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2. Bundesliga

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Kempe vs. Hofmann 4:3 – Gefühlswechselbad im Wildpark endet mit zweitem Saisonsieg

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Zweitligapartien mit Beteiligung des SV Darmstadt 98 strapazieren in dieser Saison - mal wieder - das Nervenkostüm. Am Sonntagmittag wurde im sechsten Saisoneinsatz das finale Ergebnis zum dritten Mal erst in der Nachspielzeit reglementiert. Nach einem rassigen Match triumphierten die Lilien beim Karlsruher SC 4:3, weil Tobi Kempe im „Privatduell“ zweier überragender Hauptdarsteller das letzte Wort für sich beanspruchte.

Karlsruher SC – SV Darmstadt 98  3:4

KSC: Gersbeck, Thiede, Bormuth, Kobald, Heise, Fröde (78. Batmaz), Wanitzek, Gondorf, Choi (78. Djuricin), Hofmann, Goller (68. Lorenz)

SVD: Schuhen, Bader, Mai, Rapp, Holland, Palsson, Honsak (64. Seydel), Mehlem (90. + 4 Pfeiffer), Kempe, Skarke (82. Berko), Dursun (90. + 4 Höhn)

Tore: 0:1 Kempe 9. 1:1 Hofmann 24. 2:1 Wanitzek 44. FE 2:2 Palsson 65. 2:3 Dursun 77. 3:3 Hofmann 80. 3:4 Kempe 90. + 3 HE

Besonderes: Gelb-Rot Kobald (KSC) 90. + 2

Zuschauer: 450 („ausverkauft“)

Für den Abschluss einer schlauchenden englischen Woche gestaltete Markus Anfang seine Wildpark-Startformation wie erwartet in einem veränderten Antlitz. Gegenüber dem 1:1 in Osnabrück ersetzte der 98-Coach Herrmann, Berko und Seydel durch Bader, Honsak und Skarke. Im Wissen der Samstag-Begegnungen stand der Sportverein ein wenig unter Druck. Im Niederlagenfall hätten die Lilien einen Absturz auf den drittletzten Tabellenplatz in Kauf nehmen müssen.

„Einen Tag zu spät“ (Fritz Walter wäre bereits am Samstag 100 Jahre alt geworden) begleitete das Lieblingswetter des deutschen Ehrenspielführers den Kick-off im Wildpark. Auf dem durchgeweichten Ground spulte der SV98 die produktivere Ouvertüre ab. Nach einer glänzenden Vorleistung von Honsak traf Kempe zwar nicht optimal den Ball, doch dieser kullerte dennoch ins Netz. Glücklicherweise stornierte der kurz vor der Torlinie postierte Marvin Mehlem in letzter Sekunde seinen Gedanken, die Kugel noch einmal zu berühren, denn dann wäre das 1:0 ins Abseitsraster gefallen.

Die frühe Gästevorlage motivierte allerdings eher den letztmals mit Zuschauerunterstützung auflaufenden Hausherr (450 „auserwählte Badener“). Peu á peu zwang der KSC durch aggressives Forchecking das Anfang-Team in die Defensive. 98-Schreck Philipp Hofmann, der die Südhessen bereits in der vergangenen Saison mehrfach düpierte, lochte in der 24. Minute zum gerechten Ausgleich ein. Und auch die Karlsruher Halbzeitführung ging in Ordnung. Hofmann köpfte ans Aluminium, wurde aber bei der Aktion von einem viel zu hohen Bein Rapps gestört. Der Referee deutete Richtung Punkt und Wanitzek stellte aus elf Metern den Score auf 2:1. Beinahe hätte es sogar noch vor dem Gang zum Pausentee ein drittes Mal eingeschlagen, wenn nicht Keeper Schuhen dem Abschluss von Choi den Zahn gezogen hätte.

Auch zum Prolog des zweiten Abschnitts roch der KSC am 3:1 (erneut Choi knapp vorbei), ehe der Sportverein langsam das Zepter übernahm. Die Resultatsdrehung war schließlich der vorzüglichen Standardqualität von Tobi Kempe geschuldet. Seine Freistoß- und Eckballkünste bugsierten erst Palsson und dann Dursun jeweils per Kopf in die Maschen (65., 77.). Das wollte der auffälligste Badener Protagonist nicht auf sich sitzen lassen. Hofmann, der zwischen den beiden 98er Wendemanöver-Buden mit einem Kopfball lediglich die Latte küsste, markierte das 3:3 sowohl im Gesamtergebnis als auch bis dahin im internen Scorer-Fight mit Kempe.

Trotz der wiederholten Vorsprungabgabe und der englischen Wochenbeanspruchung wirkten die Lilien in der Schlussphase mobiler und fahndeten nach dem Happyend. Dieses ertönte in der Extratime in Form eines erlösenden Pfeifensignals. Schiri Aarnink ahndete nach einem Berko-Schuss die ungewollte Handabwehr Kobalds. Der Karlsruher sah für diese „Straftat“ zudem die Ampelkarte. „The Man of the Match“ namens Kempe ließ sich nicht bitten und verwandelte abgebrüht zum 4:3 respektive zweiten Saisondreier.

Vor einer Woche gegen St. Pauli gingen in der Nachspielzeit zwei Punkte flöten und nun sicherte ein Lucky Punch wie beim Club das späte Glücksgefühl bzw. den überhaupt erst dritten Auswärtssieg im Wildpark. Zur Halbzeit waren die Lilien in der Blitztabelle auf Position Sechzehn abgerutscht und beim Kehraus grüßten sie von der achten Stelle des Klassements. Nach diesem dramatischen Potpourri von „Up and Down“ will die Mannschaft von Markus Anfang am nächsten Sonntag nachlegen und gegen den SC Paderborn endlich den ersten Heimsieg der aktuellen Runde eintüten.    

 

Letzte Änderung amSonntag, 01 November 2020 17:23
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