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2. Bundesliga

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Alter Südklassiker am Bölle

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Rund anderthalb Jahre nach dem letzten Rendezvous treffen sich der SV Darmstadt 98 und der 1. FC Nürnberg am Sonntagmittag zum insgesamt 34. Mal für ein kickendes Stelldichein. Vor dem sechsten Zweitligamatch 19/20 dürfen die beiden Erzrivalen mit dem bisherigen Saisonverlauf nicht zufrieden sein und werden sich nach der zweiwöchigen Länderspielpause ins Zeug legen, dass ein positives Ergebnis die Spur in angenehmere Tabellenregionen ebnet. Anstoß am Bölle ist um 13Uhr30.

Hier wie da kann die Statistik der ersten fünf Spieltage nur als „durchwachsen“ eingeordnet werden. Die Lilien leiden nach dem ordentlichen Rundeneinstieg (vier Punkte aus den ersten beiden Spielen) an einer Tor- bzw. Sieglosallergie (drei Partien ohne „Dreier“ plus 295 Minuten kein eigenes Goal mehr erzielt), was den optisch nicht angenehmen Tabellenrang Sechzehn zur Folge hat. Auch der Club hinkt seinen Erwartungen noch hinterher. Der frühere deutsche Rekordmeister (insgesamt neun nationale Titel) und heutige Bundesligarekordabsteiger weist zwar mit seinem neuen Trainer Damir Canadi sowie Christian Mathenia und Hanno Behrens, den beiden Lilien-Bundesligaaufstiegshelden von 2015, zwei Zähler mehr als die 98er auf, doch diese Zwischenbilanz ist sicherlich dem großen Ziel „sofortiger Wiederaufstieg“ nicht angemessen. Bezüglich der dargebotenen Leistungen und Resultate sind die großen Widersacher HSV und VfB zumindest bislang dem FCN um einige Meilen voraus.

Beim Sportverein von 1898 hofft man, dass die Pflichtspielunterbrechung produktiv genutzt wurde, um nach drei mehr oder weniger enttäuschenden Auftritten den Hebel endlich umzulegen. Hinsichtlich von Torgefahr (lediglich drei Einlochungen in fünf Partien sind Ligaminuswert), Kreativität und Mut zum Risiko müssen die Lilien unbedingt zulegen. Ansonsten droht eine lange respektive schwierige Saison auf dem Drahtseil der unteren Ranglistensphären. Personell haben die Verantwortlichen noch einmal aufgestockt und verpflichteten kurz vor Schließung des Transferfensters Seung-ho Paik (Defensive; FC Girona) und Ognjen Ozegovic (Offensive; Partizan Belgrad). Gut möglich, dass die beiden Last Minute – Verpflichtungen am Sonntag ihre blau-weiße Premiere geben.

Ungeachtet der sportlichen Problemzonen hüben und drüben prickelt es (vor allem bei den älteren Fan-Semestern), wenn die Paarung SV Darmstadt 98 contra 1. FC Nürnberg auf der Agenda steht. Der Gast aus dem Frankenland trägt unabänderlich einen der klangvollsten Namen im deutschen Kickjargon, auch wenn die Erfolge mit Ruhm und Ehre der Vergangenheit schon lange nicht mehr mithalten können. Seit den ersten bundesweiten (bzw. damals reichsweiten) Titelgewinnen in den 1920ern wird die fränkische Institution nur der Club genannt. Wohlgemerkt mit C wie Cäsar. Ein Klub (mit K wie Konrad) ist ein „normaler“ Fußballverein und der Club (fränkisch Glubb) ist halt der FCN.

Zusammen mit Schalke beherrschte Nürnberg die Vorkriegsszenerie. Der Lack bröckelte erst nach der „Zeitenwende“ 1945 allmählich ab. Trotzdem blieb der gegen den Ball tretende Kultvertreter bis 1969 durchweg erstklassig und feierte noch drei Meisterschaften. Dann geschah das Unfassbare. Just in dem Jahr, als die aufstrebenden Münchener Bayern ihre erste Bundesligaschale einheimsten und die Umgestaltung der nationalen Hierarchie einleiteten, stieg man als amtierender deutscher Champion ab. Das fränkische Zitat „Der Glubb is a Depp“ nahm Kontur an. Seitdem konnte der FCN nie mehr an die glorreichen Epochen anknüpfen und entwickelte sich zum Paradebeispiel einer Fahrstuhlmannschaft.

Durch die „69er-Tragödie“ trafen sich auch Darmstädter und Nürnberger Balljongleure achtzehn Jahre nach der Erstausgabe auf dem Boden der alten erstklassigen Oberliga Süd wieder (50/51, der SV98 verlor damals zur Premiere im Hochschulstadion 2:3). Von 1971 bis 1980 kickten Lilien und Cluberer ununterbrochen gemeinsam in Regionalliga, Zweiter Liga und Bundesliga. Sportverein vs. FCN war einfach der „Klassiker“ jener goldenen Dekade. Während Blau-Weiß im weinroten Frankenstadion (heute Max Morlock – Stadion) bis auf ein paar Unentschieden wenig gebacken bekam (noch nie dort gewonnen), sah Nürnberg am Bölle oft kein Land und ging nicht selten mit fliegenden Fahnen unter. Als Paradebeispiel hierfür dient unabänderlich der letzte Saisonspieltag 72/73. Es war Muttertag und die Regionalligameistertruppe des seinerzeitigen Übungsleiters Udo Klug schenkte den hilflosen Gästen sage und schreibe sieben Stück ein. Das 7:0 stand im blau-weißen Historienranking lange allein ganz oben auf dem Highlightzettel und „muss“ sich diesen Status erst seit Mai 2014 mit dem ostwestfälischen Relegationscoup teilen. Gone, but not forgotten!

Beim letzten Nürnberger Gastspiel am Bölle vor rund zwei Jahren hatte der Club allerdings die Nase vorne (4:3) und kehrte am Ende der Saison 17/18 in die Bundesliga zurück. Das Intermezzo dauerte bekanntlich nur zwölf Monate: Rekordabstieg inklusive (wein)roter Laterne im Gepäck. Nun sieht man sich wieder auf dem Zweitligaparcours und heuer will der SV98 den Spieß umdrehen. So wie einst im Mai - oder zumindest so ähnlich…

Alle Partien vom 6. Zweitligaspieltag:

Fr 13.09. 18.30

Karlsruher SC – SV Sandhausen, Spvgg Greuther Fürth – SV Wehen Wiesbaden

Sa 14.09. 13.00

Hannover 96 – Arminia Bielefeld, Jahn Regensburg – VfB Stuttgart, 1. FC Heidenheim – Holstein Kiel

So 15.09. 13.30

SV Darmstadt 98 – 1. FC Nürnberg, VfL Bochum – Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue – VfL Osnabrück

Mo 16.09. 20.30

FC St. Pauli – Hamburger SV

 

Letzte Änderung amSonntag, 15 September 2019 20:21
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