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2. Bundesliga

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Knifflige Montagsaufgabe bei einem guten alten Bekannten

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Vom Bremer Stadtteil Oberneuland an die Bremer Brücke: So könnte der aktuelle Dienstausflugsplan des SV Darmstadt 98 untertitelt werden. Nach dem souverän erledigten Pokaljob kehren die Lilien am Montagabend nicht nur ins Zweitligaschaufenster zurück, sondern auch erstmals seit der auf einer Alm endenden Saison 13/14 wieder ins Kultstadion des VfL Osnabrück (Anstoß 20Uhr30).

Vier Punkte aus zwei Ligaspielen plus die unverletzt übersprungene Pokalhürde: Der blau-weiße Rundenstart darf mit Fug und Recht als gelungen abgeheftet werden. Kaum auszudenken, wenn Bibi Steinhaus vor drei Wochen in der Hamburger Nachspielzeit statt stier TV zu gucken ein Nickerchen abgehalten hätte. Doch dann wäre heinertypisch wahrscheinlich die Euphorie schon im Saisonfrühstadium übergeschwappt und Dimi Grammozis müsste vermehrt öffentliche Bodenhaftung betreiben.

Bislang wusste die Mannschaft auf jeden Fall zu überzeugen. Die angeschlagen ausgefallenen Säulen wurden nahtlos „ersetzt“ und die coachende Handschrift ist klar zu erkennen. Tim Skarke darf sich als Mann der saisonalen Anfangsperiode küren lassen, denn in allen drei Pflichtpartien traf der Neuzugang ins Schwarze. Der Trainer und der sportliche Leiter scheinen einen breiten und adäquaten Kader geformt zu haben, der für eine lange Spielzeit im Haifischbecken Zweite Liga gerüstet ist.

Sicherlich sind im weiteren Verlauf immer mal Rückschläge bzw. Ergebnisdurststrecken zu erwarten, doch das Vertrauen ist groß, dass jede gefährliche Situation eine positive Reaktion nach sich zieht. Am Montagabend wird die 98er-Widerstandskraft wiederum auf eine harte Probe gestellt: Unter dem Flutlicht der Bremer Brücke bekamen schon etliche Gäste die Leviten gelesen und ein Auswärtsmatch bei einem aufstrebenden Neuling ist von Natur aus kein Zuckerschlecken. Man darf gespannt sein, wie sich der SV98 bei seinem dritten Ligaeinsatz aus der Affäre zieht.   

Für junge oder „neue“ Fans, welche erst seit der durch das Wunder von Bielefeld bewirkten Profifußball-Renaissance dem SV98 die Stange halten, dürfte der VfL Osnabrück wie ein unbeschriebenes Blatt daher kommen. Gegen ein solches Vorurteil würden die „Alteingesessenen“ jegliche Arten des Vetos einlegen, denn der VfL ist ein echter Traditionsverein von Schrot und Korn. Duelle gegen die Lilien gehören seit 1973 zum Establishment – natürlich von Auszeiten aufgrund diverser sportlicher Abstürze hüben wie drüben unterbrochen.

„Kennengelernt“ haben sich Blau-Weiß und Lila-Weiß 1973. Gleich in den ersten beiden Konfrontationen ging es zur Sache. Schließlich lockte in der Aufstiegsrunde ein Platz in der Bundesliga. Auch weil sich jeweils der Gastgeber durchsetzte, waren die von „Ente“ Lippens dirigierten Rot-Weißen aus Essen der lachende Dritte und kletterten in die Beletage. Die Lilien mussten sich noch fünf Jahre gedulden, um erstmals ein solches Glücksgefühl zu erleben. Der VfL indes packte trotz etlicher Versuche Ende der 1960er/Anfang 1970er den Sprung ins höchste deutsche Kickgeschoss nie.

Ab 1981 (Fusion der bis dato zweigleisigen Zweiten Liga) wurde die Paarung Darmstadt vs. Osnabrück im kickenden Alltagsprogramm integriert. Jahr für Jahr beharkten sich die Dauerrivalen am Bölle und an der Bremer Brücke. Zwei jeweils pro SV98 endende Partien jener Epoche sind besonders im Erinnerungskasten gespeichert: Ein fulminanter 7:1-Heimkracher 1986 und der erste von nur zwei Auswärtssiegen am letzten Spieltag 87/88. Das 2:1 in Osnabrück (Tore Dieter Gutzler und Uwe Kuhl, unvergessen der anschließende Platzsturm von den Darmstädter Supportern) plus ein gleichzeitiger Wattenscheider Punktverlust bescherte den Lilien auf dem finalen Drücker den Sprung in die Bundesligarelegation , die bekanntlich in einem Entscheidungsmatch inklusive Verlängerung und Elfmeterschießen auf dem Areal des Saarbrücker Ludwigsparks gegen den Waldhof mündete. Über den Ausgang ist „leider“ wenig überliefert. Ein gewisser Kalle Emig soll nach dem Kehraus alle TV-Mitschnitte und Presseberichte vernichtet haben…

Mit der 98er-Verabschiedung von Liga Zwei trennten sich 1993 die Wege und erst der Drittligaaufstieg 2011 führte die alten Weggefährten wieder zusammen. Ausgerechnet der VfL Osnabrück suchte zur Darmstädter Premiere auf dem ungewohnten Areal das Bölle auf und gewann vor rund 8000 Zuschauern 1:0. Bis zur epochalen Beförderung 2014 konnten die Lilien gegen das lila-weiße Team nur noch einen Sieg einfahren.

Nun kommt es also zum großen Wiedersehen, weil Osnabrück unter der Trainerregie von Vereinsurgestein Daniel Thioune sein Drittligadasein satt hatte und nach acht Jahren Verbannung endlich auf die Zweitligabühne zurückkehrte. Das Comebackspiel ging zwar in die Hose (1:3 gegen Heidenheim), doch der folgende 1:0-Erfolg in Sandhausen und der unglückliche 2:3-Pokalknockout nach großer Gegenwehr gegen RB Leipzig schüren die Hoffnung, dass die Niedersachsen sich wieder zum festen Bestandteil der Zweitklassigkeit entwickeln.   

Alle Partien vom dritten Zweitligaspieltag:

Fr 16.08. 18.30

Hamburger SV – VfL Bochum, SV Sandhausen – 1. FC Nürnberg

Sa 17.08. 13.00

Arminia Bielefeld – Erzgebirge Aue, VfB Stuttgart – FC St. Pauli, SV Wehen Wiesbaden – Hannover 96

So 18.08. 13.30

Dynamo Dresden – 1. FC Heidenheim, Spvgg Greuther Fürth – Jahn Regensburg, Holstein Kiel – Karlsruher SC

Mo 19.08. 20.30

VfL Osnabrück – SV Darmstadt 98

Letzte Änderung amFreitag, 16 August 2019 12:13
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