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2. Bundesliga

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Finaler Heimspielkracher vor den Weihnachtsferien

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Nach dem Toppspiel ist vor dem Toppspiel: Gerade einmal fünf Tage nach dem intensiven Punktgewinn gegen den VFB Stuttgart dürfen sich Mannschaft und Fans des SV Darmstadt 98 auf ein weiteres Highlight am Bölle freuen. Das Duell gegen Ex-Dino Hamburger SV ist die erste Rückrundenverpflichtung und beschließt gleichzeitig das kickende Jahr 2019 (Anstoß Samstag um 13Uhr).

Zwei einstige deutsche Fußballgrößen geben sich also unmittelbar vor der Winterpause im altehrwürdigen und durch den Umbau in neuer Pracht glänzenden Stadion an der Nieder-Ramstädter Straße hintereinander die Klinke in die Hand. Das schwer erkämpfte und letztendlich wegen dem bedingungsvollen Willen, unbedingt etwas Zählbares einzufahren, durchaus verdiente 1:1 gegen die Schwaben schürt im südhessischen Lager natürlich die Hoffnung, auch dem HSV ein Bein zu stellen und die eigene Punktebilanz aufzupeppen.

Das Polster von vier Punkten zum Relegationsrang respektive sechs Zählern zum ersten direkten Abstiegsplatz soll auch nach dem Vergleich mit den Rautenträgern von der Waterkant keine Einbuße erleiden. Sicherlich ein schwieriges Unterfangen angesichts der Tatsachen, dass der Nürnberger Club und Dresden bereits am Freitagabend untereinander agieren (eines der drei „Schlusslichter“ wird ergo definitiv zulegen) und weil der HSV – ähnlich wie der VfB – aufgrund der Wiederaufstiegsambitionen inklusive seinem prominent bestückten Kader im Favoritenmodus antritt.

Zudem haben die Rothosen am Bölle noch nie verloren. Während sich der SV98 in den vergangenen Jahren auf dem Areal des Volksparkstadions als „unbeliebter Gast“ gemausert hat (drei Siege und ein Remis), fehlt im Umkehrschluss zu Hause ein Sieg in der Vita. Weder im Verlauf der vier gemeinsamen Bundesligaspielzeiten noch zur letztjährigen HSV-Zweitligapremiere wollte es mit einem „Dreier“ klappen.

Hinzu gesellt sich zu den aus 98-Sicht negativen Ergebnisheimfakten das legendäre 0:1 vom 7. März 1987. Die Lilien waren erstmals (und auch letztmals) ins Viertelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Nach einem packenden Fight auf Augenhöhe setzte sich die Norddeutschen vor 26000 Zuschauern (!) am aus allen Nähten platzenden Bölle erst in der 88. Minute entscheidend durch, weil selbst der überragende bzw. unvergessene Keeper Wilhelm Huxhorn beim Abschluss von Joker Manfred Kastl das Nachsehen hatte.

Wenige Wochen später stemmten Manni Kaltz & Co. dank einem 3:1 über die Stuttgarter Kickers den DFB-Pokal in die Berliner Abenddämmerung. Damals ahnte selbstredend niemand, dass der in jener Epoche erfolgsverwöhnte HSV bis dato keinen weiteren Titel mehr einfahren würde. Ungeachtet von diversen Intermezzohöhenflügen ging es peu á peu bergab. Der schleichende Niedergang gipfelte 2018 im - für Hamburger Verhältnisse - Worst Case – Szenario.

Nach langem Widerstand (u.a. mit Hilfe von schmeichelhaft absolvierten Relegationen) gab das einzig noch existierende Oberhausnonstopmitglied seine erstklassige Dauerkarte ab. Der Begriff Bundesliga-Dino verschwand also aus dem Spitznamenregister und der frühere deutsche Vorzeigeklub (sechs deutsche Meisterschaften, zwei Europacuptriumphe, drei DFB-Pokals-Siege) musste erstmals in seiner glorreichen Historie im Fahrstuhl auf den Knopf des zweiten Stockwerks drücken.

Dort lebte sich der HSV eigentlich gut ein (zur Saisonhälfte sechs Punkte Vorsprung auf Position Drei), ehe ausgerechnet die Lilien in der Rückrunde durch ihren „Volksparksieghattrick (nach einem 0:2-Rückstand krönte Marvin Mehlem mit seinem 3:2 in der Nachspielzeit das triumphale Wendemanöver) eine Talfahrt einleiteten, die am Ende den sofortigen Wiederaufstieg kostete.

Die Vereinsoberen reagierten zwischen den Saisons und ersetzten auf dem Trainerposten den glücklosen Newcomer Hannes Wolf durch den erfahrenen Dieter Hecking. Der routinierte Coach schien auch den bekannt schwierig zu leitenden HSV-Laden in den Griff zu bekommen. Im Eröffnungsmatch hatte er noch den Papst in der Tasche, als die Lilien lange 1:0 führten, bis der erste Videobeweis mit Darmstädter Beteiligung den Rothosen in der 97. Minute (!!) den  Lucky Punch – Ausgleich bescherte.

Die Belegschaft des Kölner Kellers in Person von Bibiana Steinhaus monierte eine angebliche Dumic-Regelwidrigkeit im Sechzehner, weshalb Schiri Robert Hartmann seine ursprüngliche Meinung revidierte und nach längeren „Ich glotz TV“ – Sequenzen dem Hausherr einen fragwürdigen Foulelfmeter zuschanzte, dessen Verwandlung den 98er-„ Volksparksiegquattrick“ verhinderte.

In der Folge biss sich der HSV mit Hilfe einer Siegesserie allerdings oben fest. Doch wie erwähnt richtet sich der Daumen inzwischen eher nach unten. Zwar sitzen die „Uwe Seeler – Erben“ noch auf der zweiten Stufe (punktgleich mit dem VfB und vier Zähler hinter Überraschungsprimus Arminia Bielefeld), aber der Trend ist absolut nicht der Friend: Seit sieben Auswärtspartien sieglos (dieser Minuslauf fand ausgerechnet im 0:2 beim HH-Derby am Millerntor seinen Ursprung) und nur ein Pünktchen  aus den letzten drei Begegnungen ergattert, wobei den Offensivkräften es lediglich zweimal gelang, den Ball ins gegnerische Netz zu befördern.

Der ersehnte Traum von der Bundesligarückkehr droht also wiederum zu platzen, falls der HSV im neuen Jahr fortan schwächelt. Dann kann es den 98ern egal sein, solange die Rothosen in ihrer finalen 2019-Verpflichtung noch einmal ins Strauchelloch fallen. Ein blau-weißes Erfolgserlebnis zum Showdown gegen den renommierten Gast aus dem hohen Norden wäre selbstredend das Sahnehäubchen für den drei Tage darauf zu stemmenden Weihnachtsbraten und zusätzlich adäquate Überbrückungslabsal für die bis am 29. Januar 2020 andauernde Winterpause.

Alle Partien vom 18. Zweitligaspieltag:

Fr 20.12. 18.30

1. FC Nürnberg – Dynamo Dresden, Karlsruher SC – SV Wehen Wiesbaden

Sa 21.12. 13.00

SV Darmstadt 98 – Hamburger SV, Hannover 96 – VfB Stuttgart, FC St. Pauli – Arminia Bielefeld, Erzgebirge Aue – Spvgg Greuther Fürth

So 22.12. 13.30

VfL Bochum – Jahn Regenburg, 1. FC Heidenheim – VfL Osnabrück, SV Sandhausen – Holstein Kiel

Letzte Änderung amFreitag, 20 Dezember 2019 10:41
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