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2. Bundesliga

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Der Kieler Storch fliegt zum ersten 98er-Saisonheimspiel ans Bölle

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Nach dem Pro und Contra - Saisonprolog in Hamburg (Pro für das ordentliche Einstiegsresultat bei einem Aufstiegsfavoriten und contra aufgrund des ärgerlichen Videobeweis-Ausgleichs in der achten Nachspielzeitminute) freuen sich die Fans des SV Darmstadt 98 auf den ersten Rundenauftritt im heimischen Bölle-Wohnzimmer, wenn Holstein Kiel am Sonntag vom hohen Norden nach Südhessen jettet (Anstoß 15Uhr30).

Deftige Gesprächslautstärke hallte am vergangenen Sonntag ab 15Uhr30 durch die Kneipen der Heinermetropole und Umgebung. Die Meinungen über den von der Video-Assistentin Bibiana Steinhaus an die Adresse des Schiedsrichters weitergeleiteten „Headset-Vorschlag“, den Zusammenprall zwischen HSV-Stürmer Manuel Wintzheimer und 98-Verteidiger Dario Dumic auf dem Monitor auszuspähen, sorgten für kontroverse Resultate. Genau wie der Beschluss des Referees, nach einer gefühlten „Ich glotz TV“ – Ewigkeit seine ursprüngliche Meinung zu stornieren.

Die eine Fraktion sprach von einer nachvollziehbaren Entscheidung und die andere Seite von einer visuellen Fehleinschätzung. So oder so: Gleich im ersten Spiel wurde der SV98 von einer vollen Breitseite des Videobeweises, der ab dieser Saison auch in Liga Zwei installiert ist, bombardiert. In der ersten Hälfte hatten die Lilien bei einer Strafraumabwehraktion Glück und am Ende halt nicht. Hoffen wir, dass im weiteren Saisonverlauf den sogenannte VAR ein geschultes Adlerauge auszeichnet, damit solch strittige Szenen die Ausnahme bleiben.

Der Punkt im Volkspark war nach einer schwächeren ersten Hälfte plus dem cleveren Dagegenhalten während des zweiten Durchgangs (vor allem dank der Blitzbude von Tim Skarke vierzehn Sekunden nach dem Wiederbeginn) letztendlich verdient und belohnte nicht nur den großen Kampf, sondern schürt die Zuversicht auf eine problemlose Runde fern der Abstiegszone. Natürlich steckte in manchen Phasen noch Sand im Getriebe, doch die Grammozis-Rädchen griffen schon von einigen verständlichen Ausnahmen abgesehen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass mit Braydon Manu, Mathias Honsak, Erich Berko und Felix Platte noch vier potenzielle Startelfkandidaten verletzt oder wegen Trainingsrückstand fehlten.

Ergo lebt die Hoffnung, dass der SV98 dem Auswärtsremis einen Heimdreier folgen lässt. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn Holstein Kiel befindet sich wahrscheinlich noch in der internen Findungsperiode. Wieder einmal ein neuer Trainer (Andre Schubert ist der Nachfolger von Tim Walter, den es zum VfB Stuttgart zog) und viele neue Spieler müssen zu einer Einheit geformt werden. Auch die Störche starteten mit einem 1:1 – allerdings zu Hause. Gegen den SV Sandhausen gerieten sie schnell in Rücklage, steigerten sich dann aber und erkämpften noch ein Unentschieden.

Hier wie da hegt man den Wunsch, nach einem Remis den ersten Rundensieg einzufahren. Der letzte Vergleich zwischen den beiden Traditionsklubs sollte dem Sportverein eine große Dosis Mut injizieren. Auch Dimi Grammozis wird sich an den Märztermin am Bölle mit Sicherheit gerne erinnern. Nach einem 0:1-Einstieg in Bielefeld fungierte das Duell Lilien contra Störche als Debütheimspiel für den damals neuen Übungsleiter. Am Ende hieß es hochverdient 3:2 pro SV98 (Tore Mehlem, der gerade seinen Vertrag bis 2022 verlängert hat, Dursun und der inzwischen nach Hannover abgewanderte Franke).

Der blau-weiße Zweitligadebütsieg gegen den Altmeister (eroberte noch vor dem ersten Weltkrieg 1912 durch ein 1:0 im Hamburger Stadion Hohe Luft über den Karlsruher FV den zehnten nationalen Titel) und das erste Erfolgserlebnis für Grammozis waren perfekt. Seinerzeit wirbelte Mathias Honsak noch für den Klub von der Förde an der Ostsee. Am Sonntag könnte der Neuzugang nach hoffentlich auskurierter Blessur ausgerechnet gegen die alten Kameraden seine Ligapremiere im 98er-Trikot feiern.

Kiel sorgte in seinen ersten beiden Jahren nach der Rückkehr in die Zweitklassigkeit 2017 (davor herrschte eine 36jährige Tristesse – teilweise auch quer durch die nordischen Amateurgeesten) für reichlich Furore. 2018 wäre fast der Durchmarsch ins Oberhaus geglückt. Erst in der Relegation verhinderte der „Weiterstädter Bub“ Bruno Labbadia als Trainer des VfL Wolfsburg die Sensation. Erfolgscoach Markus Anfang wechselte daraufhin zum 1. FC Köln und Tim Walter übernahm. Walter lieferte ebenfalls eine ausgezeichnete Runde in der schleswig-holsteinischen Hauptstadt ab (Sechster), worauf auch er wie erwähnt im Schwabenland einen besser dotierten Vertrag unterschrieb. Andre Schubert (rettete am Ende der vergangenen Saison Eintracht Braunschweig haarscharf vor dem Absturz in die Regionalliga) ist also der dritte Coach im Storchenzweitligabunde und versucht nun, an die positiven Ergebnisse seiner Vorgänger anzuknüpfen.         

Alle Partien vom 2. Zweitligaspieltag:

Fr 02.08.

VfL Bochum – Arminia Bielefeld 18.30, SV Sandhausen – VfL Osnabrück 18.30, FC St. Pauli – Spvgg Greuther Fürth 20.30

Sa 03.08.

Karlsruher SC – Dynamo Dresden 13.00, Hannover 96 – Jahn Regensburg 15.30

So 04.08.

1. FC Heidenheim – VfB Stuttgart 13.30, SV Darmstadt 98 – Holstein Kiel 15.30, Erzgebirge Aue – SV Wehen

Wiesbaden 15.30

Mo 05.08. 20.30

1. FC Nürnberg – Hamburger SV

 

Letzte Änderung amDonnerstag, 01 August 2019 14:28
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