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2. Bundesliga

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Lilien wollen nicht erneut zum Vorrundenabschluss im Erzgebirge ausrutschen

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Das Heimspieljahr 2018 gehört bereits der Vergangenheit an. Ehe der Weihnachtsurlaub angetreten werden kann, muss der SV Darmstadt 98 aber noch zwei Mal auf dem auswärtigen Zweitligaparkett Farbe bekennen. Vor dem Kehrausmatch am 23. Dezember in Paderborn gastieren die Lilien nächsten Sonntag zum Abschluss der Hinrunde wie schon in der Vorsaison bei Erzgebirge Aue (Anstoß 13Uhr30).  

Während die aus der Spielzeit 14/15 datierenden Debütduelle gegen Aue trotz zwei gegentorlosen „98-Dreiern“ auf dem Weg zum sensationellen Durchmarsch Richtung Bundesliga mehr oder weniger in Vergessenheit geraten sind, hallen beide Begegnungen der vergangenen Runde heute noch nach. Vor fast genau einem Jahr spitzte sich zum Kehraus der ersten Halbserie 17/18 aufgrund einer 0:1-Pleite im schneebedeckten Erzgebirgsstadion die damalige Lilienkrise dramatisch zu. Der „Talfahrthöhepunkt“ kostete letztendlich Torsten Frings den Job als blau-weißer Übungsleiter. Eine Woche später zum Rückrundenauftakt in Fürth saß ja bekanntlich wieder Dirk Schuster auf der Trainerbank.

Logischerweise führte auch das Saisonfinale die beiden Rivalen wieder zusammen und hier kam es im Mai am Bölle zum Showdown zweier vor dem Anstoß punktgleicher Klubs, die sich zusammen mit vielen weiteren Zitterkandidaten gegen den Abstieg stemmten. Die Veilchen stellten lange das bessere Team, während die Lilien das Glück beanspruchten mussten (u.a. bei einem von Bregerie erst hinter der Linie geklärten Abschluss und einem nicht geahndeten Handspiel von Felix Platte im eigenen Sechzehner). Vier Minuten vor dem Abpfiff sorgte Tobi Kempe mit seiner goldenen Bude für kollektive Erlösung in den heimischen Reihen. Dagegen stürzte Aue durch diese späte Bude auf den Relegationsrang ab und legte wegen den Schiedsrichterentscheidungen zweimal Protest ein, der aber naturgemäß jeweils abgeschmettert wurde.

Mit reichlich Wut im sächsischen Bauch gingen die Veilchen also in die Saisonverlängerung gegen den Drittliga-Dritten KSC, den sie schließlich dank einem 0:0 im Wildpark und einem 3:1 zu Hause bezwangen und dadurch den Zweitligastandort verteidigten. Sicherlich sind die damaligen Ereignisse bei dem einen oder anderen Erzgebirgler nicht vergessen und der SV98 muss sich, obwohl er keine Schuld am damaligen „Tohuwabohu“ trug, auf einen heißen Tanz einstellen.

Nicht alleine wegen diesem Fakt steht den Lilien eine äußerst schwierige Aufgabe bevor. Der momentane Ligalauf hat den Selbstvertrauentank nicht gerade üppig gefüllt. Zwar beendete das 1:1 gegen Ingolstadt zur Good Bye – Performance der Gegengerade die vorausgegangene Niederlagenreihe, aber ein Remis gegen das Tabellenschlusslicht wird selbstverständlich nicht im Duftmarkenschaufenster ausgestellt, zumal die späte Egalisierung vom Punkt hinsichtlich der Entstehung (kein Fernsehbild konnte ein Foul an Fabian Holland nachweisen) äußerst schmeichelhaft war.

Nun sind es also vier sieglose Partien, in denen lediglich ein Zähler die Bilanz aufpolierte. Immerhin ist bereits gewährleistet, dass der Sportverein anders wie vor einem Jahr die erste Halbrunde auf einem Nichtabstiegsplatz abschließt. Doch ein Ruhepolster sieht anders aus. Erst recht, falls im Erzgebirge eine weitere sportliche Pleite die Vorweihnachtszeit überschatten sollte. Im Gegensatz zu den Lilien dürften die Veilchen mit breiter Brust auflaufen, weil sie vorigen Samstag gewaltig auf die Pauke hauten, den bis dato zu Hause unbezwungenen Fürthern in einer vorher nie geahnten Dimension die erste Heimschlappe zufügten (5:0) und dank diesem Paukenschlag nicht nur im Klassement mit den 98ern nach Punkten gleichzogen (jeweils achtzehn), sondern aufgrund der besseren Tordifferenz auch vorbei kletterten (Aue Zwölfter und SV98 Dreizehnter).  

Der FC Erzgebirge fungierte bis zum DDR-Zusammenbruch als Wismut. Der Name stammte von einem sächsischen Bergbauunternehmen ab, das Uran für die sowjetische Atomindustrie förderte. Noch heute feuern die traditionellen Fans ihren Klub so an. Nach der Wende verpassten die Veilchen zunächst eine rentable Angliederung an den „West-Fußball“. Immerhin gelang 1994 die Qualifikation für die neue Regionalliga Nordost. Neun Jahren Drittklassigkeit folgte 2003 unter Kultcoach Gerd Schädlich der erste Aufstieg in die Zweite Liga. Dort stemmte sich die „sächsischen Gallier“ (Spitzname wegen der Konstellation Aues als Profistadt mit den wenigsten Einwohnern, diesen Umstand änderte erst der SV Sandhausen mit seinem Aufstieg 2012) fünf Saisons lang gegen die Übermacht, ehe der Fahrstuhl wieder nach unten in die neue Dritte Liga ging.

2010 lotste Trainer Rico Schmitt das Erzgebirge ins Rampenlicht des Bundesligaunterbaus zurück. Aber 2015 war parallel zum 98er-Höhenflug erneut nach dem fünften Jahr Schicht im Zweitligaschacht (soll nicht despektierlich gegenüber dem alten Wismut-Lied „Wir kommen aus der Grube…“ klingen). Diesen „Betriebsunfall“ konnten die Veilchen mit den „zwei gekreuzten Hämmern und dem großen W“ allerdings postwendend korrigieren und tummeln sich nun wieder in der dritten Spielzeit auf der Zweitligawiese. 

Alle Partien vom 17. Zweitligaspieltag:

Fr 14.12. 18.30

Holstein Kiel – Arminia Bielefeld, MSV Duisburg - Hamburger SV

Sa 15.12. 13.00

Union Berlin – VfL Bochum, FC St. Pauli – Spvgg Greuther Fürth, SC Paderborn – Dynamo Dresden

So 16.12. 13.30

Erzgebirge Aue – SV Darmstadt 98, FC Ingolstadt – 1. FC Heidenheim, SV Sandhausen – Jahn Regensburg 

Mo 17.12. 20.30

1. FC Köln – 1. FC Magdeburg

 

Letzte Änderung amFreitag, 14 Dezember 2018 11:33
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