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2. Bundesliga

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Verlieren verboten beim Big Point – Kracher in Dresden

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„Schlüsselspiel, Sechspunkteduell oder Wegweisermatch“: Im Vorfeld der Zweitligapartie am Freitagabend zwischen Dynamo Dresden und dem SV Darmstadt 98 aktiviert der Blätterwald mal wieder die altbekannten Phrasen für eine wichtige Fußballbegegnung. In der Tat sollten sich die Lilien im Rudolf Harbig – Stadion (Anstoß 18Uhr30) keine Niederlage erlauben, wenn sie nicht vom Abstiegsgespenst umgarnt werden wollen.

Sowohl für die blau-weiße Mannschaft als auch für den vordergründig in den sozialen Medien krisitsierten Trainer Dimi Grammozis steht in „Elbflorenz“ sportlich einiges auf der Kante. Der optisch beruhigend daher kommende elfte Tabellenplatz ist prinzipiell ein Paradebeispiel für den Evergreen „Wenn der Schein trügt“. Das exaktere Rankingstudium liefert schonungslose Argumente, dass jede Pleite (insbesondere gegen einem direkten Klassenerhaltsnebenbuhler) die Alarmstufe drastisch aktiviert, denn in der unglaublich engen unteren Klassementhälfte beträgt der Vorsprung zu den Positionen Sechzehn (Relegation) und Siebzehn (erste direkte Degradierungsstelle) jeweils lediglich drei Punkte und würde ergo bei einem - aus 98-Sicht -  unglücklichen Resultatsszenario wie eine Seifenblase platzen.

Auf der achtzehnten und letzten Sprosse kauert der nächste Lilienherausforderer aus Dresden mit einem Defizit von sechs Punkten zum Sportverein und deren vier zur definitiven Versetzungszone. Dynamo könnte sich im Erfolgsfall ans rettende Ufer heranrobben und will deshalb seinen kleinen aktuellen Hoffnungslauf positiv fortsetzen. In den ersten beiden Partien nach der Winterpause sammelte der ostdeutsche Traditionsverein vier Punkte ein und blieb dabei ohne Gegentor. Die Zuversicht, dass der Sturz in Liga Drei noch abgewendet wird, feiert rund um Zwinger und Semperoper momentan ein Comeback.

Mit dem erfahrenen Coach Markus Kauczinski, der im Dezember den glücklosen Christian Fiel auf dem Übungsleitersessel ablöste, und einigen Personalverstärkungen während den Weihnachtsferien soll die Aufholjagd Richtung rettendes Ufer gelingen. Warum der einstige DDR-Vorzeigeklub so in die Bredouille geraten ist und seit sechs Spieltagen die rote Laterne trägt, belegen zwei Fakten: Dresden hat die wenigsten Tore erzielt (mickrige 17 Buden in 20 Einsätzen) und wartet neben St. Pauli als einziger Protagonist noch immer auf den ersten Saisonauswärtssieg.

Den erst dritten Zähler in der Fremde errang Dynamo am vergangenen Wochenende in Heidenheim. Zuvor wurden lediglich dem VfL Bochum und ausgerechnet den Lilien ein Heimdreier gegen die Gelb-Schwarzen versagt. Im Hinspiel am Bölle quälte sich der SV98 zu einer Nullnummer. Das war das zweite von inzwischen elf Unentschieden, die der Mannschaft von Grammozis den „Titel“ Remiskönig bescherte. Zuletzt waren es gar fünf Punkteteilungen en block, weshalb das kickende Aushängeschild Südhessens nicht vom Fleck kommt und fortan dem Magnetismus des bedrohlichen Areals ausgesetzt ist.

Im Rudolf Harbig – Stadion, das in früheren Zeiten des Arbeiter- und Bauernstaates lange vor seinem Um- bzw. Neubau etliche denkwürdige Europapokalschlachten erlebt hat, spürt man auf beiden Seiten den immensen Druck. Hier der Hausherr, der nach einer unmittelbaren Kontaktaufnahme zum gesicherten Hafen lechzt, und dort der Gast, der letztmals Ende November einen Sieg verbuchte (2:1 in Hannover) und den knapp bemessenen Abstand nach unten mit allen Mitteln verteidigen (notfalls auch mit Hilfe des siebten Remis in Folge) respektive im Optimalverfahren den Proviant natürlich vergrößern möchte.

Grammozis muss seine Elf auf jeden Ball umbauen, denn Marvin Mehlem sah gegen Osnabrück den gelben Saisonkarton Nummer Fünf und schaut gesperrt zu. Nach seinen schwachen Auftritten in Kiel (0:1 mitverschuldet) und gegen Osnabrück (1:1-Ausgleich verursacht) droht zudem Patrick Herrmann die Bank. Für ihn bieten sich die Winterneuzugänge Nicolai Rapp und/oder Matthias Bader als personelle Alternativen für den erst sechsten Vergleich mit dem Dynamo seit der internen Premiere 2017 an. Die überschaubare Bilanz in der sächsischen Landeshauptstadt ist ausgeglichen: Ein Sieg (2:0) und eine Niederlage (1:4). Dario Dumic, Erich Berko, Marcel Heller und Tobi Kempe kehren am Freitagabend an ihre einstige Wirkungsstätte zurück.    

Dynamo Dresden ist vor allem im Osten Kult. Kein Wunder, wenn man ins Archiv der alten DDR-Oberliga einsieht: Acht Meisterschaften und sieben Pokalsiege. Nach der Wende gebührte Dynamo neben Hansa Rostock ein Eingliederungsrecht für die Bundesliga, ehe man 1995 wegen finanzieller Schieflage in die Dritt- und später sogar in die Viertklassigkeit musste. Wie viele andere DDR-Klubs rutschte Dresden auf dem Spagat von „Ost nach West“ wirtschaftlich aus. Aber getragen von seinen treuen und zumindest früher manchmal zu oft auch über die Stränge schlagenden Fans kehrte Dynamo aus den Niederungen zurück und stieg 2004, 2011 und zuletzt 2016 wieder in die Zweite Liga auf.

Alle Partien vom 21. Zweitligaspieltag:

Fr 07.02. 18.30

Dynamo Dresden – SV Darmstadt 98, SV Sandhausen – 1. FC Heidenheim

Sa 08.02. 13.00

VfB Stuttgart – Erzgebirge Aue, Hamburger SV – Karlsruher SC, VfL Osnabrück – 1. FC Nürnberg

So 09.02. 13.30

Arminia Bielefeld – Jahn Regensburg, Spvgg Greuther Fürth – Hannover 96, SV Wehen – VfL Bochum

Mo 10.09. 20.30

Holstein Kiel – FC St. Pauli

 

Letzte Änderung amDonnerstag, 06 Februar 2020 09:40
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