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2. Bundesliga

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3:2-Krimi gegen Kiel – Perfektes Comeback der „alten“ Tugenden

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Der Heimeinstand von Trainer Dimitrios Grammozis darf als rundum gelungen abgeheftet werden. Durch einen leidenschaftlichem Kampf und unbedingten Siegeswillen nahm der SV Darmstadt 98 am Samstagmittag seine begeisterten Fans mit ins blau-weiße Boot und „versenkte“ trotz vom Schiedsrichter künstlich erzeugter Spannung die schleswig-holsteinische Kogge von Holstein Kiel.

SV Darmstadt 98 – Holstein Kiel  3:2

SVD: Heuer Fernandes, Herrmann, Franke, Wittek, Holland, Palsson, Mehlem (85. Höhn), Jones (75. Bertram), Heller, Kempe (70. Stark), Dursun

Kiel: Kronholm, Dehm (80. Kammerbauer), Schmidt, Wahl (87. Benes), Van Den Bergh, Karazor, Mühling, Meffert, Lee (75. Evina), Serra, Honsak

Tore: 1:0 Mehlem 19. 1:1 Honsak 33. 2:1 Dursun 41. 3:1 Franke 62. 3:2 Mühling 65. HE “?“

Besonderes: Gelb-Rot Meffert (Kiel) 61.

Zuschauer: 10210

Erstmals in seiner noch blutjungen Profitrainerkarriere nahm Dimitrios Grammozis zwei personelle Veränderungen seiner in der Vorwoche selbst nominierten Startelf vor. Patrick Herrmann, der ja den Gast von der Förde wie seine Westentasche kennt (saß von 2011 bis Ende 2018 im Storchennest) und Joevin Jones erhielten die Chance, vom Anpfiff an am Ziel „Premierenpunkte für den neuen 98er-Coach“ mitzuwirken.

Das Duell Lilien contra Störche forderte kein Abtastprogramm. Vom Fleck weg suchten beide Seiten den Weg nach vorne. Von Kiel konnte man das ja im Vorfeld erwarten (drittbeste Sturmabteilung der Liga), aber bezüglich des SV98 verwunderte es ein wenig, wenn man die Eindrücke der zurückliegenden Spiele abrief. Doch Grammozis hatte offensichtlich die richtigen Worte für einen mutigen Auftritt gefunden. In der 19. Minute belohnte sich der blau-weiße Hausherr ganz nach dem Geschmack des neuen Übungsleiters: Balleroberung im Mittelfeld und schnelles Umschalten legten die Grundlage für die Führung. Dursuns Schuss ließ der Kieler Keeper nach vorne abprallen und Marvin Mehlem, der sich heute in einer engagierten Teamleistung wohl die Bestnote verdiente, schob technisch versiert respektive überlegt ein.

Natürlich war nicht alles Gold, was auf dem Grün des Bölle glänzte. Vor allem die blau-weißen Abwehrreihen offerierten den flinken Gästeangreifern einige Lücken. Nach einer guten halben Stunde leistete sich ausgerechnet Ex-Storch Herrmann einen folgenschweren Fehlpass, der schließlich im Ausgleich mündete. Doch noch vor der Pause schlug der SV98 zurück. Dursun, der als Frontfighter rund um den gegnerischen Strafraum ebenfalls absolut überzeugte, stieg in Folge einer Ecke am höchsten und köpfte zum 2:1 ein. Da war sie also endlich wieder, die altbewährte Darmstädter Standardstärke.

Kiel versuchte wie erwartet im zweiten Abschnitt, so schnell wie möglich erneut zu egalisieren. Diesen Plan verhinderten etwas Beistand der Glücksgöttin und vor allem eine sensationelle Fußparade von Goalie Heuer Fernandes nach einer starken Aktion des Südkoreaners Lee. Binnen weniger Sekunden schien dann das Ding durch. Meffert leistete sich praktisch hintereinander zwei dumme Fouls und sah die Ampelkarte. Den aus der zweiten Regelwidrigkeit resultierenden Freistoß versendete Kempe punktgenau auf den Kopf von Marcel Franke und wiederum zappelte das Storchennetz nach einer Standardsituation.

3:1 und ein Mann mehr auf dem Platz: Was sollte da noch schiefgehen? Anscheinend hatte Schiedsrichter Kempkes Mitleid mit den Norddeutschen oder er wollte bis zum Kehraus der Dramatik nicht verlustig werden. Auf jeden Fall schanzte er Kiel einen Handelfmeter zu, der in die Rubrik „Lachplatte“ kullerte. Das nächste unsägliche Kapitel dieser aktuellen Never Ending – Story schrieb der leidtragende Herrmann, der die Kugel nicht einmal mit dem im Fußballgeschäft unerlaubten Körperteil berührte. Mühling verwandelte aus elf Metern und plötzlich flogen die fast schon abgeschriebenen Störche ungeachtet ihrer numerischen Unterzahl wieder verstärkt Richtung Darmstädter Gehäuse.

Angefeuert vom Publikum, das den Auftritt ihres blau-weißen Teams lautstark honorierte, schaukelte der Sportverein den Debütheimsieg gegen Holstein Kiel über die Runden. Letztendlich ein perfekter Nachmittag für alle 98er-Protagonisten und hauptsächlich für den neuen Coach, dessen mutige Handschrift über weiter Strecken zu erkennen war. Dank diesem Heimdreier haben die Lilien nun 29 Zähler auf dem Saisonkonto gehortet, den Vorsprung zum Relegationsplatz auf acht Punkte vergrößert und können nun weitaus entspannter am nächsten Samstag die Reise in den Hamburger Volkspark antreten. Also dort, wo man, als der prominente Gastgeber noch als Dino tituliert wurde, während den letzten beiden Gastspielen konstant die optimale Beute nach Südhessen entführte… 

Letzte Änderung amSonntag, 10 März 2019 17:58
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