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2. Bundesliga

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Spiel Eins nach der Rücktrittserklärung des Trainers

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Acht Spiele ungeschlagen und die letzten drei Partien unisono gewonnen: Mitten in diese aktuelle Erfolgsbilanz platzte am Mittwoch die Kunde, dass Dimi Grammozis am Saisonende sein Lilientrainerzelt abbricht. Man darf gespannt sein, wie die Fans und vor allem die Mannschaft am Samstag reagieren, wenn der SV Darmstadt 98 zu Hause gegen den 1. FC Heidenheim antritt und erstmals seit dem Frühjahr 2014 vier Siege hintereinander einfahren könnte (Anstoß 13Uhr).

Der Proklamierungszeitpunkt für die baldige Demission kam sprichwörtlich aus heiterem Himmel. Schließlich thront der Sportverein in der Rückrundentabelle auf einer stolzen dritten Position und teilt sich mit dem VfB Stuttgart das Monopol, in der zweiten Saisonhälfte noch unbezwungen zu sein. Auch die Gesamtplatzierung (Siebter, nur nach am zweiten Spieltag stand der SV98 kurzfristig noch besser da) deutete logischerweise nicht darauf hin, dass Grammozis das vor rund einem Jahr begonnene Arbeitsverhältnis in wenigen Monaten auflöst, zumal der Punkteabstand sowohl zum „guten“ als auch zum „schlechten“ Relegationsrang jetzt praktisch gleich groß ist (neun bzw. acht Zähler).

Doch die sportliche Momentaufnahme ist das eine und die persönliche Zukunft das andere. Als viele mit einer beiderseitigen Kontraktverlängerung rechneten, überraschte Grammozis den Verein mit dem Beschluss, seiner ersten Übungsleiterstation im Aktivenbereich demnächst adieu zu sagen. Der Knackpunkt war die Vertragslaufzeit. Der SV98 wollte sich als erfahrungsgemäß „gebranntes Kind“ nur auf ein weiteres Jahr einigen, weshalb der ein längeres festes Engagement anstrebende Coach zum Saisonende kündigte.

Inwieweit sich der Trennungsvollzug zum Rundenkehraus auf den restlichen Saisonverlauf auswirkt, wird man sehen. Den ersten Eindruck, wie die Mannschaft diese neue Konstellation verarbeitet, erleben die Zuschauer am Bölle gegen die erwartet harte Nuss 1. FC Heidenheim. Selbstredend hofft jeder im blau-weißen Lager, dass die nahende Umstrukturierung keine negativen Auswirkungen auf die derzeitige Erfolgstory hat und die Runde mit positiven Ergebnissen fortgesetzt wird. Ein optimaler Score in Form drei weiterer Zähler wäre der vierte „Dreier“ en block.         

Vier ununterbrochene Pflichtsiege konnten letztmals während der Drittligarückrunde 13/14 im Vorfeld des „Wunders von Bielefeld“ bestaunt werden (damals gegen die „Zweite“ vom Borsigplatz mit dem heutigen Schalker Übungsleiter respektive Ex-Lilie David Wagner als Trainer, gegen die Duisburger Zebras, in Rostock und gegen Saarbrücken – übrigens allesamt ohne Gegentor). Ein ähnliches Kunststück ist nun unabhängig vom neu geschaffenen Personalnebenschauplatz die kickende Wunschvorstellung, um die erarbeitete Ist-Situation noch adäquater darzustellen.

Nur blöd, dass der nicht gerade als 98er-Lieblingsopponent auserkorene 1. FC Heidenheim da nicht freiwillig mitspielen wird. Schließlich belegt das Ensemble von der Ostalb mit seinem „Methusalem-Coach“ (bezieht sich auf seinen Status als dienstältester Trainer im Profigeschäft) einen hervorragenden vierten Tabellenplatz und darf angesichts von lediglich drei Punkten Rückstand auf den HSV (Relegationsstufe) von einem Aufstiegsmärchen träumen. In der Tat scheint der FCH spätestens nach dem 1:0 bei den Kieler Störchen der einzige Verein zu sein, der noch an der Phalanx des Führungstrios rütteln kann.

Dass mit Heidenheim nicht gut Kirschen essen ist, mussten die Lilien in der jüngeren Vergangenheit öfter erfahren, als ihnen lieb war (u.a. beim 0:1 im Hinspiel), obwohl beide Parteien traditionell praktisch nichts verbindet. Kein Wunder, wenn man die Geburtsjahre hier wie da zu Rate zieht. Während der Sportverein seit 1898 bzw. in der aktuell immer noch „gültigen Version“ seit 1919 die Fußballwelt bereichert, wurde der FCH in seinem jetzigen Format erst im Januar 2007 gegründet (Abspaltung der Fußballabteilung des Heidenheimer Sportbundes).

Seitdem wandern die Konkurrenten abgesehen von den Spielzeiten 2009-2011 sowie der Darmstädter Bundesligapräsenz zwischen 2015 und 2017 auf der identischen sportlichen Fährte. „Höhepunkt“ dieser „neu geschaffenen Annäherung“ bildeten zweifellos die gemeinsamen Aufstiegsfeierlichkeiten 2014 von der Dritten in die Zweiten Liga: Heidenheim als Meister und der SV98 nach dem filmreifen Relegationsmirakel von der Alm…

Den letzten Heimsieg über den unbequemen Kontrahenten bejubelten die Lilien im August 2013 (Dritte Liga). Milan Ivana erzielte unmittelbar nach der Halbzeit das „Golden Goal“. Auf der Zweitligabühne warten die Lilien noch auf einen „Dreier“ am Bölle gegen die ostwürttembergische Elf um ihre Urgesteine Frank Schmidt und Offensivikone Marc Schnatterer (zwei Remis, eine Niederlage). Es ist an der Zeit, dass diese Statistik am Samstag ausgeglichen wird, was logischerweise nur mit der Eintütung von drei Punkten realisierbar ist…

Je ein absoluter Leistungsträger hüben wie drüben darf das Matchgeschehen nur von der Tribüne aus verfolgen. Grammozis kann zum „Start seiner Abschiedstournee“ zwar wieder auf Immanuel Höhn bauen, muss aber diesmal den Ausfall von Fabian Holland (sah unmittelbar vor dem Abpfiff beim Club seine fünfte gelbe Saisonkarte) kompensieren. Der Mannschaftskapitän ist erstmals in der laufenden Runde zum Zuschauen verurteilt, während auf der anderen Seite mit Tim Kleindienst der beste FCH-Torschütze (zehn Buden) ebenfalls eine Sperre abbrummt.

Alle Partien vom 24. Zweitligaspieltag:

Fr 28.02. 18.30

Jahn Regensburg – Dynamo Dresden, Karlsruher SC – 1. FC Nürnberg

Sa 29.02. 13.00

SV Darmstadt 98 – 1. FC Heidenheim, Spvgg Greuther Fürth – VFB Stuttgart, Erzgebirge Aue – Hamburger SV

So 01.03. 13.30

Arminia Bielefeld – SV Wehen, FC St. Pauli – VfL Osnabrück, VfL Bochum – SV Sandhausen

Mo 02.03. 20.30

Hannover 96 – Holstein Kiel

Letzte Änderung amFreitag, 28 Februar 2020 10:11
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