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2. Bundesliga

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Toppduell am Bölle – Aufstrebende Lilien contra aufstiegswillige Eiserne

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Nach dem dank einer ausgefeilten Taktik, einer Portion Glück und einem überragenden Keeper denkwürdig verbuchten Klassenerhalt beim Klassenprimus 1. FC Köln hat der SV Darmstadt 98 befreit von jeglichem Druck noch drei Ligapartien zu bestreiten. Die erste davon steigt am kommenden Sonntag gegen den nächsten Aufstiegskandidaten Union Berlin. Anstoß ist um 13Uhr30 am Bölle.

Nach dem Gastspiel der Eisernen müssen die Lilien noch zum aktuellen Tabellenvorletzten FC Ingolstadt reisen (12.05.) und empfangen beim  Saisonkehraus wie im Vorjahr Erzgebirge Aue, das trotz guter Aussichten derzeit sportlich noch nicht gerettet ist. Der Sportverein spielt also gewissermaßen Zünglein an der Waage im Auf- bzw. Abstiegskampf. Diese angenehme respektive stressfreie Konstellation hat sich die Mannschaft von Dimitrios Grammozis aufgrund der ansehnlichen Leistungen bzw. positiven Ergebnisse seit dessen Amtsübernahme redlich verdient.

Der anfangs mit reichlich Skepsis beäugte Trainerwechsel (für den einstigen Bundesligakicker ist es ja die erste Station im Profiübungsleiterbereich) warf also eine profitable Ligaverbleibrendite aus, denn dass ein 98er-Team schon nach der viertletzten Runde weiß, auf welchem Fußballlevel man in der Folgesaison aufläuft, ist mit Blick auf die bewegte und oft dramatische Vergangenheit auf den Zielgeraden eine absolute Rarität. Der Premierensieg gegen den „Effzee“, wegen dem Geißbockdompteur Markus Anfang seinen Job verlor, krönte den effektiven blau-weißen Zwischenspurt der vergangenen Wochen zum vorzeitigen Happyend und übermittelte den Darmstädter Verantwortlichen die nötige Planungssicherheit für das dritte Zweitligaengagement en block.

Überhaupt sind die Lilien ab 19/20 dann im sechsten Jahr nonstop in den beiden Eliteklassen unterwegs. Damit konnte vor dem Beginn dieser Erfolgsära selbst der kühnste Berufsoptimist nicht rechnen. Die „dunklen Jahre“ in der Hessen- bzw. Regionalliga inklusive „Insolvenzschlachten“ im Kampf um den Vereinsfortbestand scheinen gefühlt eine Ewigkeit her zu sein, obwohl sie natürlich noch fest im Erinnerungsvermögen verankert sind und sollten den andauernden Aufschwung respektvoll einrahmen, zumal „demnächst“ die Stadioninfrastruktur eine hoffentlich goldene Zukunft verspricht.

Während die Lilien relaxt nach vorne schauen können, sitzt Union Berlin noch zwischen den Stühlen. Die große Frage bei den „Hauptmännern“ aus Köpenick lautet: Geht es ab der nächsten Saison ins elfte Zweitligajahr am Stück oder gelingt endlich der große Wurfe sprich Bundesligadebüt. Seit 2011 landeten die Eisernen immer auf einem einstelligen Tabellenplatz und wollen sich nun endlich für diese Konstanz belohnen. Am vergangenen Sonntag eroberten sie mit einem 2:0-Triumph im Toppschlager gegen den HSV Position Drei zurück und würden Stand jetzt an der Aufstiegsrelegation teilnehmen.

