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2. Bundesliga

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Bitterböse Schlussphasenbescherung in Paderborn

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Zum Ausklang des Fußballjahres 2018 kassierte der SV Darmstadt 98 erstmals seit März 1984 (0:6 auf Schalke) sechs Gegentore auf der Zweitligabühne. Bis zur 75. Minute stand der Debütrückrundeneinsatz beim SC Paderborn auf des Messers Schneide, ehe die überragende Offensivabteilung der Ostwestfalen kurzen Prozess machte und den 2:2-Zwischenstand in ein für die Lilien ernüchterndes 6:2 verwandelte.

SC Paderborn – SV Darmstadt 98  6:2

SCP: Zingerle, Dräger, Schonlau, Strohdiek, Collins, Gjasula, Tekpetey, Klement, Antwi-Adjej (72. Schwede), Zolinski (72. Gueye), Michel (87. Ritter)

SVD: Heuer Fernandes, Sulu, Höhn, Sirigu (46. Rieder), Holland, Stark (81. Platte), Kempe, Heller, Mehlem, Jones, Dursun

Tore: 1:0 Tekpetey 16. 1:1 Mehlem 32. 2:1 Michel 50. 2:0 Jones 65. 3:2 Tekpetey 75. 4:2 Michel 77. 5:2 Tekpetey 85. 6:2 Gueye 88.

Zuschauer: 11550

Vor dem kickenden Jahresabschluss erhielt Marvin Mehlem mal wieder den Vorzug gegenüber seinem Positionskonkurrenten Johannes Wurtz. Ansonsten schickte Dirk Schuster für den Darmstädter Premierenauftritt in der Benteler Arena die gleiche Startelf auf das Parkett, die sich in der Vorwoche ein 2:2 bei Erzgebirge Aue erkämpfte.

In der Anfangsphase musste es einem um den SV98 Angst und Bange werden. Die bekannt brandgefährlichen SCP-Angriffsstrategen spielten mit den Darmstädter Abwehrprotagonisten praktisch Katz und Maus. Nur Keeper Heuer Fernandes und dem gastgebenden Chancenwucher war es zu verdanken, dass der erste Einschlag eine Viertelstunde auf sich warten ließ.

Nach der überfälligen Führung zollten die Ostwestfalen ihrem hohen Anfangstempo Tribut, während sich die Lilien peu á peu in der Begegnung anmeldeten. Jones hätte eigentlich mit der ersten Chance schon den Ausgleich erzielen müssen (freistehend aus kurzer Entfernung bessere Rückgabe zum SCP-Schlussmann). Das 1:1 fiel dann, weil Mehlem nach einem Pfostenkracher von Dursun den abprallenden Ball im Abseits stehend in die Maschen lenkte. Zum Glück für den Sportverein sitzen ja bei Zweitligapartien keine Funktionäre in irgendwelchen Kölner Kellern…

Das unentschiedene Zwischenresultat sicherten die Lilien bis zur Pause ab und hatten kurz nach dem Seitenwechsel sogar in Person von Fabian Holland einen eigenen Vorsprung auf dem Schlappen, aber Goalie Zingerle parierte den strammen Schuss des Linksverteidigers. Wenig später klingelte es wieder auf der anderen Seite. Objektiv muss man konstatieren, dass bezüglich der Vorbereitung (herrliche Hackenweiterleitung) und des Abschlusses (überlegter Lupfer) das 2:1 nach allererster Zweitligasahne schmeckte. In der Folge lag das 3:1 mehrfach in der verregneten Ostwestfalenluft, ehe sich die Südhessen erneut eindrucksvoll zurückmeldeten

Auch das 2:2 entsprang einer spielerischen Augenweide. Kempe schickte Mehlem auf die Reise und dessen klugen Rückpass verwertete der lauernde Jones zur vierten 98er-Egalisierung hintereinander, wenn man die beiden letzten Spiele gegen Ingolstadt und in Aue mit einbezieht. Nun stand das rassige Duell auf der Kippe. Hüben wie drüben schien der dritte Torjubel möglich, der dann eine Viertelstunde vor Kehraus für die Hausherren aufbrandete. Holland konnte den aus der Schalker Knappenschmiede stammenden Tekpetay nicht aufhalten und der stämmige Stürmer lochte mit abfälschender Hilfe ein.

120 Sekunden nach dem 2:3 schluckte der Sportverein die nächste bittere Pille. Ein Darmstädter Eckstoß lud Paderborn zum Kontern ein. Heuer Fernandes stand meilenweit von seinem eigentlichen Aufenthaltsgebiet entfernt, was Sven Michel fast von der Mittellinie zu einer technisch anspruchsvollen Außenristeinnetzung animierte. Nach dem Doppelschlag war die vorweihnachtliche Messe gelesen und die 98er-Abwehrorganisation brach wie ein Kartenhaus zusammen. Tektepey zum Dritten und der eingewechselte Gueye schraubten den Score auf ein zu hohes, aber im Gesamtfazit verdientes 6:2 für den bärenstarken Wiederaufsteiger, der seine Offensivbrachialgewalt nachhaltig unter Beweis respektive die 98er-Hintermannschaft letztendlich vor unlösbare Probleme stellte.

Nach dieser hohe Klatsche schließt der Sportverein das kickende Kalenderjahr 2018 mit neunzehn Zählern auf Rang Dreizehn ab. Da die „Kellerkinder“ erneut gar nicht oder nur unwesentlich zulegen konnten, beträgt der Vorsprung trotz sechs sieglosen Auftritten hintereinander immer noch sechs Zähler zum Relegationsplatz und sogar acht zur direkten Abstiegszone. In den kommenden Wochen gilt es während der besinnlichen Zeit die blau-weiße Seele baumeln zu lassen, um dann mit frischem Elan wieder ans Werk zu gehen. Die nächste Aufgabe wartet erst am 29. Januar 2019 auf den blau-weißen Südhessentross und führt den Tabellendritten FC St. Pauli ans Bölle.

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