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Lilien drehen in der letzten halben Stunde auf und ballern Wehen an den Abgrund

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Im letzten Saisonheimspiel feierte der SV Darmstadt 98 am Sonntagnachmittag einen 3:1-Sieg über den hessischen Kontrahenten SV Wehen (der Begriff „Derby“ ist ja für dieses Duell in südhessischen Kreisen verpönt). Während die Lilien vor dem Finale nächste Woche beim fast sicheren Aufsteiger VfB Stuttgart theoretisch noch einen Punkt zur Dokumentierung von Endplatzierung Fünf benötigen, droht dem Neuling zum gleichen Zeitpunkt höchstwahrscheinlich der sofortige Abstieg.

SV Darmstadt 98 – SV Wehen  3:1

SVD: Schuhen, Dumic, Rapp, Holland, Bader (90. Herrmann), Paik (78. Heller), Palsson, Kempe (60. Honsak), Schnellhardt (90. Stark), Platte (78. Arslan), Dursun 

Wehen: Lindner, Mockenhaupt, Gül (46. Lorch), Röcker (85. Tietz), Meowca, Franke, Kuhn (60. Ajani), Chato, Aigner (78. Schönfeld), Dittgen (46. Schwede), Schäffler

Tore: 0:1 Schäffler 5. 1:1 Dursun 63. 2:1 Paik 77. 3:1 Heller 86.

Besonderes: Kempe scheitert mit FE an TW Lindner 27.

In seinem 22. und letzten Heimspiel als SV98-Trainer rotierte Dimi Grammozis noch einmal in dreifacher Ausfertigung: Für das ebenfalls scheidende Kultduo Stark/Heller sowie Pfeiffer rückten Paik, Kempe und Platte in die Startelf. Zumindest auf dem Papier setzte der Coach hinsichtlich der aufgebotenen Doppelspitze Platte/Dursun also auf totale Offensive.

Trotz der heißen Temperaturen und des blau-weißen Firmaments wurden die Lilien zu Beginn der Partie eiskalt erwischt. Wehen-Goalgetter Schäffler demonstrierte seine Torgefährlichkeit und schloss resolut zum 0:1 ab. Der frühe Dämpfer hinterließ zunächst Wirkung. Es dauerte einige Zeit, bis der Sportverein in die Spur fand. Dann aber war der Hausherr am Drücker, fand allerdings im SVW-Keeper seinen Meister. Die größte Rettungstat vollbrachte Lindner, als er einen Foulelfmeter von Kempe abwehrte, was im Umkehrschluss die 98er-Strafstoßverwandlungsphobie der vergangenen Wochen fortsetzte.

Die Lilien bewiesen in der zweiten Hälfte, dass sie für eine Schützenhilfe im Klassenerhaltskampf nicht gewillt waren. Nach knapp einer Stunde Matchdauer torpedierte Torjäger Dursun den Ball per Kopf zum verdienten Ausgleich ins Netz. Das 2:1 vierzehn Minuten später ging auf das Konto des ansonsten nicht gerade als Einschweißer bekannten Paik, der aus der zweiten Reihe fulminant vollstreckte.

Durch den Rückstand geriet Wehen gewaltig in Zugzwang, zumal auf den anderen Schauplätzen die Konkurrenz nicht schlief, ehe die dritte Lilienbude plus der KSC-Ausgleich zum 3:3 (nach 0:3-Rückstand) gegen Bielefeld das Gästeschicksal quasi besiegelte. Nach glänzender Vorarbeit von Dursun und Youngster Arslan musste „Joker“ Heller nur noch zum Endstand einschieben.

Wehen braucht deshalb nächste Woche ein „Fußballwunder“, um den Kopf noch aus der Degradierungsschlinge zu ziehen (drei Punkte und zehn Tore auf den KSC schwach). Die Badenser und der Club dürften die Relegationsteilnahme im Fernduell untereinander ausfechten. Auf der anderen Seite des Ranking lautet die Frage nach dem Relegationsprotagonisten Richtung Bundesliga Heidenheim oder HSV, wobei die Uwe Seeler – Erben nach ihrer Last Second – Pleite im direkten Vergleich zunächst einmal die schlechtere Ausgangslage beklagen.

Zweiter Aufsteiger nach Meister Bielefeld ist mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit der finale Saisonherausforderer des Sportvereins. Dem VfB Stuttgart sollten drei Zähler und elf Tore Vorsprung auf Position Vier reichen, um den Deckel auf die Oberhauscomeback-Tonne zu schrauben. Die anreisenden Lilien hätten ihrerseits aus eigener Kraft Platz Fünf in der Tasche, wenn sie mindestens ein Remis im Schwabenland erobern (oder der Tabellensechste VfL Bochum, der als einziger dem SV98 dieses hervorragende Endklassementsprosse noch streitig machen kann, gewinnt nicht in Hannover).

Letzte Änderung amSonntag, 21 Juni 2020 20:27
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