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2. Bundesliga

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Heimpremiere von Grammozis gegen die Störche von der Kieler Förde

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Leistungsmäßig kann es eigentlich nur besser werden. Zumindest hoffen das die Fans. Nach der enttäuschenden Performance auf der Bielefelder Alm verfügte Dimitrios Grammozis über eine Woche mehr Zeit, um seine Schützlinge besser kennen zu lernen. Wie die intensive Zusammenarbeit gefruchtet hat, wird man am Samstag sehen, wenn der neue Trainer gegen Holstein Kiel sein Heimdebüt gibt (Anstoß 13Uhr am Bölle).

Das knappe 0:1 übertünchte etwas die schwache Darbietung in Ostwestfalen – und das bei einem Gastgeber, der zweifellos seine eigenen Problemzonen aufweist und sicherlich nicht zur gehobenen Güteklasse der Zweiten Liga zählt. Dennoch waren die Arminen den Lilien in einem Punkt um Längen voraus: Sie wollten mit aller Leidenschaft unbedingt ein Erfolgserlebnis. Das merkte man dem 98er-Auftritt trotz aller Bemühungen leider nicht über die komplette Distanz an.

Quasi nur eine echte Chance in neunzig Minuten (Pfostenschuss Mehlem) kommt bei einem keineswegs vor Selbstvertrauen strotzenden und bis dato auf tabellarischer Augenhöhe wirkenden Gegner prinzipiell einem Armutszeugnis gleich. In der Fremde agieren die Lilien gefühlt über die ganze Saison wie das Kaninchen vor der Schlange: Ängstlich und ohne Mut, das sicherlich vorhandene Potenzial mit einem kollektiven Mannschaftsgeist abzurufen – von wenigen Ausnahmen mal abgesehen.

Falls der Sportverein diese „ostwestfälische Verfassung“ nicht schnellstens ad acta legt, muss der treue Heiner eine engere Verkettung im sportlichen Existenzkampf fürchten. Noch sind es sechs Zähler zum Relegationsplatz und sieben zum ersten direkten Degradierungsrang, aber das Glück, dass die vier im Klassement noch schlechter notierten Klubs ebenfalls regelmäßig Federn lassen, dürfte nicht ewig währen, zumal die nächsten drei Herausforderer (Kiel, HSV, Regensburg) aufgrund ihrer sicheren Lage im Klassement bzw. Spitzenposition mit breiter Brust auflaufen werden.

Es gilt die Ärmel hochzukrempeln und wieder das Feuer entfachen, um aus eigener Kraft dem Abstiegsgespenst eine lange Nase zu zeigen. Grammozis konnte nach wenigen Tagen Übungsleitereinsatz sicherlich noch keine Leistungsexplosion bewirken, hat sich aber im stillen Kämmerlein über das überschaubare Niveau in Bielefeld bestimmt Gedanken gemacht und weiß, dass seine neue Mannschaft am Sonnabend eine erfolgsorientiertere Körpersprache an den Tag legen muss, um gegen Holstein Kiel kein blaues Wunder zu erleben.

Ungeachtet der ersten Niederlage in 2019 (vergangenes Wochenende im Schlagerspiel zu Hause 0:2 gegen die Eisernen aus Berlin) haben sich die Störche auch in ihrer zweiten Saison nach dem Comeback auf den oberen Rankingdächern eingenistet. 2017 rückte der Traditionsvertreter von der Förde nach einer 36jährigen Durststrecke (oft auch quer durch die nordischen Amateurgeesten) wieder in die Zweitklassigkeit hoch und sorgte dort vom Fleck weg für Furore. Am Ende der zurückliegenden Runde sprang sensationell Platz Drei heraus. Erst in der anschließenden Relegation verhinderte der „Weiterstädter Bub“ Bruno Labbadia als Trainer des VfL Wolfsburg den Kieler Durchmarsch in die Bundesliga.

Der Erfolg weckte selbstredend personelle Begehrlichkeiten. So wechselte Aufstiegscoach Markus Anfang samt den kickenden Korsettstangen Dominick Drexler und Rafael Czichos von der Überraschungskogge aus der Hauptstadt Schleswig-Holsteins zum Eff-Zeh auf die Kölner Domplatte sowie Topptorjäger Marvin Ducksch nicht weit von diesem Trio entfernt zur Düsseldorfer Fortuna. Wegen ihrer vorherigen Verdienste wurde übrigens keiner aus diesem namhaften Quartett während der Abschiedsfeier Kiel geholt!

Holstein engagierte als neuen Trainer Tim Walter (zuvor Nachwuchsbereich des FC Bayern) und das entpuppte sich als Glücksgriff. Dessen getätigte Verpflichtungen schlugen fast alle ein und so konnte der Altmeister (noch vor dem ersten Weltkrieg sicherten sich die Störche 1912 im Hamburger Stadion Hohe Luft durch ein 1:0 über den Karlsruher FV den zehnten nationalen Titel) ihr Niveau als Mitglied der Beletage-Sphären verteidigen. Obwohl der Dämpfer gegen Union einen Fünfpunkterückstand auf den Relegationsrang bewirkte, scheint es nicht unmöglich, dass die Störche zum Saisonkehraus ihren Vorjahrespaukenschlag wiederholen.

Im Hinspiel setzte es für den SV98 eine bittere 2:4-Pleite an der Förde. Zweimal erzielt Tobi Kempe den Anschlusstreffer, doch wie so oft standen die Lilien beim Abpfiff auswärts mit leeren Händen da. Es war erst der fünfte Vergleich zwischen den beiden Vereinen, die sich in der für den Sportverein so legendären Drittligasaison 13/14 auf der grünen Fußballwiese kennenlernten. Verloren hat Holstein Kiel in seinen zwei Gastspielen am Bölle noch nie.

Doch Statistiken sind da, um irgendwann in die Tonne geworfen zu werden. Vielleicht schon am Samstag, falls Grammozis bei seinem Heimeinstand an der Nieder-Ramstädter Straße das Leistungsvermögen aus seinem Team herauskitzelt und das nötige Quäntchen Glücksbeistand von höherer Stelle erhält. Ein positives Resultat wäre nicht nur für den neuen Coach, sondern auch für die blau-weiße Seele und insbesondere vor der sich beim Ex-Dino anschließenden Herkulesaufgabe enorm wichtig für die Stabilisierung in der Nichtabstiegszone.

Alle Partien vom 25. Zweitligaspieltag:

Fr 08.03. 18.30

VfL Bochum – 1. FC Heidenheim, Union Berlin – FC Ingolstadt

Sa 09.03. 13.00

SV Darmstadt 98 – Holstein Kiel, 1. FC Köln – Arminia Bielefeld, Jahn Regensburg – MSV Duisburg, Erzgebirge Aue – SC Paderborn

So 10.03. 13.30

FC St. Pauli – Hamburger SV, Spvgg Greuther Fürth – Dynamo Dresden, 1. FC Magdeburg – SV Sandhausen

Letzte Änderung amDonnerstag, 07 März 2019 10:12
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