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2. Bundesliga

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Heimstarke Südhessen contra ostwestfälische Auswärtsmacht

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Nach dem - dank dem Motto „Auch ein Schiri-Rücken kann eine Lilie entzücken“ - geglückten Dienstausflug gen Hannover muss der SV Darmstadt 98 am kommenden Sonntag ein dickes Brett durchbohren, um die Heimserie zu verteidigen und den nächsten Punktezuschuss auf das blau-weiße Konto zu transferieren. Mit Arminia Bielefeld gibt sich am Bölle der auswärts noch unbezwungene Tabellenzweite die Ehre (Anstoß 13Uhr30).

Der in Niedersachsen errungene „Dreier“ für die Momentaufnahmenentspannung (Zehnter im Gesamtranking und vier Zähler Vorsprung zum Relegationsplatz) hallte hauptsächlich aufgrund von drei prägenden Matchszenen nach: Die Slapstick-Einlage der Hannoveraner Abwehrspieler beim völlig missglückten Abwehrversuch vor der 98er-1:0-Führung, das wunderbar heraus kombinierte 2:1 von Tobi Kempe und natürlich die Annullierung des vermeintlichen 96er-Ausgleiches kurz vor dem Abpfiff.

Die neue Regel, dass der Schiedsrichter vor einem Toreinschlag den Ball nicht berühren darf, hatte wohl nicht jeder auf dem Schirm. Die meisten Zuschauer im Stadion oder vor dem TV-Gerät arrangierten sich entweder jubelnd da oder frustriert dort bereits mit der Dokumentierung des 2:2, bis der Kölner Keller sein Veto einlegte und den Referee auf die seit Rundenbeginn veränderte Fußballgesetzmäßigkeit, dass für ihn kein Scorerpunkt möglich ist, aufmerksam machte. Ergo revidierte Thomsen nach einem kurzen Monitorstudium seine ursprüngliche Entscheidung. So paradox es sich anhört: Der abfälschende Rücken des Unparteiischen rettete dem Sportverein die Big Points. Am Donnerstag legte Hannover 96 wegen dieser Korrektur Protest gegen die Wertung ein, die aber erfahrungsgemäß im Sande verlaufen dürfte.  

Nach der positiven Finalisierung des kuriosen vierten Saisonsieges gilt die volle Konzentration der nächsten Hürde, die uneingeschränkt eine hohe Wertigkeit besitzt und die verbleibenden vier Herkulesaufgaben vor dem Start der Winterpause einläutet (drei Begegnungen dieses 2019-Abschlussquartettprogramms führen gegen die drei bestplatzierten Vereine von Liga Zwei!). Jetzt rollt also der momentan schier unaufhaltsam anmutende Ostwestfalenexpress Richtung Heinermetropole. Die Arminia legte in den vergangenen Wochen und Monaten den Grundstein, um im nächsten Sommer erstmals seit über zehn Jahren wieder in die Bundesliga aufzurücken.

Vor der Runde war bezüglich dem Aufstiegskandidatentipp nur die Rede von den drei Oberhausabsteigern plus dem HSV. Doch während der Club und Hannover im Tabellenkeller versunken sind, hält Bielefeld nicht nur mit den Rautenträgern und dem VfB mit, sondern hat dem Favoritenduo zumindest teilweise den Rang abgelaufen. Bis zum vergangenen Wochenende residierte die Mannschaft von Erfolgstrainer Uwe Neuhaus sogar auf dem Gipfel, ehe man nach dem kleinen Dämpfer gegen Sandhausen (1:1) wieder Position Zwei belegt (punktgleich mit Primus HSV).

Diese Leistungsexplosion verdanken die Arminen neben ihrem Übungsleiter in erster Linie dem besten Offensivtandem der gesamten Klasse (Kluburgestein Fabian Klos und Andreas Voglsammer bugsierten zusammen schon neunzehn Mal den Ball über die Linie) sowie der extremen Dominanz fern der heimischen Alm: Sechs Siege und ein Remis in den bisherigen sieben Saisonauswärtsspielen sind zweifellos eine nachhaltige Duftmarke.

Es kommt also zu einer reizvollen Konfrontation zwischen den in der Liga zu Hause seit zwölf Partien ungeschlagenen Lilien (darunter alle elf unter der Regie von Dimi Grammozis) und den so ungern Gastgeschenke verteilenden Ostwestfalen. Beim letzten Meeting der beiden kickenden Traditionsvertreter Anfang März 2019 startete Grammozis übrigens seine coachende Lilienkarriere mit einer 0:1-Niederlage auf der Alm.

Apropos reizvoll: Wenn die Paarung SV98 vs. DSC Arminia auf dem Zettel steht, kommt man praktisch selbstredend- respektive schreibend einfach nicht umhin, sich an den 19. Mai 2014 zu erinnern (natürlich nicht nur, wenn dieses Duell mal wieder über die Bühne geht). Kein Wunder. Wer es erlebt hat – egal ob auf den Alm-Rängen oder vor der Glotzkiste – wird es nie vergessen. Vor allem nicht den heilbringenden Verlängerungsnachspielzeitkracher des „alten“ Brasilianers Elton Da Costa sowie den anschließenden Pfostentreffer auf der Gegenseite, der beinahe doch noch das Zweitligacomeback streitig gemacht hätte. Aber nur beinahe. Legendäre Highlightgeschichte, ohne die der Sportverein heute sportlich nicht das wäre, was er jetzt im sechsten Jahr wieder darstellt: Ein elitäres Mitglied der 36 besten deutschen Klubs.

Alle Partien vom 15. Zweitligaspieltag:

Fr 29.11. 18.30

VfL Osnabrück – Hamburger SV, Karlsruher SC – Jahn Regenburg

Sa 30.11. 13.00

1. FC Nürnberg – SV Wehen, FC St. Pauli – Hannover 96, VfL Bochum – Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden – Holstein Kiel

So 01.12. 13.30

SV Darmstadt 98 – Arminia Bielefeld, 1. FC Heidenheim – Spvgg Greuther Fürth, SV Sandhausen – VfB Stuttgart

 

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