 2018 22:02
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