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2. Bundesliga

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Der neue Coach feiert seine 98er-Pflichtspielpremiere bei einem früheren Europapokalsieger

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Am Sonntag beginnt im immer noch von „Corona“ überschatteten Fußballzeitalter auch für den SV Darmstadt 98 wieder der „Ernst“ des kickenden Lebens. Sechs Tage vor dem Zweitligastart (19.09. in Sandhausen) gastieren die Lilien vor maximal 5000 Zuschauern im Rahmen der ersten DFB-Pokalrunde beim Drittligisten 1. FC Magdeburg in der Hauptstadt Sachsen-Anhalts (Anstoß 18Uhr30).  

Das Vorbereitungsprogramm wurde am vergangenen Samstag mit dem finalen Test beim holländischen Erstligisten Vitesse Arnheim ad acta gelegt (2:2). Nun gilt die volle Konzentration dem Pflichtspielcomeback für den Verein respektive dem Debüt von Trainer Markus Anfang, der seit der aktuellen noch blutjungen Saison als Nachfolger von Dimi Grammozis für die taktischen Vorgaben verantwortlich ist. Für Anfang ist es nach Holstein Kiel und dem 1. FC Köln die dritte Übungsleiterstelle im Profibereich.

Die Erfolge auf seinen ersten beiden Stationen können sich wahrlich sehen lassen. 2017 flog er mit den Störchen von der Dritten in die Zweite Liga hoch und in seiner Geburtsstadt hatte er Ende April 2019 die Geißböcke prinzipiell schon über die Ziellinie sprich Bundesligarückkehr bugsiert, ehe er nach dem viertletzten Spieltag aufgrund einer Heimniederlage beurlaubt wurde. Kurioserweise versalzte ihm ausgerechnet der SV98 durch den allerersten Sieg gegen den „Eff-Zeh“ überhaupt (2:1) die eigentlich schon schmackhaft servierte Triumphsuppe.

Doch das ist Schnee von gestern. Nach dem Werben  für das Grammozis-Erbe vom sportlichen Leiter Carsten Wehlmann (das Duo arbeitete schon an der Kieler Förde sehr effektiv zusammen) musste Anfang nicht lange überlegen, um seine Karriere bei dem Verein fortzusetzen, der seine coachende Kölner Ära beendete. Nicht wenige trauen dem neuen Hoffnungsträger zu, die Lilien nach dem ausgezeichneten Rang Fünf der Vorsaison wiederum in den oberen Regionen zu positionieren. Die Mannschaft ist weitgehend eingespielt und wurde punktuell verstärkt.

Ob die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind, darüber kann man sich spätestens bei der Überquervorgehensweise der in Magdeburg aufgestellten hohen Pokalhürde ein genaueres Bild machen. Im Lostopf waren vom Papier her sicherlich leichtere Kontrahenten verteilt. Die Entscheidung des Magdeburger Gesundheitsamtes, bis 5000 heimischen Zuschauer den Stadionbesuch zu erlauben, ist auf der einen Seite erfreulich (als kleiner Schritt zurück in die Fußballnormalität), macht aber die Aufgabe für den SV98 beim in den lokalen Gefilden von großer Popularität gesegneten Hausherren auf keinen Fall einfacher.

Die Beliebtheitsgrundlage schuf der erst 1965 gegründete und ebenfalls in Blau-Weiß auflaufende Klub zweifellos mit dem Coup von 1974, als der FCM als einziger Vertreter des sogenannten Arbeiter- und Bauernstaates einen Europapokalsieg bejubelte. Der Husarenritt am 8. Mai vor 46 Jahren gegen den übermächtig eingeschätzten AC Mailand (mit „Legionär“ Karl-Heinz Schnellinger und „Ich habe fertig“ – Trainerlegende Giovanni Trapattoni) ist an der mittleren Elbe noch heute allgegenwärtig.

Nach der Wende stürzte der dreimalige DDR-Meister allerdings – wie viele alteingesessene ostdeutsche Vereine - peu á peu ab und musste sein Wigwam zeitweise im Amateurbereich aufschlagen. Highlights wie die Pokalsensation 2001 gegen Bayern München entpuppten sich als kurzfristiges Intermezzo in jener Epoche, in der Insolvenzen praktisch zum Alltag gehörten. Erst mit dem Abriss des maroden Ernst Grube – Stadions und der an gleicher Stätte errichteten MDCC-Arena richtete sich der Daumen langsam nach oben.

Dennoch dauerte es bis 2015, ehe der FCM den Regionalliganiederungen entfliehen konnte und zumindest drittklassig aufschlug. Den Aufstieg tütete der FCM in zwei „Relegationsschlachten“ gegen den früheren Lieblingsopponenten der Lilien namens Offenbacher Kickers ein! 2018 rückte Magdeburg dann erstmals in die gesamtdeutsche Zweitklassigkeit hoch und es kam endlich zu den Premierenduellen gegen den blau-weißen Traditionskollegen aus Südhessen. Und das gleich in dreifacher Ausfertigung, denn vor den Ligapartien fand die interne Vergleichserstausgabe auf der DFB-Pokal - Bühne statt.

Dank eines frühen Treffers von Tobi Kempe setzte sich der Sportverein 1:0 in Magdeburg durch und auch in den beiden im Saisonverlauf anstehenden Punktkonfrontationen ließen die Lilien nichts anbrennen: 3:1 am Bölle (Tore Dursun und Sulu plus ein Eigentor) und erneut 1:0 in der MDCC-Arena (Heller kurz vor dem Abpfiff). So lautet der Score der direkten Auseinandersetzungen bis heute 3:0 pro SV98, weil der FCM sich nur ein Jahr halten konnte und nach seiner Degradierung auf den dritten Fußballlevel sogar in der letzten Spielzeit seine liebe Müh und Not hatte, nicht auf die vierte Hierarchiestufe abzurutschen.

Gegen den FCM weisen die Lilien ergo eine blütenweiße Weste auf und die soll selbstredend am Sonntagabend nicht beschmutzt werden, auch wenn neben der gastgebenden Mannschaft bis 5000 FCM-Fans sich gegen den Favoriten stemmen. Ein Pokalerfolg überweist im fortlaufenden Pokalwettbewerb bekanntlich nicht nur reichlich Mammon in die Kasse, sondern würde auch viel Selbstvertrauen für den nahenden Ligaauftakt übermitteln. Also lautet die Devise für das 98er-Team: Keine Unterschätzungsallüren, volle Power und Trainer Anfang einen optimalen Pflichtspieleinstand bescheren…   

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