Aber noch ist alles möglich – vom perfekten Finale (also Rang Zwei und Direktbeförderung Richtung Beletage) über die angesprochenen und ungewissen Entscheidungsspiele gegen den Bundesligadrittletzten bis hin zur Verbannung auf die Goldene Ananas – Stufe Vier. Ein Sieg am Bölle, was Union bei erst zwei Versuchen bislang verwehrt blieb (5:0 und 3:1 pro Sportverein) wäre natürlich ein Meilenstein für den ersehnten Coup. Im Hinspiel an der legendären alten Försterei durften die Eisernen ihren ersten „Dreier“ gegen die 98er feiern (3:1). Aber sie sollten wissen, dass ihr südhessischer Kontrahent gegen Spitzenklubs schon lange nicht mehr wie das Kaninchen vor der Schlange agiert. Nachfragen beim HSV und in Köln kostet ja nichts…

Union ist sowohl in den heimatlichen Gefilden als auch im gesamten Osten der Republik eine Institution. Eigentlich erst 1966 gegründet verstand man sich von jeher als Nachfolgeklub der ebenso legendären Union aus Oberschöneweide. Schon anno dazumal galt das Publikum als ungewöhnlich treu, weshalb der schon seit den 1920er-Jahren existierende Begriff „Eisern Union“ (wegen der Stahlindustrie) eine neue Dimension erhielt (eiserne Verbindung zwischen Verein und Fans). Die alte und angeblich versunkene Tradition lebte wieder auf, erst recht, als man in der DDR im krassen Gegensatz zum Stasi-Klub und Abonnementsmeister BFC Dynamo als heimlicher Liebling der Regimegegner fungierte.

Nach der Wende bemühten sich die Offiziellen vergeblich um einen Zweitligaaufstieg und riefen durch ihr Finanzchaos mehrfach eine Konkursgefahr hervor. 2001 gelang dann endlich der Durchbruch: Meister der Regionalliga Nord und Beförderung in den Bundesligaunterbau. Als sensationelle Zugabe stürmten die Wuhlheider (weiterer Spitzname nach einem Waldgebiet im Köpenicker Ortsteil Oberschöneweide) noch als offizieller Drittligist ins Finale des DFB-Pokals gegen Kultkollege und Vizemeister Schalke 04, der eine Woche nach dem vom Pfälzer Dentistenschiri Merk in Hamburg verursachten Vierminutentrauma zur Titeltrostspende ins Olympiastadion jettete. Der Underdog roch nach zwei Aluminiumknallern an der Überraschung, ehe Jörg Böhme mit seinem Standarddoppelschlag zum 2:0 das Kreiselleid doch noch erheblich lindern konnte.

2004 rutschte Union wieder in die Regionalliga ab und wurde zum Entsetzen der Fans 2005 in die Oberliga durchgereicht. Doch die Eisernen bestätigten ihren Ruf als Stehaufmännchen, kehrten postwendend zurück und feierten 2009 mit dem zwei Jahre zuvor verpflichteten Trainer Uwe Neuhaus als Champion der neuen Dritten Liga das Comeback in die Zweitklassigkeit, obwohl man wegen Umbaumaßnahmen an der Alten Försterei (Teile der Aufbauarbeiten übernahmen die Fans) zeitweise im ungeliebten Jahn-Sportpark, der Heimstätte des Erzrivalen BFC Dynamo, agieren musste. Jahr für Jahr stabilisierte man sich und glänzt inzwischen als dienstältester Zweitligist. Der Traum lebt, dass sie diesen Status in wenigen Wochen ad acta legen…

Alle Partien vom 32. Zweitligaspieltag:

Fr 03.05. 18.30

Arminia Bielefeld – SC Paderborn, Dynamo Dresden – FC St. Pauli

Sa 04.05. 13.00

Hamburger SV – FC Ingolstadt, VfL Bochum – 1. FC Magdeburg, 1. FC Heidenheim – SV Sandhausen

So 05.05. 13.30

SV Darmstadt 98 – Union Berlin, Holstein Kiel – MSV Duisburg, Jahn Regensburg – Erzgebirge Aue

Mo 06.05. 20.30

Spvgg Greuther Fürth – 1. FC Köln

Letzte Änderung amDonnerstag, 02 Mai 2019 12:10
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