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2. Bundesliga

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Big Points dank Mitwirkung des Schiri-Rückens

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Wenn die alte Regel „Der Schiedsrichter ist Luft“ noch gegolten hätte, wären dem SV Darmstadt 98 am Montagabend zum Abschluss des vierzehnten Zweitligaspieltags zwei wichtige Zähler durch die Lappen gegangen. So aber entführten die Lilien dank einem 2:1-Auswärtssieg das Punkteoptimum beim direkten Tabellenrivalen Hannover 96 und können etwas relaxter den bevorstehenden schweren Aufgaben entgegen blicken.

Hannover 96 – SV Darmstadt 98  1:2

96: Zieler, Albornoz, Felipe, Prib (59. Hansson), Jung (84. Stendera), Haraguchi, Anton, Bakalorz, Muslija (68. Maina), Ducksch, Weydandt

SVD: Schuhen, Herrmann, Dumic, Höhn, Holland, Paik (46. Stark), Palsson, Kempe (80. Heller), Mehlem, Skarke (71. Honsak), Dursun

Tore: 0:1 Eigentor Anton 1:1 Haraguchi 14. 1:2 Kempe 29.

Zuschauer: 22100

Besonderes: Gelb-Rot Stendera (96) 90. + 2

Für das wegweisende Duell zweier Ranglistennachbarn beglückte 98-Coach Dimi Grammozis Mittelfeldmotor Marvin Mehlem mit dem Startelfrecht. Für ihn setzte sich Mathias Honsak auf die Ersatzbank. Kenan Kocak, der neue Trainer der Niedersachsen,  musste bei seinem Einstand am Maschsee Marcel Franke ersetzen, der in der letzten Saison noch im blau-weißen Trikot des SV98 auf Punktejagd ging und wegen einer im letzten Spiel erhaltenen roten Karte zum Zuschauen verurteilt war.

Die zu Hause saisonal immer noch sieglosen Hausherren bereiteten den Lilien nach dreißig Sekunden eine Schrecksunde, als Weydandt frei zum Kopfball hochstieg, aber das Ziel knapp verfehlte. Auf der anderen Seite mündete der erste Darmstädter Vorstoß gleich in der Führung und das erste Kapitel aus dem Kuriosenkabinett wurde niedergeschrieben. Mehlem lenkte die Kugel Richtung Netz. Allerdings standen zwei „Rote“ auf der Torlinie und hätten den Schuss eigentlich klären müssen, doch Anton (der aus Hannover und nicht der aus Tirol) semmelte  die Pille in den eigenen Kasten.

Dieses Selbsttor unterstrich die Verunsicherung der Niedersachsen. Auch der Trainerwechsel bewirkte noch keinen Anstieg des Selbstvertrauens. Daran änderte auch der Ausgleich wenig. Nach einer unglücklichen Faustabwehr von Keeper Schuhen in die Mitte versenkte Haraguchi die Pille maßgerecht. Von diesem Dämpfer ließ sich der südhessische Gast allerdings nicht aus dem Konzept bringen. Die Lilien stellten fortan das konstruktivere Team und durch einen nett anzusehenden Angriff gelang die erneute Vorlage. Holland passte auf Dursun, der wiederum den heraneilenden Kempe bediente und dieser schweißte mit seiner ganzen Schussurgewalt zum 2:1 aus 98-Sicht ein.

Auch in der Folge kontrollierte der Sportverein die Partie. 96 enttäuschte dagegen auf der ganzen Linie. Rein gar nichts erinnerte daran, dass Hannover in der vergangenen Saison noch in der Bundesliga kickte. In der zweiten Hälfte wurde der Platzhirsch etwas aktiver und erarbeitete sich zwei Halbchancen – aber auch nur, weil die Lilien den Fehler begingen, sich immer weiter zurück zu ziehen bzw. den Verwaltungsgang einzulegen, statt für Entlastung zu sorgen. So war es prinzipiell nur der 96er-Harmlosigkeit zu verdanken, dass die Grammozis-Schützlinge scheinbar ihren Vorsprung relativ solide über die Runden schaukeln können.

Drei Minuten vor dem offiziellen Kehraus drohte der Traum vom zweiten Saisonauswärtsdreier zu platzen. Der kurz zuvor eingewechselte Stendera packte den Sonntagsschuss am Montagabend aus und der Ball rauschte punktgenau in den Winkel. Das Stadion jubelte (zumindest die 96-Fans) und die 98er schauten enttäuscht in die Röhre. Ging wieder eine 2:1-Führung unmittelbar vor dem Abpfiff in die Binsen? Aus Frust wurde allerdings schnell Erleichterung, weil sich der Kölner Keller zu Wort meldete und eine Ballberührung von Schiedsrichter Thomsen direkt vor dem Stendera-Abschluss monierte. Seit dieser Runde gilt die Regel, dass der Referee bei einer Torentwicklung nicht mehr Luft ist und ein Treffer nicht zählen darf. Ergo nahm er zum niedersächsischen Entsetzen den Ausgleich zurück. Warum er sich aber die Aktion noch einmal am Monitor ansah, bleibt sein Geheimnis. Er muss doch die Ballberührung gespürt haben...

Egal. Der SV98 kam nach dem diesmal für ihn positiven Videobeweis nicht mehr in die Bredouille, während Stendera seinem Frust freien Lauf ließ und nach einer Attacke gegen die unschuldige Eckfahne innerhalb den acht Minuten seiner Einsatzzeit die zweite gelbe Karte sah. Derweil durfte sich der SV98 erneut über einen erfolgreichen Ausflug in den hohen Norden freuen und feierte den identischen Sieg-Score wie beim letzten Auftritt im Niedersachsenstadion (damals noch in der Bundesliga). Auf der Klassementtafel rückten die Lilien auf Position Zehn vor und verfügen vor dem nächsten Heimmatch am kommenden Sonntag gegen Aufstiegskandidat Arminia Bielefeld über ein Vierpunkteguthaben zum Relegationsplatz.   

Letzte Änderung amDienstag, 26 November 2019 09:52
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