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2. Bundesliga

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Erst Rittberger-Elfer und dann Witzstrafstoß – Gruseliger Showdown im Geisterspiel

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Der „Standardheimsieg“ gegen den FC St. Pauli lag schon auf dem Silbertablett, ehe ein mehr als fragwürdiger Eingriff des Kölner Kellers inklusive der falschen Videoanalyse des Schiedsrichters dem SV Darmstadt 98 in letzter Sekunde zwei wichtige Punkte raubten. Wegen dieser umstrittenen Last Minute – Entscheidung gepaart mit der eigenen Abschlussschwäche gaben die Lilien im vierten Rundeneinsatz eine 2:0-Führung aus der Hand und mussten sich am Bölle mit einem 2:2-Unentschieden zufrieden geben.

SV Darmstadt 98 – FC St. Pauli  2:2

SVD: Schuhen, Bader, Mai, Höhn, Holland, Rapp, Honsak (72. Palsson), Kempe (81. Berko), Mehlem (87. Stanilewicz), Skarke (81. Manu), Dursun (87. Seydel)

St. P.: Himmelmann, Zander (72. Lankford), Ohlsson, Ziereis (65. Tashchy), Buballa, Becker, Knoll (78. Benatelli), Zalazar, Dittgen (78. Paqarada), Makienok, Kyereh (65. Daschner)

Tore: 1:0, 2:0 Dursun 45. FE. 76. 2:1 Benatelli 80. 2:2 Zalazar 90. + 7 FE

Trotz der dreiwöchigen Punktspielunterbrechung (Länderspiel-Pause plus Corona-Vorfall beim VfL Osnabrück) schickte Coach Markus Anfang vor dem zweiten Saisonheimmatch die identische Startelf wie beim ersten Saisonsieg (3:2 in Nürnberg) ins Rennen. Victor Palsson, der mit Kniebeschwerden von seiner isländischen Dienstreise zurückgekehrt ist, saß zunächst einmal auf der Bank. Auf akustische Unterstützung mussten die Lilien wegen dem Infektionsdilemma bekannterweise verzichten. Trotz des traurigen Begleitumstandes konnte man diesen leidigen Fakt eventuell als gutes Omen werten. Auch das allererste Bölle-Geisterspiel fand vor ein paar Monaten gegen den FC St. Pauli statt – und das Endergebnis sprach Bände (4:0). 

In der ersten Hälfte merkte man dem Sportverein die fehlende Spielpraxis an. Das blau-weiße Team konnte an die Performance der ersten drei Begegnungen nicht anknüpfen und lieferte die bislang schwächste Saisonhalbzeit ab, während die Kiezkicker ballsicherer agierten und an der aus ihrer Sicht negativen Stätte (bezüglich der Statitik) durchaus selbstbewusst auftraten. Das 1:0 für die 98er unmittelbar vor dem Seitenwechsel fiel praktisch aus heiterem Himmel und war einem Körperkontakt von FC-Kicker Becker im Sechzehner an Kempe geschuldet, welcher den Referee zum Deuten auf den Punkt zwang. Bei der Elferausführung vermischte Serdar Dursun die Sportarten Fußball und Eiskunstlauf. Sein Abheben kurz vor der Vollstreckung erinnerte an einen „einfachen Rittberger“. Die Juroren hätten diese Einlage sicherlich mit einer hohen B-Note belohnt.

Den relativ glücklichen Vorsprung verwandelte der Sportverein nach dem Wiederbeginn in eine hochverdiente Führung. Nun spulten die Lilien ihr Fähigkeitsvolumen ab und präsentierten sich als Herr im eigenen Haus. Was fehlte, war das Tor zum beruhigenden 2:0. Mehrere Großchancen versandeten aufgrund der mangelnden Abschlusskonsequenz. Als Dursun nach einer Freistoßhereingabe von Kempe schließlich doch den Ball in die Maschen köpfte und seinen persönlichen Doppelpack feierte, schien die Ernte eingefahren, bis die zu diesem Zeitpunkt nicht gerade in der Luft liegende Anschlussbude eine Verbuchung des Heimdreiers wieder wackeln ließ.

Auch nach dem Spannungscomeback verpasste es die Lilien, den Sack zuzuschnüren. Beispielhaft sei hier nur der überhastete Verwertungsversuch von Manu genannt (88.). Dann war die vierminütige Nachspielzeit fast schon abgelaufen und der Sportverein setzte noch einen Konter, den der Unparteiische nach einem Piepton aus dem Kölner Keller unterband und auf dem TV-Monitor eine vorausgegangene Aktion im 98er-Strafraum noch einmal begutachtete. Zum kollektiven Entsetzen aller blau-weißer Protagonisten wertete Marco Fritz einen Zusammenprall als absichtliche Attacke des kurz zuvor seine Ligapremiere im 98-Trikot feiernden Neuzugangs Stanilewicz und „schenkte“ den Kiezkickern eine ultimative Lucky Punch – Möglichkeit aus elf Metern, die sich der einnetzende Zalazar nicht nehmen ließ.

Direkt danach war Schicht im Schacht und der FC St. Pauli durfte am Bölle seinen ersten Punktgewinn seit Dezember 1992 verbuchen, während die Lilien auch beim zweiten Saisonheimauftritt lediglich ein Remis einstrichen. 

 

Am kommenden Mittwoch (28.10., Anstoß 18Uhr30) holt der SV Darmstadt 98 die am 4. Spieltag abgesagte Partie beim VfL Osnabrück nach – sofern „Corona“ kein erneutes Veto einlegt. Auf diesem Grund konnte das Duell nicht zum ursprünglichen Termin vor einer Woche ausgetragen werden. In Niedersachsen steht für die Lilien noch eine sportliche Rechnung offen. Im August 2019 ging der Sportverein unter dem berühmt-berüchtigten Flutlicht der Bremer Brücke in Folge einer enttäuschenden 0:4-Pleite baden. Es war die höchste Niederlage während der Übungsleiterperiode von Dimi Gramozzis. Dessen Nachfolger Markus Anfang versucht nun, die Neuauflage beim letztjährigen Aufsteiger positiver zu gestalten und will natürlich nicht mit leeren Händen zurück nach Südhessen reisen. Fakt ist, dass die Lilien als Gäste der ordentlich in die Saison gestarteten Hausherren ihr komplettes Leistungspotenzial abrufen müssen, damit es mit dem gewünschten Hühnchenrupfen klappt.   

 

Letzte Änderung amSamstag, 24 Oktober 2020 16:10
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