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2. Bundesliga

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Joker Platte macht den Geißbock platt – Zerberus Heuer Fernandes – Lilien feiern in Köln Klassenerhalt

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Der SV Darmstadt 98 lieferte am Freitagabend ein heroisches und geschichtsträchtiges Spiel ab, das einen bleibenden Eindruck im blau-weißen Almanach hinterlassen wird. Mit einer sensationellen Mannschaftsleistung triumphierten die Lilien im zwölften Vergleich nicht nur erstmals gegen den 1. FC Köln, sondern tüteten durch das 2:1 im ausverkauften Müngersdorfer Stadion auch vier Runden vor Saisonschluss endgültig den Klassenerhalt ein. Chapeau, Sportverein, für diese Leistung!

1. FC Köln – SV Darmstadt 98  1:2

FC: Horn, Jorge Mere, Höger, Czichos, Koziello, Clemens (32. Schmitz), Geis (59. Schaub), Drexler, Hector, Terodde, Cordoba

SVD: Heuer Fernandes, Herrmann, Höhn, Wittek, Holland, Palsson, Stark, Moritz, Mehlem (62. Kempe), Heller (72. Platte),  Dursun (90. Sirigu)

Tore: 0:1 Dursun 34. 1:1 Cordoba 66. 1:2 Platte 76.

Zuschauer: 50000 (ausverkauft)

Dem Team des SV98 gebührt ein Gesamtlob. Coach Grammozis hatte seine Schützlinge hervorragend eingestellt und bewies zudem mit der Einwechslung des lange verletzten Felix Platte ein glückliches Händchen („Nomen est omen“). Wie sich die Darmstädter Defensivakrobaten den zeitweise tobenden Kölner Angriffslawinen entgegen stemmten, war zweifellos „á la bonne heure“, wobei einer noch überragte: Keeper Daniel Heuer Fernandes wuchs über sich hinaus und brachte Terodde & Co schier zur Verzweiflung. Aber auch im Vorwärtsgang wusste der Sportverein zu gefallen. Das Bällchen lief ansehnlich durch die eigenen Reihen, so dass der Coup trotz der vielen Chancen für den „Effzeh“ nicht einmal unverdient war.

Zum Highlight Geißbock vs. Lilien feierte der blau-weiße Kreativspieler Marvin Mehlem sein Comeback in der 98er-Startelf. Tobi Kempe musste überraschend sein gewohntes Startelf-Abo abtreten, weil Trainer Dimitrios Grammozis zunächst einmal auf eine verstärkte Defensive setzte – kein Wunder aufgrund der befürchteten Kölner Offensivpower.

Wie erwartet übernahm der aktuell strauchelnde Zweitligaspitzenreiter gleich das Kommando und erspielte sich einige gute Gelegenheiten, aber das blau-weiße Bollwerk hielt dicht. Auf der anderen Seite setzten die 98er den einen oder anderen gefälligen Nadelstich. Diese Taktik war in der 34. Minute von Erfolg gekrönt. Yannick Stark flankte von der rechten Seite und fand im entgegen gesetzten Winkel Fabian Holland, der mit seiner Hereingabe die Kugel zwar nicht richtig traf, die trotzdem auf den Schädel von Serdar Dursun segelte. Dessen Flugkopfball landete im Eck zur überraschenden Vorlage, die bis zur Halbzeit hielt. Das 1:0 zum Seitenwechsel war übrigens die erste Pausenführung in Köln seit der Premiere zwischen diesen beiden Kultklubs 1978 (damals ebenfalls 1:0 durch ein Cestonaro-Tor; Endstand 1:2).

Mit dem Auftakt der zweiten Hälfte nahm der Druck des FC zu. Die Lilien wurden nun rund um den eigenen Sechzehner eingeschnürt und konnten nicht mehr für Entlastung sorgen. Dank Heuer Fernandes und zahlreiche sich den Abschlüssen entgegen werfenden Leiber hatte das knappe Guthaben bis zur 66. Minute Bestand, ehe Jhon Cordoba per Kopfball den inzwischen überfälligen Ausgleich erzielte.

Wer nun glaubte, dass der Sportverein wie ein Kartenhaus zusammen kracht, der hatte die Rechnung ohne den blau-weißen Wirt aus Südhessen gemacht. Die Lilien befreiten sich peu á peu aus der Umklammerung und Übungsleiter Grammozis schickte mit Felix Platte sogar wagemutig einen weiteren Frontstürmer neben Dursun auf das Müngersdorfer Grün. 240 Sekunden nach seiner kickenden Aktivierung wurde Platte von Dursun in Folge eines gewonnenen Kopfballduells auf die Reise geschickt. Seelenruhig verlud der „Joker“ den zu überhastet aus seinem Kasten eilenden Goalie Timo Horn und schob die Kugel zur Entzückung der zahlreich mit an den Rhein gereisten Fans zum frenetisch bejubelten 2:1 über die Linie.

Der Rest war Darmstädter Schaulaufen. Der FC war sichtlich angeknockt und der SVD in gleichem Maße abgezockt. Nach fünf Nachspielzeitminuten war der Husarenritt respektive Debütdreier gegen den jetzt einstigen Angstgegner perfekt. Und der Klassenerhalt ist amtlich. Wer hätte das vor wenigen Wochen noch gedacht? Die einstigen „Auswärtslämmer“ feierten drei Siege aus den vergangenen vier Partien in der Fremde – darunter bei den nicht gerade als Laufkundschaft bekannten Hausnummern Hamburger SV und 1. FC Köln!!

Ohne Zugzwang und mit reichlich Spielspaß dürfen die Lilien nun ihre drei restlichen Saisonbegegnungen angehen (die erste davon übernächsten Sonntag am Bölle gegen Union Berlin). Nochmals herzlichen Glückwunsch, SV98…

Letzte Änderung amFreitag, 26 April 2019 23:05
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