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2. Bundesliga

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Blumig-Brisantes Duell am Bölle: Heimstarke Lilien contra Schusters Veilchen

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Der elfte Zweitligaspieltag steht an und eröffnet für den SV Darmstadt 98 eine wichtige englische Woche, die mit zwei Heimspielen binnen vier Tagen beginnt. Vor dem Pokaljob nächsten Dienstag (29.10.) gegen den KSC empfangen die Lilien am Freitagabend das bisherige Überraschungsteam Erzgebirge Aue und wollen nicht nur den auf St. Pauli hingelegten „Erlösungsdreier“ veredeln, sondern auch dem Gästetrainer die sicherlich emotionale Rückkehr sportlich versalzen (Anstoß 18Uhr30).

Egal, ob er es will oder nicht: Dirk Schuster wird beim anstehenden Duell zumindest vor dem Kick-off im Rampenlicht stehen. Ein über ihn hereinbrechendes Blitzlichtgewitter der Medien- respektive Social Media – Welt dürfte gewiss sein. Es ist Schusters erster Auftritt als gegnerischer Übungsleiter am Bölle seit der Regionalligasaison 10/11 (damals coachte er die Stuttgarter Kickers; mit dem FC Augsburg trat er wenige Wochen vor seiner Beurlaubung 2016 nur in der Fuggerstadt gegen den Sportverein an). Dazwischen liegen seine beiden 98-Amtszeiten, von denen vor allem die erste Epoche einen festen Platz auf der Triumphseite des blau-weißen Almanachs ewig sicher hat.

Das Liliencomeback zurück auf die große Fußballbühne bleibt immer mit dem Namen Schuster verbunden: Klassenerhalt in der Dritten Liga 2013 (wenn auch „nur“ am Grünen Tisch dank dem „lieben“ OFC), das Wunder von der Alm 2014, der Durchmarsch ins Oberhaus 2015 und der dort geglückte Ligaverbleib 2016 sind kurz hintereinander aufgebaute Historiemeilensteine. Nach seinem missglückten Abstecher gen Augsburg kehrte Schuster noch einmal zurück und rettete die Lilien 2018 vor dem Abstieg aus der Zweiten Liga (pikanterweise durch ein 1:0 gegen Erzgebirge Aue am finalen Spieltag), ehe aufgrund der erneuten Degradierungsgefahr und seines in Darmstadt nicht mehr greifenden Konzepts das markante Kapitel im Frühjahr des laufenden Jahres endgültig abgeschlossen wurde  und der heutige Coach Dimi Grammozis das Zepter übernahm.

Die Verdienste des Ex-Trainers, für die die meisten Spieler des aktuellen Kaders noch ihren Beitrag leisteten, muss die Mannschaft des Sportvereins am Freitagabend ausblenden. Es zählt nur die Verteidigung der Heimserie (seit zehn Spielen am Bölle ungeschlagen, darunter alle neun Partien unter der Regie von Grammozis) und bestmöglich der zweite Sieg in Folge. Das 1:0 am Millerntor beendete bekanntlich die nervige Durststrecke von zuvor sieben vergeblichen Versuchen, einen „Dreier“ einzufahren. Die Co-Produktion zwischen dem endlich wieder nominierten Tobi Kempe (präzise Ecke nur drei Minuten nach seiner Einwechslung) und Victor Palsson (unhaltbar einschlagender Kopfball) sorgte für das befreiende Erfolgserlebnis auf dem Heiligenfestfeld inklusive der daraus resultierenden Verabschiedung von der direkten Abstiegszone.

Nun soll mit Hilfe des in Hamburg erworbenen Rückenwindes die Vergoldung des ersten Saisonauswärtssiegs folgen. Aber auch der Gast aus dem Erzgebirge wird mit breiter Brust auflaufen. In Aue läuft es derzeit wie am Schnürchen. Die Momentaufnahme Rang Vier hatte sicherlich kaum jemand auf dem Zettel und mancher Sachse träumt bestimmt heimlich im stillen Kämmerlein, dass Schuster sein in Südhessen vorexerziertes Kunststück (sensationeller Bundesligaaufstieg als krasser Außenseiter) in der Zwickauer Mulde wiederholt. Seit Mitte August steht der einstige 98-Hero als Nachfolger von Daniel Meyer (Trennung aufgrund von internen Gründen, die nicht an die Öffentlichkeit drangen) bei den Veilchen unter Vertrag und feierte in der neuen Funktion am zurückliegenden Spieltag seinen bislang größten Erfolg. Das 4:3 über den Nürnberger Club sorgte wegen dem turbulenten Matchverlauf und der dramatischen Schlussphase (zwei Nachspielzeittore plus einem von Keeper Männel in allerletzter Sekunde parierten Elfer) für bundesweite Furore.

Die Statistik spricht allerdings pro SV98. In den erst sechs Vergleichen verloren die Lilien nur ein einziges Mal: Das 0:1 in Aue im Dezember 2017 führte zur Beurlaubung von Torsten Frings und Reaktivierung von Dirk Schuster. Ansonsten hortete der Sportverein neben einem Remis vier Siege, wobei sich hauptsächlich das Bölle als Bastion erwies. Die Erzgebirgler gingen bei allen drei bisherigen Stippvisiten an die Nieder-Ramstädter Straße nicht nur punktuell leer aus, sondern konnten sogar kein einziges Tor erzielen. Das bekannteste dieses Partienterzetts stellt uneingeschränkt der bereits erwähnte 1:0-Erfolg zum Saisonkehraus 17/18 dar.

Aue bot damals lange die bessere Leistung, während der SV98 die Gunst Fortunas beanspruchten musste (u.a. bei einem von Bregerie erst hinter der Linie geklärten Abschluss und einem nicht geahndeten Handspiel von Felix Platte im eigenen Sechzehner). Vier Minuten vor dem Abpfiff bescherte Tobi Kempe mit seiner goldenen Bude allen blau-weißen Fans einen kollektiven Steinfall vom Herzen. Dagegen stürzten die Gäste durch den spät kassierten Fangschuss auf den Relegationsrang ab und legten aufgrund den aus ihrer Sicht falschen Schiedsrichterentscheidungen zweimal Protest ein, welche jeweils abgeschmettert wurden. Die Lilien blühten ergo mit Dirk Schuster am rettenden Ufer und die Veilchen marschierten mit reichlich Wut im Bauch in die Saisonverlängerung gegen den Drittliga-Dritten KSC. Durch das 0:0 im Wildpark und einem 3:1 zu Hause verteidigte Aue letztendlich den Zweitligastandort.

Alle Partien vom 11. Zweitligaspieltag:

Fr 25.10. 18.30

SV Darmstadt 98 – Erzgebirge Aue, Holstein Kiel – VfL Bochum

Sa 26.10. 13.00

Hamburger SV – VfB Stuttgart, Dynamo Dresden – Arminia Bielefeld, Karlsruher SC – Hannover 96

So 27.10. 13.30

1. FC Nürnberg – Jahn Regensburg, 1. FC Heidenheim – FC St. Pauli, VfL Osnabrück – Spvgg Greuther Fürth

Mo 28.10. 20.30

SV Sandhausen – SV Wehen Wiesbaden

Letzte Änderung amDonnerstag, 24 Oktober 2019 09:17
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