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2. Bundesliga

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Nette Bundesligaerinnerungen ans Volksparkstadion vor der Mammutaufgabe

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Fabian Holland, Marcel Heller und Sandro Sirigu wissen, wie man im Lilientrikot beim Hamburger SV gewinnt. Und das sogar in doppelter Ausfertigung. Auf der anderen Seite kennen Gotoku Sakai, Lewis Holtby oder Aaron Hunt das Gefühl, als Rautenträger Heimspiele gegen die 98er zu verlieren. Ungeachtet dieser Erfahrungswerte und des zurückliegenden Erfolgserlebnisses gegen Kiel tritt der Sportverein am Samstag zunächst einmal als krasser Außenseiter beim einstigen Dino an (Anstoß 13Uhr im Volksparkstadion).  

Nicht nur die Gesamttabellensituation, sondern auch das Studium der Heim- und Auswärtsbilanz wirft den HSV als eindeutigen Favoriten aus. Zumindest auf dem Papier. Der hanseatische Traditionsverein ist in seinem Wohnzimmer seit acht Runden ungeschlagen (fünf Siege, drei Remis) und kassierte in diesem Zeitfenster lediglich drei Gegentore, während die südhessischen Kultvertreter im Fremdranking mit der roten Laterne belastet sind (einziger Sieg Anfang September des letzten Jahres mit 1:0 in Heidenheim).

Doch ein intensiverer Blick auf die Hamburger Heimstatistik bringt auch an den Tag, dass der HSV auf seiner Zweitligapremierentournee, die nur auf zwölf Monate beschränkt sein soll (das hoffen auf jeden Fall alle Fans der Uwe Seeler – Erben), vor seinen erwartungsvollen Fans durchaus Probleme hat. Da schwärzten am Anfang der Runde auch mal ein 0:3 gegen Kiel sowie vor allem das 0:5 gegen den Regensburger Jahn die Rautenseele. Und im Verlauf der angesprochenen unbezwungenen Serie zu Hause glückten alle fünf „Dreier“ nur mit einem Tor Unterschied – davon drei erst dank entscheidender 1:0-Siegtreffer in der absoluten Schlussphase.

Also warum sollte dem SV98 mit Hilfe des beim überzeugenden 3:2 über die Kieler Störche erzeugten Rückenwindes kein Paukenschlag im Volksparkstadion gelingen? Der Heimeinstand von Trainer Dimitrios Grammozis war eine perfekte Antwort auf sein vorausgegangenes und eher enttäuschendes Profitrainerdebüt in Bielefeld. Schon lange nicht mehr waren die Zuschauer auf den drei Bölle-Tribünen und wohl auch die Maulwürfe auf der Gegengerade-Baustelle so angetan ob der Leistung ihrer Mannschaft, die mit Leidenschaft, Herzblut und auch eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr demonstrierter Offensivqualität den Storch in die Schranken wies und einen sowohl für den Coach als auch für den gesamten Verein gleichsam verdienten wie enorm wichtigen Sieg einfuhr.

Acht Punkte beträgt jetzt das Guthaben zum Relegationsplatz. Ein Puffer, der zwar noch keine Versetzungsgarantie bietet, aber vor den verbleibenden neun schweren Saisonaufgaben die blau-weiße Momentaufnahme definitiv erleichtert. Grammozis scheint in seinem „übernommenen“ Kader die richtige Mischung und Einstellung reaktiviert zu haben. Diese These übermittelte zumindest die gegen die Kicker aus der schleswig-holsteinischen Hauptstadt erspähten Eindrücke, denn wann wurden die Lilien letztmals von ihren Fans so enthusiastisch abgefeiert (von der Schlussphase im ersten Ligaeinsatz 2019 gegen St. Pauli mal abgesehen)?

