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2. Bundesliga

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Wichtiges „Sechspunkteduell“ zweier Tabellennachbarn

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Nach der letzten Länderspielpause in 2019 öffnet die Zweite Liga wieder ihre Pforten. Der vierzehnte Saisonspieltag wird am Montag abgeschlossen, wenn der SV Darmstadt 98 erstmals seit Januar 2016 in der HDI-Arena (besser bekannt unter dem alten Namen Niedersachsenstadion) aufläuft. Gastgeber Hannover 96 empfängt mit einem neuen Trainer und der Last seiner heimischen Sieglosigkeit um 20Uhr30 die ebenfalls alles andere als sorgenfrei anreisenden Lilien.

Vor dem anstehenden Wiedersehen der beiden Traditionsvereine katapultiert alleine die Tabellensichtung einige Brisanz ans Tageslicht. Die 96er kauern auf Position Fünfzehn gerade noch so über dem ominösen Strich, während die „zwei Jahre jüngeren“ 98er mit nur einem Zähler mehr auf dem Konto Rang Dreizehn innehaben. Diese momentane Lage könnte sich hier wie da bis Montagabend noch verschlechtern respektive den Druck vergrößern, unbedingt einen Zugewinn zu erzielen, weil die weiteren Nebenbuhler im Kampf um den Klassenerhalt ja bereits an den vorherigen drei Tagen im Einsatz sind.

Den im Vorfeld für die kommende Partie oft zitierten Begriff „Krisenduell“ muss man zumindest aus Darmstädter Sicht ein wenig relativieren. Wer nur eines seiner vergangenen sechs Ligabegegnungen verloren hat, dem sollte selbst der Berufspessimist keine sportliche Talfahrt andichten. Auf der anderen Seite rühren die drei jüngsten Pflichtspielpartien in der blau-weißen Wunde: Der Pokalknockout gegen den KSC, die aufgrund einer ganz schwachen Leistung überaus enttäuschende 1:3-Pleite in Fürth sowie das 2:2 gegen den Regensburger Jahn, als der Sportverein in der Schlussphase den 0:1-Rückstand per Dursun-Doppelschlag in das vermeintliche 2:1-Happyend drehte, ehe Sekunden vor Ablauf der Nachspielzeit nach einem folgenschwerer Patzer von Keeper Schuhen zwei ganz wichtige Punkte flöten gingen.

Somit stagnieren die Lilien mit nur zwei Zählern Vorsprung zum Relegationsplatz respektive drei Punkte vor dem ersten fixen Abstiegsrang in der Gefahrenzone. Das dramatisch engmaschige Klassement gestattet halt keine Fehler. Weitaus düsterer sieht es allerdings in der Hauptstadt Niedersachsens aus. Vor allem unter der Berücksichtigung, dass 96 als Bundesligaabsteiger mit dem klar formulierten Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs die Saisonhatz eröffnete, aber in den ersten dreizehn Matches böse auf dem knallharten Boden der Tatsachen landete.

Mit der Rückkehr des einstigen Erfolgstrainers Mirko Slomka hoffte der umstrittene Vereinsboss Martin Kind, sein kickendes Flaggschiff wieder in ruhigere Fahrwasser zu manövrieren. Doch der Schuss ging nach hinten los und zischte gegen den Bug. Auswärts wurde 96 zwar weitgehend seiner Favoritenrolle gerecht, aber die Darbietungen im heimischen Wohnzimmer am Maschsee vergraulten das treue Publikum. Bis dato hecheln die Hannoveraner in den eigenen vier Wänden vergeblich einem Sieg hinterher (Schlusslicht des Heimrankings). Das 1:1 gegen Sandhausen kostete Slomka schließlich den Job.

Mit der kurzfristigen Interimslösung Arif Saric folgte dann auch in der Fremde ein Resultatsdesaster (0:4 in Heidenheim) und der Sturz in die tabellarische Bredouille war endgültig perfekt. Während der Länderspielpause präsentierte der Deutsche Meister von 1938 und 1954 (damals sensationelles 5:1 gegen 1. FC Kaiserslautern, der mit sechs Spieler antrat, die wenige Wochen später im Berner Wankdorf das Wunder von Bern kreierten) mit Kenan Kocak einen neuen coachenden Hoffnungsträger. Kocak kennt die Zweite Liga aus seiner Ära zwischen 2016 und 2018 beim SV Sandhausen und soll die totale Havarie verhindern sprich bei seinem Einstand mit dem aus 96-Sicht erlösenden Saisondebütheimdreier gegen die Lilien den Weg in angenehmere Ranglistensphären ebnen. Vom baldigen Bundesligacomeback spricht in der norddeutschen Metropole eh keiner mehr.

Den verständlichen Hoffnungen der Hausherren auf eine Kehrtwende wollen die 98er genauso nachvollziehbar entgegenwirken und selbst wichtigen Profit für eine adäquate Entspannungspolitik horten. Die Statistik der internen Vergleiche spricht pro Sportverein (sieben Siege bei je vier Unentschieden und Niederlagen). Letztmals verlor eine blau-weiße Auswahl im Sommer 1992 (0:5 im Niedersachsenstadion). Zwar gab es seitdem nur noch drei weitere Meetings, welche die Lilien allesamt im Verlauf der mit dem vorletzten Abstieg der 96er und dem einzigen 98-Oberhausklassenerhalt endenden Bundesligarunde 15/16 positiv gestalteten: 2:2 am Bölle (Darmstädter Beletage-Comebackmatch nach 33 Jahren Abstinenz), 2:1 im Pokal an gleicher Stätte und ebenfalls 2:1 beim Ligarückkampf in Hannover (Doppeltorschütze Sandro Wagner).

Auch die anno 1982 binnen weniger Tage über die Bühne gehenden Premierenvergleiche zwischen den beiden Rivalen entschied der SVD zu seinen Gunsten: 4:0 im altehrwürdigen Eilenriede (Pokal) und 2:1 im Niedersachsenstadion (Liga Zwei). Die kickenden Vorgänger der heutigen blau-weißen Mannschaft haben also schon bewiesen, wie man als SV98 an der Leine besteht. Jetzt müssen die aktuell mit der Lilie auf der Brust versehenen Fußballer am Montagabend „nur“ noch nachziehen…     

Alle Partien vom 14. Zweitligaspieltag:

Fr 22.11. 18.30

VfL Bochum – VfL Osnabrück, Erzgebirge Aue – FC St. Pauli

Sa 23.11. 13.00

Hamburger SV – Dynamo Dresden, Arminia Bielefeld – SV Sandhausen, SV Wehen – Holstein Kiel

So 24.11. 13.30

VfB Stuttgart – Karlsruher SC, Jahn Regenburg – 1. FC Heidenheim, Spvgg Greuther Fürth – 1. FC Nürnberg

Mo 25.11. 20.30

Hannover 96 – SV Darmstadt 98

 

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