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2. Bundesliga

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„Verlieren verboten“ im Hardtwald

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Die Begriffe „Sechspunktespiel“ und „Wegweiserpartie“ kommen im Fußballjargon immer sehr floskelartig daher. Für das Match des SV Darmstadt 98 am Freitagabend beim SV Sandhausen trifft es aber zu. Die Lilien sollten sich beim direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt keine Niederlage erlauben, damit sich die Abstiegsschlinge nicht noch fester zuzieht (Anstoß 18Uhr30). 

Nach nur einem Sieg aus den vergangenen neun Partien ist der einst so üppige Vorrat zum Gefahrengebiet auf sechs Zähler zusammengeschrumpft. Nur vier Vereine sind schlechter als der SV98 positioniert – darunter das unter dem Strich gleichauf zitternde Trio Ingolstadt, Duisburg und eben Sandhausen. Es wären sogar nur drei Punkte, wenn nicht Tobi Kempe beim Hinspiel am vierten Spieltag unmittelbar vor dem Abpfiff den Zauberfuß aktiviert und mit einem herrlich direkt verwandelten Freistoß den Last Minute – Ausgleich (1:1) erzielt hätte.

Die damalige Schadensbegrenzung war aus der heutigen Sichtweise ein echter Big Point, den es jetzt zu wiederholen gilt. Mit einem erneuten Remis wäre der aktuelle Puffer zumindest zum SVS fortan gewährleistet. Eine dritte Pleite en block würde wohl das murrende Umfeld vollends auf die Barrikaden bringen. Dagegen könnte ein Erfolgserlebnis in Form eines „Dreiers“ viele Wogen glätten und das etwas verlustig gegangene Vertrauen in die blau-weiße Mannschaft zurück erobern.

Dafür müssen die Lilien aber erstens über ihren eigenen Auswärtsschatten springen (fünf Punkte in der Fremde stellt die schwächste Bilanz aller achtzehn Zweitligaklubs dar) und zweitens selbstbewusster auftreten – also nicht so wie bei den enttäuschenden Vorstellungen in Duisburg und gegen Heidenheim, wo die Schlussphasenanschlusstreffer lediglich noch Ergebniskosmetik betrieben und das zuvor Versäumte nicht mehr kompensieren konnten.

Auch die Beförderung aller Winterneuzugänge in die Startelf gegen Heidenheim involvierte keine Hoffnung. Die Rädchen griffen noch nicht so wie gewünscht ineinander. Wahrlich auch kaum verwunderlich, nachdem einige der personellen Nachbesserungen sich erst knapp eine Woche im Trainingsmodus mit ihren neuen Vereinsgefährten befanden. In Sandhausen muss Coach Dirk Schuster nun den richtigen Teammix respektive Spirit finden, damit das Worst Case – Szenario eines wiederholten und diesmal tabellarisch vielleicht für die nahe Zukunft verhängnisvollen Rückschlags keine Chance hat.

Auch der Gastgeber dürfte wissen, dass auf seiner Zweitligauhr Fünf vor Zwölf angezeigt wird und entsprechend motiviert auflaufen, um dem rettenden Ufer näher zu kommen. Das Ensemble aus der 15000-Seelengemeinde nahe Heidelberg erwischte in der laufenden Runde einen klassischen Fehlstart und beurlaubte daraufhin Trainer Kenan Kocak, der die beiden Spielzeiten zuvor für zwei relativ stressfreie Jahre gesorgt hatte. Doch auch seinem Nachfolger Uwe Koschinat, den der Verein vom Drittligisten Fortuna Köln loseiste, gelang es nicht, dem Kellergewölbe des Klassements zu entfliehen.

Immerhin glückte Sandhausen im zurückliegenden Heimmatch ein überzeugendes 3:0 über den VfL Bochum. Dieser Achtungserfolg unterstreicht, dass die am Rand des Hardtwalds im Rhein-Neckar-Kreis ihren Job nachgehenden Kicker trotz vielen sportlichen Dämpfern keineswegs gewillt sind, die Flügel im Kampf um den Ligaverbleib hängen zu lassen und sollte dem SV98 Warnung genug sein. Sandhausen weiß, welche dicke Möglichkeit für einen direkten Draht zum gesicherten Areal am Freitagabend auf der Agenda steht. 

Der SVS breitete sich nach zuvor prinzipiell jahrzehntelanger Fußballbeschränkung innerhalb Baden-Württembergs (zumindest Deutscher Amateurmeister 1978 & 1993) ab 2007 überregional aus. 2012 wurde der Premierenaufstieg in die Zweitklassigkeit gefeiert und seitdem verteidigen die Kurpfälzer gegen das traditionsreiche Establishment hartnäckig ihre sportliche Aufenthaltsberechtigung im Bundesligaunterbau. Jahr für Jahr zeigen sie dem Abstiegsgespenst eine lange Nase und ärgern die Alteingesessenen.

Vor diesem „gallischem Engagement“ muss man den Hut ziehen, auch wenn die Erfolgsgeschichte von den heimischen Zuschauern nur unzureichend honoriert wird. Bezüglich Attraktivität respektive Zugkraft lässt der Klub arg zu wünschen übrig und gilt als graue Maus der Liga. Im Heimspielzuschauerschnitt ist das feste Abonnement der roten Laterne permanent sicher und auswärts die Anzahl der Mitreisenden überspitzt ausgedrückt an den Fingern beider Hände abzuzählen.

Trotz der geringen geographischen Distanz sind Blau-Weiß und Schwarz-Weiß erst zum fünften Mal zusammen in einer Spielklasse notiert. (Regionalliga 95/96, Dritte Liga 11/12 & Zweite Liga 14/15 sowie ab 17/18). Als Hauptursache hierfür dient die Landesgrenze Hessen / Baden-Württemberg plus die lange SVS-Restriktion auf der Oberligabildfläche. Die Bilanz ist ausgeglichen (je drei Siege und drei Unentschieden). Wenn diese Statistik am Samstag am Freitag wieder der SV98 anführt, wäre die zuletzt so strapazierte blau-weiße Seele um einiges erleichtert…

Fr 15.02. 18.30

SV Sandhausen – SV Darmstadt 98, SC Paderborn – 1. FC Köln

Sa 16.02. 13.00

MSV Duisburg – Union Berlin, FC Ingolstadt – VfL Bochum, FC St. Pauli – Erzgebirge Aue, 1. FC Heidenheim – Hamburger SV

So 17.02. 13.30

Holstein Kiel – Spvgg Greuther Fürth, Arminia Bielefeld – 1. FC Magdeburg, Dynamo Dresden – Jahn Regensburg

Letzte Änderung amDonnerstag, 14 Februar 2019 13:02
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