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2. Bundesliga

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Reaktivierung des 98er-Auswärtsheimspiels in Wiesbaden

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Nach dem von der „Auswärtsmacht“ Arminia Bielefeld installiertem Stoppschild der lange währenden Bölle-Unbezwingbarkeit muss der SV Darmstadt 98 am kommenden Sonntag beim Ranglistenvorletzten SV Wehen Wiesbaden unbedingt selbst Beute in der Fremde erobern. Falls nicht, dürfte es sowohl tabellarisch als auch im Umfeld ungemütlich werden (Anstoß in der Brita-Arena um 13Uhr30).

Gegen das ostwestfälische Standardprogramm, fern der Alm den Gastgebern regelmäßig eine lange Nase zu zeigen, war am vergangenen Sonntag kein Kraut gewachsen. Zwar hielt der Sportverein im ersten Durchgang gut mit und schnupperte nach dem Klos-Doppelschlag bzw. der Kempe-Verkürzung am Ausgleich, doch beim Abpfiff feierte der jetzt wieder frisch inthronisierte Spitzenreiter seinen nächsten Coup. Ergo müssen die Lilien nun ähnlich wie in Hannover auswärts die Kastanien aus dem Feuer holen, um die erste Heimniederlage seit dem Frühjahr respektive unter der Regie von Coach Grammozis zu kompensieren.

Durch den Rückschlag ist nicht nur der Vorsprung zum Relegationsplatz auf drei Punkte geschrumpft, sondern auch das Guthaben zum SV Wehen, der auf dem ersten direkten Abstiegsrang sitzt (nur noch fünf Zähler Differenz). Dieses Anschlussverfahren glückte dem Aufsteiger dank einem „Kunststück“, das selbst dem SV98 in seiner weitaus opulenter verlaufenden Karriere noch nie gelungen ist: Ein Sieg beim Nürnberger Club (2:0). Deshalb lautet jetzt die oberste Devise: Den hessischen Rivalen auf Distanz halten bzw. bestmöglich den Proviant zu vergrößern. Erst Recht unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die beiden jeweils am Bölle folgenden Jahreskehrausaufgaben gegen den Dritten VfB Stuttgart (Finale der Vorrunde) und den Zweiten HSV (erstes Match der zweiten Halbserie) logischerweise keine Selbstläufer für eine Kontoaufstockung sind.

Der Druck ist also gewachsen, in der Brita-Arena etwas zu reißen. Wehen hat vor allem zu Hause seine Problemzonen (bereits fünf Pleiten und 22 Gegentore). Daraus gilt es Profit zu ziehen, auch wenn der Neuling alles daran setzen wird, eine unmittelbare Klassementkontaktaufnahme zu konstruieren. Die blau-weiße Defensivabteilung muss hauptsächlich ein waches Auge auf Manuel Schäffler werfen, dem nach Fabian Klos (12 Buden) erfolgsreichsten Zweitligaknipser (elf Treffer).

Der Wehener Stürmer stellt für den Hausherr so etwas wie die sportliche Überlebensversicherung dar und lotste vor achteinhalb Jahren seinen damaligen Brötchengeber MSV Duisburg ins DFB-Pokalfinale (0:5 im „Berliner Pottderby“ gegen die Schalker Knappen). Das war am 21. Mai 2011, ein auch für die Lilien markantes Datum. Wenige Stunden zuvor hatte Yannick Stark kurz vor ultimo im überfüllten Stadion von Wormatia Worms zum 2:1 eingeschweißt und sorgte damit dafür, dass die 98er eine Woche später vor rund 17000 Fans am Bölle erstmals in die Dritte Liga aufsteigen konnten (4:0 gegen den FC Memingen).

