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2. Bundesliga

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Gesucht: Die Nachfolger von Jockel Weber und Rudi Koch als VfB-Bezwinger

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Am Montagabend kommt dem Bölle die Ehre zuteil, den Abschluss der Zweitligavorrunde 19/20 auszurichten. Das altehrwürdige respektive im Umbau befindliche Stadion erlebt im hochinteressanten Kracher SV Darmstadt 98 vs. VfB Stuttgart den dreizehnten Vergleich zwischen zwei sportlich nicht sorgenfreien süddeutschen Traditionsvereinen (Anstoß 20Uhr30).

Kurz vor dem fließenden Übergang in den sich direkt anschließenden Auftakt der zweiten Saisonhalbrunde (am 21. Dezember folgt der nächste 98er-Heimknaller gegen den HSV, ehe die fast anderthalb Monate andauernde Winterpause ihren Tribut fordert), kann man sowohl in Südhessen als auch im Schwabenland mit der Rankingmomentaufnahme nur bedingt zufrieden sein.

Die Lilien hätten sich vor den beiden schweren Jahreskehrausaufgaben gegen die heißen Aufstiegskandidaten sicherlich einen komfortableren Vorsprung zur Abstiegszone erhofft (aktuell vier Punkte zum Relegationsrang und fünf Zähler zum ersten direkten Verbannungsplatz), während der hoch dotierte Kader mit dem legendären roten Brustring auf dem weißen Trikot trotz aktuell Position Drei extreme Mühe offenbart, bezüglich des sofortigen Wiederaufstiegs seinen Favoritenvorschusslorbeeren gerecht zu werden.

Aufgrund einer durch die Auswärtstorregel verlorenen Relegation gegen Union Berlin (2:2 in Stuttgart, 0:0 an der Alten Försterei) stürzte der im Stadtteil Bad Cannstatt beheimatete Verein für Bewegungsspiele am Ende der vergangenen Saison zum dritten Mal nach 1975 und 2016 aus der Bundesliga ab. Für das im Laufe der Jahrzehnte erworbene Selbstverständnis der Klubprotagonisten sowie der zahlreichen Fans, immer im Konzert der „Großen“ mitzumischen, kam dieser neuerliche Dämpfer natürlich einem Schlag ins Kontor gleich.

Wie 16/17 musste der angeblich so gern „Häusle bauende und ned nach de Mädle schauende“ Schwabe erneut über die geographisch nicht weit entfernten, aber wegen ihrem (für Stuttgarter Verhältnisse) - „Provinztouch“ anhaftenden Heimstätten des SV Sandhausen und dem 1. FC Heidenheim tingeln – wo es nicht viel zu erben gab (nur ein Punkt aus diesen beiden Auswärtspartien).

Glanz und Gloria der früheren VfB-Heros sind also „leicht“ verblasst. Man erinnere sich an Robert Schlienz (bekam 1948 nach einem Autounfall den Unterarm amputiert, was ihn nicht störte, seine Farben je zweimal zum Deutschen Meister und Pokalsieger zu ballern), den „schönen“ Hansi Müller, die Förster-Brüder, Karl (Kn)Allgöwer, Guido „Diego“ Buchwald, Hermann Ohlicher oder das „magische Dreieck“ Balakov/Elber/Bobic.

Am zurückliegenden Sonntag absolvierte der SV98 beim SV Wehen Wiesbaden sein eigenes Bundeslandduell. Ähnlich wie in Baden-Württemberg spricht man ungeachtet der geringen Streckendistanz auch hier ungern bzw. gar nicht von einem Derby. Durch das letztendlich gerechte 0:0 konnten die Lilien zumindest ihren Proviant zum versetzungsgefährdeten Tabellenareal verteidigen bzw. sogar um einen Zähler aufstocken, wenngleich die Nullnummer niemanden vom Hocker riss.

Doch das Worst Case – Szenario einer Wehener Annäherung wurde vermieden und in den verbleibenden beiden Heimaufgaben versucht das Team von Dimi Grammozis, sich für die besinnlichen Tage unter dem Weihnachtsbaum noch weiteren Winterspeck anzufuttern. Dafür muss aber neben einer Reaktivierung der positiven Heimergebnisse (im jüngsten Bölle-Match gegen Bielefeld endete ja bekanntlich die lange währende ungeschlagene Serie) der Torabschlussknoten platzen. Zusammen mit dem roten Laternenträger  Dynamo Dresden stellt der Sportverein die einnetzgeizigste Ligamannschaft (jeweils nur siebzehn Buden).

