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2. Bundesliga

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SV98 dupliziert das St. Pauli-Schema zum nächsten 1:0 gegen Aue

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Wenn Du spielerisch wenig gebacken bekommst, musst Du eben erneut geduldig auf die goldene Ecke von Tobi Kempe warten. Mit diesem schon letzte Woche am Millerntor praktizierten Konzept feierte der SV Darmstadt 98 am Freitagabend nach einer eigentlichen typischen Nulldiät gegen Aue den zweiten 1:0-Sieg in Folge und schickte die frustrierten Veilchen wieder einmal mit dem endgültig etablierten Standardergebnis zurück ins Erzgebirge. 

SV Darmstadt 98 – Erzgebirge Aue  1:0

SVD: Schuhen, Herrmann, Dumic, Höhn, Holland, Paik (83. Schnellhardt), Palsson, Mehlem (77. Berko), Kempe, Honsak (64. Skarke), Dursun 

Aue: Männel, Mihojevic, Fandrich, Hochscheidt, Baumgart (89. Krüger), Rizzuto, Kempe, Riese, Gonther, Nazarov (88. Daferner), Testroet (80. Zulechner)

Tor: Dumic 87.

Zuschauer: 14100

Das Tohuwabohu zum Schuster-Comeback an dessen Stätte seiner größten Triumphe verblasste zunächst einmal beim Publizieren der 98er-Aufstellung. Nach seinem entscheidenden Blitzjoker-Assist auf St. Pauli bereicherte Tobi Kempe erstmals in dieser Saison die blau-weiße Anfangsformation, verdrängte Marcel Heller auf die Ersatzbank und trug seinen Teil zum Bruderduell bei (auf Auer Seite wurde Dennis Kempe von Schuster nominiert). Tobi Kempes letzter Startelfeinsatz war datiert vom Mai (Kehrausspieltag der vergangenen Zweitligarunde). Der Gegner damals? Erzgebirge Aue! Das Ergebnis? 1:0! Der Torschütze? Tobi Kempe! Wenn das mal kein gutes Omen vor dem Wiedersehen mit Schusters Veilchen war…

Die Vorfreude auf das Flutlichtspiel an der Nieder-Ramstädter Straße verwandelte sich allerdings zunächst in Tristesse. Was beide Mannschaften vor allem in der ersten Hälfte auf dem saftigen Bölle-Grün ablieferten, erinnerte stark an den Nichtangriffspakt von 1982 zwischen Deutschland und Österreich. Hüben wie drüben stand die Absicherung des eigenen Sechzehners ganz oben auf der Prioritätsliste. Die Offensivabteilungen verhungerten, weil sich im Spiel nach vorne kaum etwas regte. So ging es mit dem einzig gerechten Halbzeitscore von 0:0 in die Pause.

Nach dem Wiederbeginn nahmen die Vorwartsaktivitäten zunächst etwas zu. Aue roch auf seiner vierten Dienstreise nach Darmstadt zweimal am Debüttreffer (bisherige Bölle-Resultate aus Erzgebirge-Sicht 0:2, 0:1, 0:1), aber einmal konnte Dario Dumic in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Testroet zur Ecke klären und wenig später zappelte der Ball im Netz, aber Mihojevic hatte aus Abseitsposition eingeköpft. Da hatte Keeper Marcel Schuhen den Papst in der Tasche, dass sein Patzer zur Heimspielpremiere (hütete zuvor „nur“ in den beiden Hamburger Saisonauswärtsbegegnungen den Darmstädter Kasten) keine Konsequenzen nach sich zog.

In der Schlussphase forderten die Lilien zweimal Elfmeter, doch sowohl die Pfeife des Schiedsrichters als auch der singende Draht aus dem Kölner Keller blieben stumm. Immerhin resultierte aus der zweiten kniffligen Szene ein Eckstoß pro SV98, für dessen Ausführung in der 87. Minute natürlich Tobi Kempe zur Tat schritt. Wie vor Wochenfrist auf St. Pauli fand die perfekt getimte Hereingabe des langjährigen 98-Standardvirtuosen einen dankbaren Abnehmer. Dario Dumic köpfte völlig blank stehend die Kugel in die Maschen, bejubelte mit den blau-weißen Kameraden frenetisch seine vierte Saisonbude und bugsierte die Lilien auf die eigentlich schon am Horizont verschwundene Wolke Sieben.

Vor allem Schuster dürfte diese entscheidende Einschweißung gewurmt haben. Sicherlich hat er die Erzgebirgler vor dieser ihm wohl bekannten 98-Stärke gewarnt. Den Hausherren interessierten solche Opponentenprobleme nach überstandener Vierminuten-Nachspielzeit selbstredend nicht die Bohne. Ungeachtet der überschaubaren Performance sind die Lilien jetzt vier Spiele ungeschlagen, verbuchten dank identischem Erfolgsmuster den zweiten „Dreier“ am Stück und verloren keines der letzten elf Heimspiele. Lohn dieses Zwischenspurts ist die Aufstockung auf vierzehn Punkte aus elf Matches. Dagegen fiel Aue ins Deja-vu – Loch: Immer noch weder Punkt noch Tor am Bölle und den „0:1-Hattrick“ kassiert.

 

Bereits am kommenden Dienstag (29.10.) bestreitet der SV Darmstadt 98 erneut zu Hause das nächste Pflichtspiel. In der zweiten Runde des DFB-Pokal kommt es zur Neuauflage des erst vor dreieinhalb Wochen ausgetragenen Punktspiels gegen den Ligarivalen Karlsruher SC an gleicher Stätte (Anstoß 20Uhr45 am Bölle). Beiden Seiten bietet sich die Möglichkeit, ins lukrative Achtelfinale vorzustoßen. Es geht in diesem gut dotierten Wettbewerb um reichlich Mammon und natürlich viel Prestige. Die Lilien wollen es diesmal besser machen als beim jüngsten Aufeinandertreffen, in dem man sich trotz optischer Überlegenheit mit einem 1:1 begnügen musste. Die frühe Führung von Dario Dumic und der fast postwendende Ausgleich von Philipp Hofmann sind natürlich noch in bester Erinnerung. Um das lohnenswerte Ziel zu erreichen, ist endlich der erste Heimsieg gegen den badischen „Angstgegner“ seit Mai 1980 erforderlich - notfalls auch über Verlängerung und Elfmeterschießen.

Letzte Änderung amSamstag, 26 Oktober 2019 07:23
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