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2. Bundesliga

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Zum Ligaauftakt erstmals kein „Heimspiel“ in Sandhausen

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Nach der in Magdeburg geglückten Aufholjagd und dem daraus resultierenden Einzug in die zweite DFB-Pokalhauptrunde steigt der SV Darmstadt 98 am Samstag in die neue Zweitligasaison ein. Als Auftaktgastgeber fungiert der SV Sandhausen (Anstoß 13Uhr im Hardtwaldstadion).

Die jetzt beginnende Runde 20/21 ist die vierte in Folge und insgesamt die Nummer 22 im 1974 gegründeten Bundesligaunterbau (Platz Neun in der ewigen Tabelle). Nach dem auf den unterklassigen Kicketagen verbrachten  ewig langem „Exil“ zwischen 1993 und 2014 gehört der Sportverein im siebten Jahr wieder zum Establishment des Profifußballs. Sicherlich eine bemerkenswerte und erfreuliche Renaissance, vor allem wenn die Erinnerung an den Beinahe – Knockout anno 2008 aktiviert wird.

Mit dem neuen Trainer Markus Anfang versuchen die 98er, sportlich an die vergangene Spielzeit anzuknüpfen (Position Fünf im finalen Ranking). Sein Pflichtspieldebüt als blau-weiße Lilie am zurückliegenden Sonntagabend wurde dank einer tollen Moral noch mit einem Happyend verfilmt. Bei der Kunde vom Pausenergebnis des Pokalmatch beim 1. FC Magdeburg bzw. Sichtung der dargebotenen Leistungen bis zum Seitenwechsel blieb allerdings sogar den auf der „Pungschter“ Kerb flanierenden Fans kurzfristig der Kirchweihbraten im Hals stecken.

Doch aller Anfang ist schwer (diese stets drei Euro das Phrasenschwein bereichernde Floskel wird sich aufgrund des Übungsleiternachnamens wohl noch öfters anbieten). Nach der ersten Enttäuschung über die im 0:2-Rückstand mündenden Performance während der ersten Hälfte fand der Coach bei seiner Halbzeitpredigt die richtigen Worte und durfte erleichtert verfolgen, wie sein „verwandeltes“ Team im zweiten Abschnitt endlich das wahre Potenzial abrief, gekonnt das Ruder Richtung Egalisierung herumriss und in der Verlängerung das Tor für die lukrative zweite Hauptrunde endgültig überquerte.

Nach seiner ersten Hitchcockbekanntschaft in Diensten des SV98 führt die blau-weiße Ligapremiere Markus Anfang am Samstag in den Hardtwald. Auch der SV Sandhausen hatte seine liebe Müh und Not, um bei einem nominellen Außenseiter nicht in eine Blamagegrube zu stürzen (2:1 beim sogar zwei Stockwerke tiefer angesiedelten TSV Steinbach in Haiger, der Geburtsstadt von Goalgetter-Legende Peter Cestonaro).

Die übersichtliche Bilanz zwischen den beiden Sportvereinen von 1916 und 1898 ist ausgeglichen. In den erst zwölf Vergleichen (trotz der geringen geographischen Distanz sind Blau-Weiß und Schwarz-Weiß wegen der „Landesgrenze“ Hessen/Baden-Württemberg plus der langen SVS-Restriktion auf der Oberligabildfläche erst zum siebten Mal zusammen in einer Spielklasse notiert) konnte neben vier Unentschieden jede Partei viermal gewinnen. Beim letzten Duell im Frühjahr feierten die Lilien kurz vor dem „Corona-Lockdown“ nach zuvor fünf sieglosen Auftritten den ersten „Dreier“ gegen Sandhausen seit 2015. Das „Golden Goal“ zum 1:0 erzielte Immanuel Höhn.

Der SVS breitete sich nach zuvor praktisch jahrzehntelanger Fußballbeschränkung innerhalb Baden-Württembergs ab 2007 überregional aus. 2012 wurde die Jungfernmitgliedschaft in der Zweitklassigkeit bejubelt und seitdem verteidigen die Kurpfälzer dort hartnäckig ihre Aufenthaltsberechtigung gegen die traditionsreiche Konkurrenz. Jahr für Jahr zeigen sie dem Abstiegsgespenst eine lange Nase und ärgern die Alteingesessenen.

Vor diesem „gallischem Engagement“ muss man den Hut ziehen, auch wenn die Erfolgsgeschichte von den heimischen Zuschauern nur unzureichend honoriert wird. Bezüglich Attraktivität respektive Zugkraft lässt der Klub arg zu wünschen übrig und gilt als graue Maus der Liga. Im Heimspielzuschauerschnitt ist das feste Abonnement der roten Laterne permanent sicher und auswärts die Anzahl der Mitreisenden - überspitzt ausgedrückt - an den Fingern beider Hände abzuzählen.

Zynische Zungen behaupten deshalb, dass der SVS nach dem am Dienstag getroffenen Beschluss, für Liga Eins und Zwei mit einer auf 20% begrenzten Stadionkapazität  wieder Zuschauer zuzulassen, vor für seine Verhältnisse „normalem“ Quantum an Fans auflaufen kann. Wie viele es im SVS-Fall genau sind, wird kurzfristig entschieden und stand beim Verfassen dieses Berichts noch nicht fest. Auswärtige Supporter sind bezüglich dieser aktuellen Regelung noch außen vor und müssen fortan mit der TV-Übertragung vorlieb nehmen. Die Lilien sehen sich in Sandhausen ergo erstmals mit einer heimischen „Übermacht“ konfrontiert. Das „gewohnte“ Heimspiel im Hardtwaldstadion fällt in dieser Saison flach.

Aber der Sportverein hat ja auch in Magdeburg den Status Quo, ohne eigene Fans eine Auswärtshürde zu überspringen, gemeistert – wenn auch nach großen Anfangsschwierigkeiten. Also sollte dieser „Nachteil“ erst recht nicht in Sandhausen ein Problem sein. Markus Anfang und seine Jungs fahnden nach der bewältigten Pokalaufgabe nun auch in der Liga nach dem optimalen Rundenprolog. Ein solcher wäre erst der zweite Sieg beim deutschen Amateurmeister von 1978 und 1993 nach der bislang einzigen kompletten Punkteentführung im Verlauf der  Durchmarschspielzeit 14/15, als Hanno Behrens kurz vor dem Abpfiff zum entscheidenden 2:1 einlochte

Alle Partien vom 1. Zweitligaspieltag:

Fr 18.09. 18.30

Hamburger SV – Fortuna Düsseldorf, Jahn Regensburg – 1. FC Nürnberg

Sa 19.09. 13.00

SV Sandhausen – SV Darmstadt 98, Hannover 96 – Karlsruher SC, Würzburger Kickers – Erzgebirge Aue

So 20.09. 13.30

Spvgg Greuther Fürth – VfL Osnabrück, 1. FC Heidenheim – Eintracht Braunschweig, Holstein Kiel – SC Paderborn

Mo 21.09. 20.30

VfL Bochum – FC St. Pauli

 

Letzte Änderung amDonnerstag, 17 September 2020 13:03
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