Auf die Balance, den richtigen Draht zwischen Offensivrisiko und Neutralisierung der gefährlichen Stuttgarter Angriffsstrategen zu finden, könnte es am Montag unter dem Flutlicht an der Nieder-Ramstädter Straße ankommen. Letztgenanntes Anliegen wird ohne Hilfe von Victor Palsson über die Bühne gehen. Der isländische „Abräumer“ sitzt nach seiner in Wiesbaden durch Videobeweis kassierten roten Karte eine Sperre von zwei Spielen ab und wird erst wieder im neuen Jahr den blau-weißen Punktspielbetrieb bereichern.

Dass die Schwaben zu knacken sind, unterstreicht die Sichtung der letzten acht Stuttgarter Zweitligaprüfungen. Zwar schulterte der VfB am vergangenen Montag das „Krisenmeeting“ gegen den 1. FC Nürnberg mit einem 3:1-Sieg, doch im angesprochenen Zeitfenster ging die Auswahl von Übungsleiter Tim Walter, der am Saisonbeginn seinen coachenden Nistplatz vom Kieler Storchennest in die baden-württembergische Hauptstadt verlegte, satte fünf Mal komplett leer aus – darunter unisono die letzten drei Auswärtsverpflichtungen. 

Sicherlich ein bisschen zu oft, weshalb Walter vor dem erlösenden „Dreier“ gegen den fränkischen „Sinkflug-Club“ schon gehörig in die Kritik geriet. Damit hat er – überspitzt ausgedrückt – ja etwas mit Grammozis gemeinsam. Obwohl beide Trainer ihr jeweiliges Ziel rechnerisch noch fest im Blick haben, wird jedes Negativresultat (vor allem, wenn zudem die dargebotene Leistung nicht dem persönlichen Anspruchsdenken genügt) im „Blätterwald“ sprichwörtlich zerrissen. Aber vordergründig im Zeitalter der sozialen Medien muss ein leitender Verantwortungsträger wohl damit leben.

Auf dem Zweitligaparkett werfen sich SVD und VfB erstmals seit Februar 1977 wieder den Fehdehandschuh zu. Damals feierten die Lilien den bis dato letzten Sieg über die Bewegungsspieler aus dem „Ländle“. Dieter (Turban-) Hoeneß legte zwar schnell für den fünffachen deutschen Meister vor, aber Jockel Weber und Rudi Koch wendeten das Blatt zum 2:1-Triumph pro Sportverein. Drei Monate darauf stieg das württembergische Fußballflaggschiff dennoch als Klassenchampion wieder in die Bundesliga auf, was die 98er für einen Nachahmungsprozess inspirierte. Ein Jahr später kosteten die sogenannten Feierabendfußballer vom Bölle selbst den Meisterschaftsschampus und gaben 1978 ihren unvergessenen Einstand in der deutschen Beletage.

Für die weiteren Konfrontationen Blau-Weiß contra Rot-Weiß bildete ergo die Bundesliga den Rahmen. Aber weder 78/79 noch 81/82 und 15/16 gelang den Lilien ein Sieg. Während nach den ersten beiden Oberhausabenteuern im alten Jahrtausend die interne Duelldurststrecke allerdings vom jeweiligen Darmstädter Abstieg zusätzlich überschattet wurde, fielen die Scores vor vier Jahren (0:2 in der Mercedes-Benz Arena, dem früheren Neckarstadion, und 2:2 am Bölle) nicht negativ ins Gewicht.

Zumindest nicht für den SV98, weil trotzdem der sensationelle Klassenerhalt zu Buche stand. Dagegen rutschte der VfB am Rundenende eine Etage hinunter. Diesen Betriebsunfall reparierten die Schwaben postwendend, doch wie schon geschildert folgte vor einem halben Jahr die dritte Degradierung und deshalb treffen sich die beiden kickenden Kultvertreter nun am Montagabend im Zweitligageschäft wieder. Dort wollen die Lilien ihre im Gegensatz zur Bundesliga positive Bilanz gegen die Schwaben (zwei Siege, ein Remis und nur eine Niederlage) ausbauen…

Alle Partien vom 17. Zweitligaspieltag:

Fr 13.12. 18.30

VfL Bochum – Hannover 96, Erzgebirge Aue – Jahn Regensburg

Sa 14.12. 13.00

FC St. Pauli – SV Wehen, 1. FC Heidenheim – Arminia Bielefeld, Karlsruher SC – Spvgg Greuther Fürth

So 15.12. 13.30

SV Sandhausen – Hamburger SV, 1. FC Nürnberg – Holstein Kiel, VfL Osnabrück – Dynamo Dresden

Mo 16.12. 20.30

SV Darmstadt 98 – VfB Stuttgart

Letzte Änderung amFreitag, 13 Dezember 2019 14:25
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