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2. Bundesliga

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Finaler Saisondienstausflug führt den SV98 nach Oberbayern

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Am vorletzten Zweitligaspieltag treffen sich zwei „Mannschaften der Stunde“, wenn der SV Darmstadt 98 am Sonntag beim FC Ingolstadt gastiert. Anstoß im Audi-Sportpark ist um 15Uhr30.

Beide Seiten reiten vor dem Anstoß auf einer Erfolgswelle. Den Lilien wird ligaweit verdientermaßen Respekt gezollt, wie sie sich seit dem Trainerwechsel aus der Affäre ziehen. In der Tat ist der Aufschwung unter Coach Dimitrios Grammozis mehr als bemerkenswert. Binnen weniger Wochen hat der Übungsleiternovize (was den Profibereich betrifft) das unter seinem Vorgänger dargebotene „Schema F“ modernisiert (soll nicht als Kritik an Dirk Schuster rüberkommen, denn mit dessen Methoden feierte der SV98 bekanntlich die größten Triumphe der jüngeren Vergangenheit) und den blau-weißen Kickstiefel rausgeputzt.

Sicherlich muss Grammozis künftig seine Arbeit mit eigener Vorbereitung über eine gesamte Saison bestätigen, doch das erste Zwischenzeugnis fällt zunächst einmal überhaus positiv aus. Wie sich die Mannschaft willensstark und auch lange ungewohnt spielfreudig respektive äußerst effektiv präsentiert, konnte man noch vor wenigen Wochen nicht erahnen. Der frühzeitige Klassenerhalt, der aktuelle Punktestand (43) und die Triumphe gegen die Aufstiegskandidaten HSV, Köln und Union Berlin lassen das Lilienherz höher schlagen und hegen Hoffnungen auf eine dauerhafte sportliche Zukunft im elitären Fußballkreis der Republik.

In Ingolstadt hat der Sportverein ungeachtet der trotz des Aufschwungs natürlich immer noch vorhandenen Gastgeber-Abstiegsbefürchtungen natürlich auch nichts zu verschenken. Ein einstelliger Tabellenplatz zum Rundenkehraus ist ein lohnendes Ziel für die momentan den zehnten Rang belegenden Lilien. Bis hoch zur sechsten Position ist alles möglich. Hierfür wäre die optimale Ausbeute aus den verbleibenden beiden Saisonpartien Grundvoraussetzung (am übernächsten Sonntag steht zum Abschluss das Heimmatch gegen die ebenfalls vorab gesicherten Erzgebirgler aus Aue auf der Agenda).

Dass die 98er sich auf einen extrem hoch motivierten und selbstbewussten Platzhirsch fokussieren müssen, dürfte Fakt sein. Vor wenigen Wochen setzte kaum noch jemand einen Pfifferling auf den FCI. Der Rückstand zum Nichtabstiegsgebiet war nach dem 27. Spieltag (1:2 gegen Sandhausen) eigentlich zu groß, um noch auf eine wundersame Aufholjagd zu hoffen. Doch der fünfte Saisontrainer (!) brachte die Wende. Nach Ex-Lilie Stefan Leitl, Alexander Nouri, Robert Pätzold und Jens Keller versuchte sich „Heimkehrer“ Thomas Oral (stand früher schon einmal im Schanzerland auf der coachenden Gehaltsliste) an der scheinbaren Mission Impossible, das havarierende Schiff noch in den rettenden Hafen zu lotsen. Und siehe da: Oral fand das Rezept, die verunsicherte Mannschaft noch rechtzeitig in eine verschworene Gemeinschaft zu verwandeln. Das 4:2 im Kellerduell bei den Duisburger Zebras initiierte eine positive Ergebniskette, die am vergangenen Samstag im 3:0 beim HSV und der damit verbundenen Flucht von den direkten Abstiegsplätzen gipfelte.

Insgesamt sammelte der saisonale Übungsleiter Nummer Fünf dreizehn Punkte aus fünf ungeschlagenen Begegnungen – sicherlich eine sensationelle Comebackbilanz. Zwar dürfte der definitiv die Rettung bedeutende 15. Rang nicht mehr zu erreichen sein, aber die Relegationsteilnahme haben die Oberbayern vor Augen. Schon am Sonntag könnten sie eine Woche vor dem Showdownspieltag Sprosse Sechzehn als tabellarische Abschlussstelle protokollieren, falls gegen die Lilien der Erfolgsweg in Form eines „Dreiers“ fortgeführt wird und der 1. FC Magdeburg (wie allgemein erwartet wird) gleichzeitig bei Union Berlin nicht gewinnt.

Dann hätte der FCI in den beiden Entscheidungsspielen gegen den Dritten von Liga Drei (dort läuft alles auf den SV Wehen Wiesbaden hinaus) die Chance, den Ligaverbleib einzutüten und fortan – wie seit 2014 „gewohnt“ – den SV98 treu zu begleiten. 2015 stiegen Lilien und Schanzer husarenartig gemeinsam in die Bundesliga auf und feierten 2016 genauso pompös den Klassenerhalt, ehe 2017 hier wie da das Beletage-Abenteuer zu Ende war. Nun schwimmen die beiden Rivalen wieder seit zwei Jahren im Zweitligahaifischbecken – mit einem kleinen Unterschied: Während der Sportverein schön längst seine Versetzung unterschrieben hat, muss sich der erst 2004 aus einer Fusion der alteingesessenen Ingolstädter Klubs ESV & MTV (gegen beide kickten die Lilien schon früher in Liga Zwei) geborene Verein noch gewaltig strecken, bis das anvisierte Happyend spruchreif ist.

Gegen die Schanzer (so werden eigentlich alle Bürger der oberbayrischen Metropole an der Donau genannt; der „Spitzname“ entstand im 16. Jahrhundert, als man Ingolstadt durch Wälle und Bastionen zur Landesfestung, der sogenannten Schanz, ausbaute) weisen die Lilien nicht unbedingt eine Euphorie entfachende Bilanz aus. In den elf Vergleichen konnte der SV98 nur einmal einen Dreier einfahren. Viermal ging man leer aus und bereits sechsmal wurde ein Unentschieden-Score registriert. So auch im Hinspiel bei der zweiten und endgültigen Verabschiedung von der kultigen Bölle-Gegengerade, als nach einem frühen Rückstand Tobi Kempe sieben Minuten vor dem Abpfiff durch einen umstrittenen Foulelfmeter zumindest noch ein 1:1 sicherte. Der letzte Sieg in Ingolstadt ist aus der Saison 71/72 datiert. Damals sorgten Jockel Weber und Bernhard Metz für einen 2:0-Erfolg bei den Eisenbahnern vom ESV, einem der beiden „Elternteile“ des FCI…

Alle Partien vom 33. Zweitligaspieltag:

 

So 12.05. 15.30

FC Ingolstadt – SV Darmstadt 98, 1. FC Köln – Jahn Regensburg, Holstein Kiel – Dynamo Dresden, MSV Duisburg – 1. FC Heidenheim, Union Berlin – 1. FC Magdeburg, SV Sandhausen – Arminia Bielefeld, FC St. Pauli – VfL Bochum, Erzgebirge Aue – Spvgg Greuther Fürth, SC Paderborn – Hamburger SV

 

Letzte Änderung amFreitag, 10 Mai 2019 11:17
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