Durch diese blau-weiße Beförderung 2011 fungierten Wehen, das ab 2007 (erstmaliger Einzug in die Zweitklassigkeit; bis 2009) zwischenzeitlich den 98ern den höherklassigen Rang abgelaufen hatte, und die Lilien wieder auf einem Level. Drei Jahre später fundamentierte der Sportverein das Comeback der „gewohnten“ Hierarchie. Ausgerechnet in der Brita Arena absolvierte der SVD seinen auswärtigen Abschiedseinsatz auf der Drittligabühne.

Die sensationelle Teilnahme an der Relegation Richtung Liga Zwei stand schon vor dem Anstoß fest. Dennoch ließ sich die damalige Mannschaft von Dirk Schuster unterstützt von einer wahren Fan-Armada (legendäre Schiffsanreise auf Vater Rhein) im bis am Sonntag letzten Aufeinanderprall der beiden Konkurrenten nicht lumpen und gewann 1:0. Torschütze war ein gewisser Elton Da Costa, der rund zwei Wochen darauf das Wunder von der Alm kreierte, dessen Dramatik und Bedeutung man hier nicht mehr präzisieren muss.

Nach einer Dauerabonnement in Liga Drei von 2009 bis 2019 rückte der SV Wehen mit Hilfe eines ähnlich erfolgreichen Relegationsmusters (3:2 auswärts nach 1:2-Heimniederlage gegen den FC Ingolstadt) im vergangenen Mai zum zweiten Mal in die Zweite Liga hoch und hofft nach einem klassischen Fehlstart (Debütdreier erst am achten Spieltag), noch die Ligaverbleibfährte zu finden. Am Sonntag kommt es ergo zum Wiedersehen mit dem Sportverein von 1898, der die deutliche Mehrzahl der anwesenden Zuschauer auf seiner Seite weiß. So wie immer in der Brita Arena oder früher am stets zugigen Halberg in Taunusstein. 

Das erst 1993 aus der Taufe gehobene Hessenligaduell (den Begriff „Derby“ nimmt ein 98er für diese Paarung nicht in den Mund, weil die stolze blau-weiße Tradition das frühere Wehener Schattendasein um „Welten“ überragt) bot schon einige heiße Konfrontationen. Der Aufschwung des Emporkömmlings begann Ende der Siebziger Jahre mit dem Einstieg des Sponsors Heinz Hankammer (Trinkwasserfilterunternehmen „Brita“). 1989 bereicherte der SVW erstmals die Hessenliga und qualifizierte sich 1994 für die neue Regionalliga Süd.

Nach dem Zweitligaeinmarsch 2007 siedelte die Fußballabteilung für eine Grundlage der Strukturbedingungen des Profifußballs von Taunusstein in die nahe gelegene Landeshauptstadt um und nannte sich fortan SV Wehen Wiesbaden. Gleichzeitig ließ Hankammer in der zweitgrößten Stadt Hessens unweit des Stadions an der Berliner Straße (der Heimat des SV Wiesbaden, der inzwischen in der Versenkung verschwundenen eigentlichen Nummer Eins Wiesbadens) in Windeseile die „Brita-Arena“ errichten. Dort tritt der ursprüngliche Dorfklub seitdem gegen den Ball, allerdings in der Regel ohne das entsprechende Zuschauerquantum. Eine Ausnahme bildet der kommende Sonntag dank den erneut via Schienen, Asphalt oder Wasser sehr variabel gen Wiesbaden pilgernden Heinern…  

Alle Partien vom 16. Zweitligaspieltag:

Fr 06.12. 18.30

Hamburger SV – 1. FC Heidenheim, Arminia Bielefeld – Karlsruher SC

Sa 07.12. 13.00

Hannover 96 – Erzgebirge Aue, Holstein Kiel – VfL Osnabrück, Spvgg Greuther Fürth – VfL Bochum

So 08.12. 13.30

SV Wehen Wiesbaden – SV Darmstadt 98, Jahn Regenburg – FC St. Pauli, Dynamo Dresden – SV Sandhausen

Mo 09.12. 20.30

VfB Stuttgart – 1. FC Nürnberg

 

Letzte Änderung amDonnerstag, 05 Dezember 2019 14:47
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