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2. Bundesliga

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Sensationeller Auswärtssieghattrick im Volksparkstadion nach heroischer zweiter Halbzeit

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Der SV Darmstadt 98 hat am 16. März 2019 ein Spiel für die blau-weißen Geschichtsbücher abgeliefert, das unter der Überschrift „perfektes Wendemanöver“ gelistet wird. Nach einer enttäuschenden ersten Hälfte inklusive einem verdienten 0:2-Rückstand drehte die bis dato schwächste Auswärtsmannschaft im zweiten Abschnitt so was von auf und schockte ("mal wieder") den gastgebenden Favoriten Hamburger SV. In der Nachspielzeit perfektionierte der erneut überragende Marvin Mehlem mit seiner 3:2-Siegbude den Überraschungscoup.

Hamburger SV – SV Darmstadt 98  2:3

HSV: Pollersbeck, Sakai, Bates, Van Drongelen, Santos, Janjicic, Narey (57. Ito), Özcan (65. Holtby), Mangala, Jatta, Lasogga (78. Arp)

SVD: Heuer Fernandes, Herrmann, Franke, Wittek, Holland, Palsson (80. Wurtz), Mehlem, Jones (32. Stark), Heller (71. Bertram), Kempe, Dursun

Tore: 1:0 Jatta 5. 2:0 Lasogga 16. FE 2:1 Mehlem 52. 2:2 Kempe 82. 2:3 Mehlem 90. + 2

Zuschauer: 54670

Knapp zwei Jahre nach dem letzten Meeting der beiden Traditionsklubs im Volksparkstadion (damals tummelte man sich hier wie da noch in der Bundesliga) standen bei der Zweitligapremiere dieser Paarung auf hanseatischem Boden im Vergleich zum April 2017 nur noch Sakai und Douglas Santos (HSV) sowie Fabian Holland und Marcel Heller (SV98) in der Startelf. Liliencoach Dimitrios Grammozis vertraute vor seiner dritten Aufgabe als blau-weißer Coach dem Motto „Never change a winning Team“ und schickte die gleiche Formation ins Rennen, die vor Wochenfrist dank einer hervorragenden Leistung den Kieler Storch abwatschte.

In der Eröffnungsviertelstunde musste es einem um dem SV98 Angst und Bange werden. Der HSV schaltete und waltete nach Belieben. Bereits in der zweiten Minute nagelte Douglas Santos einen Freistoß ans Lattenkreuz. Diese Toppchance initiierte einen furiosen Anfangsdruck des Aufstiegskandidaten, der mit den hilflos zusehenden Lilienakteuren praktisch Katz und Maus spielte. Logische Folge waren die frühen Buden von Bakery Jatta (Kopfball) und Goalgetter Pierre-Michel Lasogga (verwandelte einen Elfer, nachdem Wittek im Sechzehner gegen Narey zu ungestüm zu Werke ging).

Erst als der HSV angesichts der erzielten 2:0-Führung den Fuß vom Gaspedal nahm, konnte der Sportverein etwas durchatmen. Das galt auch für Joevin Jones, aber bestimmt anders, als es sich der Offensivkicker aus Trinidad & Tobago vorgestellt hatte. Grammozis nahm ihn nach einer halben Stunde aus der Partie, um mit Yannick Stark die brüchig wirkende Defensivabteilung zu verstärken. Für Jones sicherlich eine Watschen, aber diese Personalentscheidung machte sich im weiteren Verlauf der Begegnung mehr als bezahlt.

Gegen Ende des ersten Durchgangs zog der HSV noch mal an, doch mit vereinten Abwehrkräften plus etwas Beistand von Fortuna entstand bis zum Pausenpfiff kein weiterer Flurschaden für die ihr „typisches“ lammfrommes  Auswärtsgesicht offerierenden Südhessen. Das änderte sich wie per Knopfdruck nach dem Wiederbeginn. Grammozis fand in der Kabine offensichtlich die richtigen Worte, denn plötzlich verwandelte sich die ängstliche Körpersprache in eine Paroli bietende Verfassung. Maßgeblich begünstigt wurde dieser Performance-Aufschwung vom Anschlusstreffer. Stark erspähte im linken Halbfeld den völlig blank stehenden Mehlem, der entschlossen auf den Kasten zusteuerte und Keeper Pollersbeck aus kurzer Entfernung nervengestählt überwand.

So entwickelte sich ein komplett anderes Duell wie noch vor dem Seitenwechsel. Dem HSV fiel nach vorne nicht mehr viel ein und der SV98 ließ auf der Suche nach dem Ausgleich einfach nicht mehr locker. Per Volleyabnahme zimmerte Stark den Ball an den Innenpfosten (70.). Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Zwölf Minuten später zwirbelte Standardspezialist Tobi Kempe einen an ihm selbst verursachten Freistoß ins linke Eck. Sicherlich nicht unhaltbar (Pollersbeck gab keine gute Figur ab), aber das konnte den Lilien schnurzegal sein.

Damit war die Bühne frei für eine dramatische Schlussphase. Nach der Vorsprungsstornierung wachte der HSV wieder auf und drängte auf den Lucky Punch. Im 98er-Strafraum spielten sich turbulente Szenen ab, doch ein sicherer Goalmann Heuer Fernandes, sich aufopferungsvoll in die Bahn werfende blau-weiße Beine und das nötige Quäntchen Matchglück sorgten dafür, dass die von ihren 2000 mitgereisten Fans lautstark angefeuerten Lilien leidenschaftlich das erarbeitete Remis verteidigten.

Das Drehbuch für den Showdown muss wohl das Darmstädter Original Datterich geschrieben haben und wurde nicht zufällig von den beiden wohl stärksten 98er-Protagonisten verkörpert. Zwei Minuten Nachspielzeit waren angezeigt und diese eigentlich schon abgelaufen, als die Lilien einen finalen Entlastungsangriff starteten. Dursun gewann sein Kopfballduell, weshalb die Pille in den Lauf von Mehlem wanderte. „The Man of the Match“ tanzte zwei Rothosen aus und platzierte den Abschluss trocken und punktgenau ins linke Eck.

Das 3:2 löste natürlich auf dem Feld, in der Coachingzone und im Gästeblock enthusiastische Jubeltrauben aus, denn unmittelbar darauf war Schicht im Schacht. Der abschließende Gong des Referees dokumentierte einen der denkwürdigsten Auftritte des Sportvereins in der jüngeren Vergangenheit und stempelte ihn endgültig zum „HSV-Angstgegner“ - zumindest was die Heimpartien des Ex-Dinos gegen die 98er betrifft. Nach den beiden Bundesligatriumphen 2016 & 2017 glückte jetzt eine Kicketage tiefer der zur Halbzeit nicht für möglich gehaltene „Volksparksieghattrick“ respektive erste „Dreier“ in der Fremde seit September 2018.

Mit diesen Freudengefühlen inklusive dem Ausbau des Saisonkontos auf 32 Zähler können sich alle Lilien nun während der anstehenden Länderspielpause aalen. Die nächste Aufgabe steht am 30. März auf der Abarbeitungsliste (Heimspiel gegen Jahn Regensburg).          

Letzte Änderung amSamstag, 16 März 2019 18:33
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