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2. Bundesliga

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Blau-Weißes Wegweiserduell im Herzen von Sachsen-Anhalt

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Nachdem sich der SV Darmstadt 98 und der 1. FC Magdeburg bis zur laufenden Saison immer aus dem Weg gingen, steigt nun in der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt das dritte und wohl wichtigste Kräftemessen der beiden blau-weißen Traditionsklubs binnen einer Spielzeit. Der Anstoß in der MDCC-Arena, die 2006 an Stelle des abgerissenen Ernst Grube – Stadions aus dem Boden gestampft wurde, ertönt am Samstag um 13Uhr.

Nach den Ergebnissen vom vergangenen Spieltag sind die Alarmglocken bei den Lilien wieder aktiviert. Der so überflüssig wie ein Kropf eingehandelte 1:2-Dämpfer am Fürther Ronhof plus der 2:1-Überraschungscoup des FCM im Volksparkstadion sorgten für eine Reduzierung des Guthabens auf den Relegationsplatz, den ausgerechnet der nächste 98er-Gastgeber belegt. Nur noch sechs Zähler beträgt der Vorsprung und man muss kein Mathegenie sein, um auszurechnen, dass im Falle einer Darmstädter Niederlage dieser aktuelle Proviant noch einmal halbiert wird.

Zumindest auf die Magdeburger, denn auch der SV Sandhausen (punktgleich mit dem FCM und nur wegen der besseren Tordifferenz auf der fünfzehnten, also der letzten definitiv rettenden Stelle notiert) ist aktuell sechs Zähler auf den Sportverein schwach und hat ebenfalls am Samstag zur gleichen Zeit eine praktisch identische Aufgabe vor der Brust: Zu Hause gegen Dynamo Dresden, das seinerseits momentan gleichauf mit den Lilien rangiert.

Zwei Heimsiege in diesen parallel steigenden Big Point – Duellen wären also das Worst Case – Szenario für die Mannschaft von Dimitrios Grammozis. Dass diese Konstellation überhaupt zustande kam, müssen sich die Lilienkicker teilweise selbst ankreiden, denn in Fürth war allemal mehr drin. Sicher trug die gefühlte 1898ste zweifelhafte Handelelfmeterentscheidung negativ dazu bei, dass der kleine unbezwungene Lauf (zuvor drei Spiele ohne Niederlage) im Frankenland keine Fortsetzung fand. Aber die dargebotene Performance konnte auch nicht an die vorausgegangenen Leistungen anknüpfen. Der letzte Biss für ein Erfolgserlebnis fehlte und war wahrscheinlich auch dem Einsatzverzicht des in den vergangenen Wochen überragenden Marvin Mehlem geschuldet (musste wegen einem Infekt passen).

Und weil die Magdeburger offensichtlich Anschauungsunterricht beim SV98 genommen haben, wie man in der letzten Nachspielzeitsekunde auf dem Areal des Volksparkstadion einen Siegtreffer bejubelt, wirft die Tabellenlage jetzt halt wieder eine verschärfte Lage aus. Doch für eine Panik besteht natürlich auch kein Anlass. Die Lilien halten ihr sportliches Schicksal fortan in der eigenen Hand – selbst bei einer weiteren Niederlage in Sachsen-Anhalt, was selbstredend kein Heiner hofft. Schließlicht „steht“ es 2:0 pro Sportverein in den internen Saisonvergleichen und mit einem „3:0“ wäre vor den dann noch ausstehenden fünf Rundenmatches der Ligaverbleib wohl so gut wie sicher in trockenen Tüchern.   

Die Erstauflage fand am Anfang der Spielzeit im Rahmen der ersten DFB-Pokalrunde statt, als sich Mannschaft und Fans schon einmal mit der tollen Atmosphäre in Magdeburg vertraut machen konnten. Tobi Kempe erzielte per Strafstoß bereits in der dritten Minute das „Golden Goal“ zum Verbleib in diesem Wettbewerb. Im Ligahinspiel am Bölle wurde den Gästen mit einem 3:1-Heimerfolg der Zahn gezogen. Dursun plus ein Eigentor sorgten für die 2:0-Vorlage. Nach der FCM-Anschlussbude bedeutete der Abschiedstreffer im 98er-Dress vom langjährigen Kapitän Aytac Sulu den Endstand.

Jetzt kommt es also zur dritte Ausgabe und die hält für beide Seiten keine angenehme Statistik parat, denn die auf dem Papier drittschlechteste Heimmannschaft (lediglich ein Saisondreier zu Hause beim 1:0 gegen Aue Ende Januar) empfängt das schwächste Team in der Fremde (die Lilien tragen im Auswärtsranking die rote Laterne!).

Noch ein paar Fakten zum FCM: Der einzige DDR-Europapokalsieger konnte nach der Wende nicht mehr an die alten Triumphe anknüpfen und verpasste nicht nur eine Qualifikation für die Bundes- oder Zweite Liga, sondern führte ein sportliches Schattendasein in der Dritt- und sogar Viertklassigkeit, ehe vor wenigen Monaten als Drittligameister endlich der Debütsprung in die Zweite Liga glückte. Trainer ist seit November Michael Oenning, der den zweimaligen Aufstiegstrainer Jens Härtel (von der Regionalliga bis Liga Zwei) ablöste. Apropos Trainer: Ein Magdeburger Urgestein respektive Kultkicker war mal beim SV98 als Übungsleiter tätig.

Die Rede ist von Jürgen Sparwasser, der vom Sommer 1990 bis November 1991 mit bescheidenem Erfolg beim Sportverein wirkte. Sein Glanz beschränkt sich eigentlich auf die vorausgegangene Kickära. Sparwasser spielte nie für einen anderen Verein und die großen DDR-Titel des 1965 gegründeten FCM sind eng mit ihm verknüpft: Dreimal Meister, siebenmal Pokalsieger und als i-Tüpfelchen der gleichsam historische wie sensationelle 2:0-Coup anno 1974 im Rotterdamer „De Kuip“ gegen den damals übermächtigen bzw. von Karl-Heinz Schnellinger und Trainer Trappatoni dirigierten AC Mailand. Dieser Husarenstreich ist als einziger Europacupsieg eines Vereins aus dem Arbeiter- und Bauernstaat dokumentiert, was Sparwasser wohl wenige Wochen später anspornte, während der WM das Duo Sepp Maier/Berti Vogts zu düpieren und im Hamburger Volkspark das glorreichste Tor der DDR-Geschichte zu erzielen.

Alle Partien vom 29. Zweitligaspieltag:

Fr 12.04. 18.30

Union Berlin – Jahn Regensburg, Erzgebirge Aue – 1. FC Heidenheim

Sa 13.04. 13.00

1. FC Magdeburg – SV Darmstadt 98, SV Sandhausen – Dynamo Dresden, SC Paderborn – MSV Duisburg

So 14.04. 13.30

VfL Bochum – Spvgg Greuther Fürth, FC Ingolstadt – Holstein Kiel, FC St. Pauli – Arminia Bielefeld

Mo 15.04. 20.30

1. FC Köln – Hamburger SV

 

Letzte Änderung amFreitag, 12 April 2019 08:32
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