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2. Bundesliga

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1:1 beim HSV - Videobeweis entreißt dem SV98 in der „98. Minute“ den Traumstart

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„Willkommen“ im Videobeweis – Zeitalter! Zumindest am ersten Zweitligaspieltag 19/20 wird der SV Darmstadt 98 verfluchen, dass die seit zwei Jahren auf der Bundesligabühne mit etlichen Mängeln erprobten TV-Bilder zur Schiedsrichterkorrektur ab sofort auch ein Fußballstockwerk tiefer zum Einsatz kommen. Die Lilien standen dank einer Blitzjokerführung unmittelbar nach der Halbzeit kurz vor dem vierten Sieg hintereinander im Hamburger Volksparkstadion, ehe eine umstrittene Intervention den Schiedsrichter in der Nachspielzeit veranlasste, auf den Punkt zu deuten. Der HSV bedankte sich dafür durch einen verwandelten Last Second – Elfer zum 1:1-Endstand.

Hamburger SV – SV Darmstadt 98  1:1

HSV: Heuer Fernandes, Gyamerah (77. Wintzheimer), Papadopoulos, Von Drongelen, Leibold, Dudziak (64. Kinsombi), Fein, Hunt, Narey, Hinterseer, Jatta (64. Kittel)

SVD: Schuhen, Herrmann (68. Egbo), Dumic, Höhn, Holland, Palsson, Stark, Heller, Schnellhardt (46. Skarke), Mehlem, Dursun (81. Kempe)

Tore: 0:1 Skarke 46. 1:1 Hunt 90. + 8 FE

Zuschauer: 44475

Vor dem Anstoß diskutierten die mitgereisten 98er-Fans natürlich über die erste Saisonstartaufstellung. Coach Dimi Grammozis beantwortete die offenen Fragen mit der Nominierung von drei Neuzugängen. Marcel Schuhen zwischen den Pfosten, Fabian Schnellhardt im Mittelfeld und Dario Dumic als Mitglied der Defensivabteilung gaben ihr blau-weißes Pflichtspieldebüt. Dass nicht weitere Neue in der Anfangsformation standen, lag wohl hauptsächlich an den Vorbereitungsblessuren von Erich Berko, Mathias Honsak und Braydon Manu, die für das Match im Volksparkstadion nicht mehr rechtzeitig den Sprung in den Kader schafften.

Auf der anderen Seite warf der neue Rautentrainer Dieter Hecking gleich sechs Sommerverpflichtungen ins kalte HSV-Wasser. Darunter einer, der in den vergangenen drei Jahren exzellent den Lilienkasten hütete und bei seiner Rothosenpremiere ausgerechnet gegen seine alten Kameraden die norddeutsche Ligafeuertaufe erhielt. Sicherlich ein komisches und emotionales Gefühl, das Daniel Heuer Fernandes vor dem Kick-off übermannte.

Wie erwartet bestimmt der favorisierte Hausherr im ersten Durchgang die Partie. Vom Darmstädter Vorwärtsdrang war vor dem Seitenwechsel nicht viel zu sehen. Die Lilien waren weitgehend mit Abwehrarbeit beschäftigt und hatten da vor allem auf den Außenverteidigerposten ihre Problemzone. Glücklicherweise aus Gästesicht blieben die Spielanteile pro HSV ohne Folgen – vor allem, weil die Rautenträger zwei hundertprozentige Chancen liegen ließen. Hunt (14.) und Dudziak (27.) versiebten aus bester Abschlussposition. Außerdem roch es nach einer Attacke von Herrmann gegen Leibold auf der Strafraumlinie nach Elfmeter, doch beim ersten Videobeweis der 98er-Vereinsgeschichte ging der Kelch noch einmal an den Lilien vorbei.

Grammozis reagierte zur Halbzeit und bescherte Tim Skarke dessen Einstieg als Darmstädter Zweitligakicker. Was für ein goldenes Händchen des Übungsleiters: 14 Sekunden nach dem Wiederbeginn zappelte die Kugel im HSV-Netz und dreimal darf man raten, wer sich in die Torschützenliste eintrug. Einen Schuss von Dursun faustete Heuer Fernandes in Richtung Skarke und dieser köpfte zum 0:1 ein. Besser kann eine Jokerrolle nicht in Szene gesetzt werden.

Die Rothosen zeigten sich geschockt und fanden nun kaum noch Mittel für eine entsprechende Reaktion. Relativ souverän verteidigte der SV98 seinen knappen Vorsprung und vieles deutete auf den im Vorfeld gern zitierten „Volksparksiegquattrick“ hin. Doch schon die überzogen lange Nachspielzeit von fünf Minuten ließ nichts Gutes erahnen. Diese Spanne war praktisch abgelaufen, als Dumic und Wintzheimer im Strafraum aneinander rasselten. Der Darmstädter traf sowohl den Ball als auch den Gegner, weshalb Referee Robert Hartmann zunächst auf korrekten Zweikampf entschied. Aber Bibiana Steinhaus im Videobeweisstübchen musste zum Kehraus ihren Senf dazugeben und riet dem Unparteiischen, sich die Szene noch einmal anzuschauen. Nach mehrmaligem Studium der TV-Bilder revidierte Hartmann seine ursprüngliche Einschätzung und kredenzte dem HSV ausgerechnet in der „98. Minute“ einen Elfmeter, den Aaron Hunt zum finalen Score von 1:1 einschweißte.

Kurz  darauf war Schicht im Schacht nach einer denkwürdigen und bestimmt etliche Diskussionen nach sich ziehenden Saisonouvertüre. Im ersten Moment wird sich der SV98 ärgern, dass der vor den Augen schimmernde Auswärtsdreier noch über die Wupper ging, doch im Fazit-Nachklang war das Remis als gerecht einzustufen. Außerdem ist ein Punkt bei einem heißen Aufstiegsfavoriten zur Rundenouvertüre ja so schlecht nicht und im Laufe der Spielzeit werden die Lilien hoffentlich selbst das eine oder andere Mal vom Videobeweis profitieren. Nach dem heißen Einstieg im Volkspark tritt das Grammozis – Team am nächsten Sonntag zum ersten Heimspiel gegen ein weiteres Nordlicht an und empfängt die Störche von Holstein Kiel.         

Letzte Änderung amSonntag, 28 Juli 2019 17:25
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