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2. Bundesliga

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Stadionpremiere in Ostwestfalen zum kickenden Jahreskehraus

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Bevor der Weihnachtsmann seinen besinnlichen Tribut fordert, müssen die Lilien noch einmal die Zweitligaklingen kreuzen. Im letzten Spiel vor der Winterpause respektive zum ersten Rückrundeneinsatz debütiert der SV Darmstadt 98 am Sonntag in der Benteler-Arena des SC Paderborn (Anstoß 13Uhr30).

Rund 24 Stunden vor Heiligabend unternimmt der blau-weiße Südhessentross also seinen finalen 2018er-Ausflug gen Ostwestfalen und wird dort extrem gefordert sein. Es gibt sicherlich einfachere Aufgaben für einen fußballerischen Jahresshowdown, denn der Hausherr empfängt mit dem Selbstverständnis eines zu Hause noch unbezwungenen Herausforderers (letzte Heimniederlage im Februar noch in der Dritten Liga gegen die inzwischen in die Regionalliga abgestürzten Rot-Weißen aus Erfurt) das auf dem Papier zweitschlechteste Auswärtsteam vom Bölle (nur Schlusslicht Ingolstadt hat in der Fremde weniger Punkte gesammelt).

Nicht alleine dieser Fakt stempelt den SC Paderborn vor dem Kick-off zum Favoriten. Die Offensivstärke ist ein gewichtiges Pfund und machte schon in der Aufstiegssaison 17/18 den Unterschied aus. Auch ein Stockwerk höher glänzen die blau-schwarzen Einnetzkünstler. 36x mussten die gegnerischen Zweitligakeeper während der ersten Halbserie den Ball aus dem Netz holen. Lediglich der Kölner Geißbock weist dank seinem Knipsergaranten Simon Terodde eine noch bessere Abschlussquote auf (45 Tore).

Zum Saisoneinstieg biss die SCP - Sturm- und Drangabteilung allerdings auf Granit bzw. sich die Zähne an der 98er-Defensive aus. Bis auf eine markante Szene (Foulelfmeter eine Viertelstunde vor Schluss) hatten die Darmstädter Verteidiger alles im Griff und konnten sich zudem auf ihren Torwächter Daniel Heuer Fernandes verlassen, der den Strafstoß parierte. Weil der erst zwei Tage zuvor verpflichtete Serdar Dursun zu Beginn der zweiten Hälfte nach einem doppelten Übersteiger das „Golden Goal“ markierte und dadurch einen Traumeinstand feierte, verbuchte der SV98 verdientermaßen den ersten Sieg der laufenden Runde.

Nach der Comeback-Pleite am Bölle untermauerte Paderborn in der Folge aber, dass der anvisierte Klassenerhalt keine Probleme bereiten sollte. Paukenschläge wie z.B. ein imposantes 5:3 beim 1. FC Köln untermauerten nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit, die durch die saisonale Halbzeitbilanz belegt ist: Tabellenplatz Sieben und 25 Punkte (dreizehn Zähler vor dem Abstiegsareal) lassen schon zur Saisonhälfte prinzipiell keine Zweifel aufkommen, dass die Ostwestfalen ohne größere Sorgen den Ligaverbleib eintüten werden.

So weit ist der Sportverein noch lange nicht, obwohl das eigene Guthaben zur „verbotenen Zone“ sieben Punkte beträgt und auf den ersten Blick eine relaxte Urlaubszeit verspricht. Auf der anderen Seite warten die Lilien seit fünf Runden – in denen nur die zwei zurückliegenden Unentschieden das Konto aufpolierten – auf einen „Dreier“ und verdanken es hauptsächlich dem kollektiven Schwächeln der Klassementkellerkinder, dass der Puffer nach unten fortan in relativ beruhigenden Dimensionen untermalt ist.

Positiv kann man auf jeden Fall anmerken, dass in den beiden jüngsten Matches die Rückstände noch in eminent wichtige Teilerfolge umgemünzt wurden. Das spricht unabänderlich für die Moral. War gegen Ingolstadt aufgrund der im Sechzehner verlorenen „holländischen Bodenhaftung“ noch eine Menge Glück im Spiel, so ist das innerhalb von 120 Sekunden aufgeholte Defizit zum verdienten 2:2-Endscore in Aue als Zuversicht ausstrahlender Lichtblick einzuordnen.

Gegen einen „Remishattrick“ würde angesichts der angesprochenen Ostwestfalenqualitäten wohl kein 98er ein Veto einlegen. Zumindest nicht vor dem Anstoß. Eine weitere Punktaufstockung wäre sicherlich hilfreich, zumal mit Sandhausen, Bielefeld, Ingolstadt und Duisburg vier der fünf hinter den Lilien positionierten Klubs im heimischen Wohnzimmer antreten und nicht immer darauf Verlass ist, dass ihnen kein Siege gelingen. Ungeachtet der bevorstehenden hohen Hürde hat ergo ein Proviantzuwachs Priorität, um die Distanz zum versetzungsgefährdeten Gebiet ins Kalenderjahr 2019 zu verteidigen.

Dazu ist ein Premierenerfolgserlebnis auf Paderborner Grund und Boden nötig. Erst ein einziges Mal schnürte eine Auswahl des SV98 dort seine Fußballschuhe. Gegen den Vorgängervertreter TuS Schloss-Neuhaus, der 1985 mit dem 1. FC Paderborn fusionierte und seit 1997 unter der heutigen Bezeichnung SCP aufläuft, quittierten die Lilien unter der Regie von Trainer Manfred Krafft während der Zweitligarunde 82/83 im altehrwürdigen Hermann-Löns-Stadion, wo heute nur noch die Paderborn Dolphins American Football betreiben, eine unrühmliche 1:3-Schlappe. Der einzige Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich glückte Rolf Dohmen. Außerdem wurden Wolfgang Schüler und Uwe Hahn des Feldes verwiesen.

Schnee von vorgestern. Beim Debüt in der 2008 eingeweihten Benteler-Arena soll es besser laufen, damit tags darauf das Vertilgen der fetten Weihnachtsgans als einziger Grund für die Einnahme der Verdauungsschnäpse dient.  

Alle Partien vom 18. Zweitligaspieltag:

Fr 21.12. 18.30

SV Sandhausen – Spvgg Greuther Fürth, 1. FC Köln – VfL Bochum

Sa 22.12. 13.00

Arminia Bielefeld – 1. FC Heidenheim, FC Ingolstadt – Jahn Regensburg, FC St. Pauli – 1. FC Magdeburg

So 23.12. 13.30

SC Paderborn – SV Darmstadt 98, Holstein Kiel – Hamburger SV, MSV Duisburg – Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue – Union Berlin 

 

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