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2. Bundesliga

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Kempe kam, sah und flankte - Standard sorgt für den Befreiungsschlag auf St. Pauli

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Hamburg war mal wieder eine Reise wert. In der Fremde punkten die Lilien halt nirgendwo so gerne wie in der Hansestadt. Nach sieben sieglosen Spielen bescherte das 1:0-„Ususergebnis“ auf St. Pauli (zum dritten Mal in den letzten vier Begegnungen am Millerntor) dem SV Darmstadt 98 einen erlösenden „Dreier“ respektive den ersten Auswärtserfolg seit Ende April (2:1 in Köln). Ein Löwenanteil des Erleichterungsprozesses gebührt dem kurz zuvor eingewechselten Joker Tobi Kempe, dessen Eckenpräzision Richtung Schädel von Victor Palsson das Match entschied.

FC St. Pauli – SV Darmstadt 98  0:1

St. P.: Himmelmann, Ohlsson, Carstens, Lawrence (78. Östigard), Buballa, Becker, Knoll, Miyaichi, Möller Daehli, Sobota (72. Flum), Diamantakos

SVD: Schuhen, Herrmann, Dumic, Höhn, Holland, Paik, Palsson (88. Stark), Mehlem, Heller (61. Skarke), Honsak (77. Kempe), Dursun

Tor: Palsson 80.

Zuschauer: 29550

Für die wichtige Partie auf dem Heiligengeistfeld nahm Coach Grammozis den erwarteten Torwarttausch vor. Marcel Schuhen, der seinen bislang einzigen Lilieneinsatz ebenfalls in Hamburg bestritt (am ersten Spieltag beim HSV), rückte nach einer längeren Verletzungsauszeit wieder zwischen die Pfosten. Die zweite Personalumstellung gegenüber dem 1:1 vor zwei Wochen gegen den KSC bescherte Mathias Honsak, der zuvor lediglich drei Jokereinsätze verbucht hatte, die Ligastartelfpremiere im 98-Dress.

In der ersten halben Stunde hielt der Sportverein gut dagegen und gestaltete die kampfbetonte Auseinandersetzung ausgeglichen. Nach zwölf Minuten packte Patrick Herrmann an der Strafraumgrenze den Hammer aus, aber Keeper Himmelmann konnte seinen Schuss abwehren. Ansonsten fanden die Gäste im Vorwärtsgang kaum eine Lücke, hielten dafür aber hinten konsequent den Laden dicht. Das änderte sich ein wenig während der finalen Viertelstunde vor dem Seitenwechsel, weil die Lilien den Zugriff verloren und kaum Entlastung anboten. Zum Glück aus 98-Sicht entpuppte sich aber auch St.Pauli nicht gerade als Erfinder der Torgefahr und so ging es mit einer fast schon logischen Nullnummer in die Halbzeit.

Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte wurde das Darmstädter Offensivdilemma deutlich. Die Lilien kombinierten sich an der Mittellinie gekonnt durch, weshalb Honsak freie Bahn hatte. Alleine auf den Kasten zusteuernd schossen ihm allerdings wohl zu viele Gedanken durch den Kopf. Auf jeden Fall zögerte Honsak so lange mit dem Abschluss, bis die Kiezkicker im Verbund klären konnten. Auf der anderen Seite klingelte es im Tor des viel Ruhe ausstrahlenden Schuhen, doch der korrekte Abseitspfiff erstickte den Jubel des einnetzenden Sobota. Durmic bot sich dann die nächste Möglichkeit des Sportvereins (Schuss über das Gehäuse), ehe Grammozis einen lang gehegten Wunsch des Umfelds endlich erfüllte und den zuletzt sogar auf die Tribüne verbannten Publikumsliebling Tobi Kempe auf den Platz schickte (77.).

180 Sekunden wirkte Kempe mit, als er zu einer Eckenausführung antrat. Wie in „guten alten Zeiten“ zwirbelte er den Ball gekonnt in den Sechzehner, wo Palsson lauerte und dankbar zum „Golden Goal“ der Partie bzw. zu seiner Debütbude als 98-Zweitligafußballer einköpfte. In der Schlussphase ließen die Lilien angefeuert von ihren zahlreich anwesenden und lautstark dem Siegcomeback entgegen singenden Fans nichts mehr anbrennen. Der Abpfiff besiegelte das Ende der Ergebnisleidenszeit und löste enthemmte Siegfeierlichkeiten auf der nahen Reeperbahn aus (zumindest vom überglücklichen Anhang).

Dank der Inhalierung dieses lange vermissten Erfolgserlebnisses hat der SV98 zunächst einmal die direkte Abstiegszone verlassen und kann vor der Heimaufgabe am nächsten Freitagabend gegen Erzgebirge Aue dem brisanten Wiedersehen mit Dirk Schuster gelassener entgegen blicken.   

Letzte Änderung amSamstag, 19 Oktober 2019 15:51
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