Erst der Kiezklub, dann Kiel und jetzt der HSV? Das würde ja ins aktuelle „Waterkant-Beuteschema“ des SV98 passen. Aber natürlich lassen wir hier die Kirche im Dorf und weisen demütig auf den David/Goliath - Unterschied zwischen den beiden anstehenden Rivalen hin – vor allem aufgrund der wirtschaftlichen Möglichkeiten pro HSV, mit denen sich die Lilien selbstredend nicht messen können. Diese Diskrepanz wurde auch in den ersten beiden Bundesligaepochen (78/79 & 81/82) deutlich, in denen es für den Sportverein mit Ausnahme von einem ehrenvolles 2:2 an der Nieder-Ramstädter Straße (Doppelpack Cestonaro) nichts zu erben gab. Am Ende der genannten Spielzeiten küsste der HSV jeweils die Meisterschüssel und die 98er stiegen wieder ab.

Im März 1987 forderten die Lilien als Zweitligist bei ihrem bis heute einzigen Vorstoß ins DFB-Pokalviertelfinale die Rothosen zum Tanz am überfüllten Bölle (für die jüngeren Fans heute unvorstellbare 26000 Zuschauer). Bis zwei Minuten vor dem Kehraus verteidigte der gastgebende Underdog tapfer ein torloses Remis, ehe der Favorit doch noch die überragende Keeperlegende Wilhelm Huxhorn überwand (wer ist Manfred Kastl?). Wenige Wochen später streckte Manni Kaltz im Olympiastadion den Cup in den Berliner Nachthimmel. Das war vor 32 Jahren der letzte HSV-Titel!! Eigentlich unvorstellbar für diese ruhmreiche Institution. Theoretisch könnte man allerdings diesen Erfolg im kommenden Mai wiederholen, denn das Viertelfinale in Paderborn ist schon mal gebucht.

Ein Wiedersehen mit dem Sportverein von 1898 folgte erst mit der blau-weißen Renaissance ins Oberhaus 2015. Erneut gab sich der HSV am Bölle kaum eine Blöße. Dafür zelebrierten die Lilien im Volksparkstadion ihre ersten beiden Siege gegen den Dino, der diesen Spitzennamen wegen dem allerersten Abstieg der Klubhistorie in die Zweitklassigkeit ja erst im vergangenen Mai auf dem Patentamt abgeben musste. Jeweils im April 2016 und 2017 entführte der SV98 mit dem identischen Schema (2:1 nach 2:0-Führung) die komplette Rendite nach Südhessen. Das Comeback gen Volkspark findet nun im März statt. Die Jahreszeit passt also…

Auch Dimitrios Grammozis steht eine emotionale Rückkehr bevor. Schließlich fasste der neue Taktikvorgeber nach seinen ersten Karriereschritten als Uerdinger Grotifant zwischen 1998 und 2000 beim HSV in der Bundesliga Fuß und half am Ende jener Ära, dass sich die Rothosen für die Champions League qualifizierten. Lang ist´s her und das macht deutlich, welch heutzutage relativ kleine sportliche Brötchen rund um Hamburg gebacken werden. Die heroischen Triumphe (allen voran der Europacupcoup 1983 gegen die alte Dame Juve) gehören schon lange der Vergangenheit an.

Das große Ziel „sofortiger Wiederaufstieg“ hält der HSV natürlich felsenfest im Visier. Erst recht nach der letzten Sonntag am benachbarten Millerntor demonstrativen Beantwortung, wer die fußballerische Nummer Eins in der Hansestadt ist. „Uns Uwe“ wäre es natürlich zu gönnen, dass sein Herzensverein bald wieder das Rautenwigwam wie gewohnt in der kickenden Beletage aufschlägt. Auch wenn er (eventuell) auf dem Weg bis zur Erfüllung der Wunschvorgabe einen „Auswärtssieghattrick“ des SV98 im Volkspark mit ansehen „muss“…  

Alle Partien vom 26. Zweitligaspieltag:

Fr 15.03. 18.30

Holstein Kiel – Erzgebirge Aue, 1. FC Heidenheim – Union Berlin

Sa 16.03. 13.00

Hamburger SV – SV Darmstadt 98, SV Sandhausen – FC St. Pauli, Dynamo Dresden – 1. FC Magdeburg

So 17.03. 13.30

Arminia Bielefeld – VfL Bochum, MSV Duisburg – 1. FC Köln, SC Paderborn – FC Ingolstadt

Mo 18.03. 20.30

Jahn Regensburg – Spvgg Greuther Fürth

 

Letzte Änderung amFreitag, 15 März 2019 17:16
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