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2. Bundesliga

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Blau-Weißer Kulttreff tief im Westen und tief im Tabellenkeller

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Mit einem großen Quantum an sportlichen Sorgen bitten der VfL Bochum und der SV Darmstadt 98 am Samstagmittag zum Tanz „anne Castroper“. Die Lilien warten seit fünf Runden auf einen Sieg, während die Fußballlieblinge von Herbert Grönemeyer in dieser Saison überhaupt noch nicht gewonnen haben. Anstoß im Ruhrstadion ist um 13Uhr.

„Die Tabelle lügt nicht“: Diese berühmt-berüchtigte und drei Euro das Phrasenschwein bereichernde  Fußballfloskel taxiert das Duell zwischen den beiden traditionell die Farben Blau und Weiß zur Schau tragenden Konkurrenten zum Krisengipfel der achten Zweitligaausgabe. Wenn im Klassement der Siebzehnte respektive Vorletzte die hauchzart auf der noch sicheren Seite sesshafte Nummer Fünfzehn empfängt, ist keine andere Voreinschätzung möglich. Mit zwei Punkten Vorsprung gegenüber seinem Gastgeber tourt der Sportverein ins Herz des Ruhrpotts. Jeder kann sich ergo ausrechnen, wohin die 98er-Ranking-Reise im Falle des Bochumer Debütdreiers führen würde.

„Verlieren verboten“ lautet also die Heinerdevise vor dem wegweisenden Kick-off. Hierfür muss das Team von Dimi Grammozis allerdings über seinen Auswärtsschatten springen. Seit dem Führungstor von Tim Skarke am ersten Spieltag im Volkspark traf der SVD in der Fremde nicht mehr ins Schwarze – also aktuell praktisch sieben Halbzeiten lang. Überhaupt ist das Versenken des Eckigen ins Runde das Hauptmanko: Nur die Kieler Störche haben genauso wenig Buden erzielt (je sechs).

Von offizieller Seite wurden die Leistungen (gefühlt) ein bisschen oft schön geredet. Sicherlich fehlte hier wie da das Spielglück (z.B. während der siebten Nachspielzeitminute in Hamburg oder beim Ozegovic-Lattenkracher in Heidenheim), doch insgesamt wirkt der Sportverein trotz vorhandener Kadersubstanz nicht konsequent genug und erlaubt sich in den entscheidenden Abwehrsituationen zu viele einfache Patzer. Dennoch lebt natürlich die Hoffnung, dass der Bock bald wieder in die positive Richtung umgestoßen wird – am besten selbstredend jetzt schon in Bochum.

Beim VfL ist die Lage (noch) düsterer. Saisonübergreifend hechelt die Blume im Revier seit neun Partien vergeblich einem „Dreier“ hinterher. Dieser Minuslauf kostete vor wenigen Wochen Robin Dutt den Trainerjob. Sein Nachfolger Thomas Reis (Vereinsurgestein, von 1995 bis 2003 im aktiven Bochumer Dienst) vergeigte auf seiner ersten Profiübungsleiterstation die beiden Begegnungen unter seiner Regie zwar nicht, fand allerdings für das ersehnte Comeback in die Siegspur ebenfalls noch kein Rezept (zwei Remis). Am zurückliegenden Spieltag war es fast soweit, doch zwei Minuten vor dem Abpfiff erzielte der SV Sandhausen den 1:1-Endstand und somit geht die sportliche Leidensgeschichte weiter.

Den Lilien sollte bewusst sein, was sie am Samstag erwartet. Der Hausherr wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, um im Statistikklassement die Null unter der Überschrift Siege endlich wegzuradieren. Ansonsten droht dem nahe des Himmelbetts für Tauben wohnhaften VfL, dass sein einst in der Bundesliga geltender unabsteigbarer Pulsschlag aus Stahl bald auch eine Kicketage tiefer nicht mehr akustisch vernehmbar ist, denn von der ruhmreichen Vergangenheit, als man mit einem Doppelpass jeden Gegner nass machte, kann sich die derzeitige Bochumer Fußballauswahl genau so wenig kaufen wie vom Grubengold (die Kohle ist halt knapp).

Im Ruhrstadion sind für den SV98 gute Nerven und ein energisches Dagegenhalten gefragt. Und ein besseres Ergebnis als jene dort in den zurückliegenden Jahren verbuchten Scores. Nur beim allerersten Aufeinanderprall der blau-weißen Widersacher „anne Castroper“ im Juni 1979 konnten die Lilien den kompletten Ertrag nach Südhessen entführen. Vor über vierzig Jahren drehten die Legenden Walter Bechtold und Gerhard Kleppinger einen 0:1-Rückstand während der Schlussphase zum 2:1. Eine solche oder zumindest ähnliche  Resultatswiederholung käme einem echten Befreiungsschlag gleich, damit sich im Umfeld die Nerven wieder beruhigen und die Spätsommersonne über der Wissenschaftsstadt nicht verstaubt…  

Alle Partien vom 8. Zweitligaspieltag:

Fr 27.09. 18.30

Arminia Bielefeld – VfB Stuttgart, SV Wehen Wiesbaden – VfL Osnabrück

Sa 28.09. 13.00

VfL Bochum – SV Darmstadt 98, Jahn Regensburg – Hamburger SV, Karlsruher SC – 1. FC Heidenheim

So 29.09. 13.30

FC St. Pauli – SV Sandhausen, Spvgg Greuther Fürth – Holstein Kiel, Erzgebirge Aue – Dynamo Dresden

Mo 30.09. 20.30

Hannover 96 – 1. FC Nürnberg

 

Letzte Änderung amDonnerstag, 26 September 2019 11:38
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