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Hessenliga

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Hessenliganeustart mit zwanzig Teilnehmern – SC Griesheim zu Gast in Waldgirmes

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Ab Freitagabend versucht sich Hessens höchste Amateurfußballklasse am Neubeginn sprich Auftakt der Saison 20/21. Nach exakt einem halben Jahr Zwangspause geht die Rekordzahl von zwanzig Vereinen ans Werk, von denen allerdings gleich beim Start vier Klubs zur Tatenlosigkeit verurteilt sind. 

Das immer noch vorherrschende Corona-Thema fordert fortan ihren Tribut. Wegen drastischen Einschränkungen im Main-Kinzig-Kreis ist dort das Fußballspielen untersagt, weshalb die beiden Duelle Hanau 93 vs. TG Friedberg und 1. FC Erlensee vs. FSV Fernwald nicht zum geplanten Termin am jetzigen Samstag stattfinden dürfen. Die Hessenliga schluckt ergo gleich zu Beginn eine bittere Pille. Bleibt zu hoffen, dass im weiteren Saisonverlauf die Marathonstrecke von 38 Spieltagen einigermaßen geregelt absolviert werden kann.                          

Bekanntlich unterbrach das kickende Bundeslandoberhaus im Frühjahr der vergangenen Runde - wie alle anderen Amateurligen auch -  wegen der wachsenden Covid 19 - Gefahr den Matchbetrieb und stellte ihn schließlich komplett ein. Nach einem längeren Hin- und Her wurde beschlossen, dass der „Abbruchspitzenreiter“ (Eintracht Stadtallendorf) das Aufstiegsrecht in die Regionalliga genießt. Hessen Kassel als Tabellenzweiter durfte nach zwei Jahren Abstinenz ebenfalls wieder zurück in die sportliche Viertklassigkeit. Die nordhessischen Löwen profitierten von der besseren „Quotientenregel“ gegenüber den Nebenbuhlern aus dem Südwesten und Baden-Württemberg.

Weil laut den Entscheidungsgremien ligaübergreifend kein Verein ins Abstiegsgras beißen musste und aus den drei Verbandsligen gleich vier Neulinge in Hessens Beletage aufrückten (die proklamierten Meister SV Erlensee, SV Zeilsheim und Hünfelder SV plus Buchonia Flieden als bestem „Vize“), summierte sich das Teilnehmerfeld auf zwanzig Mannschaften. Das bedeutet 38 lange Runden und viele englische Wochen. Alleine von der jetzt beginnenden Ouvertüre (04.-06.09.) bis Ende September stehen sechs schlauchende Spieltage auf dem Fahrplan.

Abhängig von den abstürzenden hessischen Regionalligisten könnten der Abstiegsstrahl am Saisonende sechs Hessenligisten treffen. Daher muss man kein Prophet vor dem Herrn sein, um zu prognostizieren, dass über die Hälfte der Klubs in den sportlichen Überlebenskampf verstrickt sein wird. Diesem „Zitterkreis“ gehört sicherlich auch wieder Viktoria Griesheim an. Allerdings gehört eine solche Einschätzung beim Sportclub längst zum „Alle Jahre wieder – Alltag“. Seit dem Oberhauswiederaufstieg 2012 bewältigten die Kicker vom Hegelsberg unisono jene Herkulesstandardaufgabe und zogen stets den Kopf aus der Schlinge.

In der zurückliegenden Spielzeit hätte der SCV den Klassenerhalt höchstwahrscheinlich auch ohne „Abbruchhilfe“ gepackt. Beim „Shutdown“ rangierten die Viktorianer über dem Strich und blickten auf vier ungeschlagene Partien respektive einen noch längeren Positivlauf zurück. Im bis heute letzten Punktspiel feierte die Mannschaft von Trainer Richard Hasa, der in der Zwiebelstadt seine dritte Saison als verantwortlicher Übungsleiter vor der Brust hat, am 7. März sogar den Debütsieg im 16. Anlauf gegen Angstgegner RW Hadamar (2:1).

Wie gewohnt muss Hasa zusammen mit Spielausschusschef Uwe Krichbaum einen kleinen personellen Aderlass kompensieren. Beim Blick auf die Abgänge fallen vor allem der Wechsel von Stürmerurgestein Pascal Stork zum drei Klassen tiefer angesiedelten SV Hahn und die „Last Minute – Luftveränderung“ von Ali Kazimi Richtung Aschaffenburger Schönbusch ins Auge. Mit dem Verbleib von letztgenanntem Leistungsträger hatte man eigentlich fest gerechnet. Doch die Verantwortlichen haben es bislang immer geschafft, einen wettbewerbsfähigen Kader ins Rennen zu schicken und hoffen auch heuer, dass der Atem lang genug für ein Happyend ist.

Die Saisoneinstiegshürde für den Sportclub wird am Samstag in den mittelhessischen Lahnauen aufgebaut. Mit Gastgeber SC Waldgirmes war seit dessen Wiederaufstieg 2017 nicht gut Kirschen essen (kein Sieg und vier Niederlagen in fünf Duellen). Der letzte Dreier gegen den Hessenmeister von 2009 (damals freiwilliger Beförderungsverzicht) datiert vom Dezember 2012 (1:0 im Lahn-Dill-Kreis). Ein ähnliches Positivresultat wäre natürlich ein Traum zur Punktspielreaktivierung, auch wenn der SCV vor dem Prolog seiner neunten Hessenligasaison en block beim ersten auswärtigen Oberhauseinsatz seit November 2019 (!, 0:3 in Fulda) als Außenseiter gilt. Bei der Generalprobe am vergangenen Sonntag füllte die Viktoria – wenn auch mit Mühe - den Briefkopf auf und tütete am  „dürren Kopf“ verspätet den Titel Kreispokalsieger 19/20 ein (3:1 gegen den SV Hahn).

Auch die beiden anderen Klubprotagonisten des Darmstädter Fußballbezirks melden sich zurück. Rot-Weiß Walldorf demonstrierte in der vergangenen Spielzeit nach einem 24-jährigen Exil eine restlos überzeugende Renaissance auf den Hessenligaspielfeldern und belegte beim Abbruch eine ausgezeichnete Rankingstufe Acht. Max Martin hält im fünften Jahr an der Okrifteler Straße die coachenden Zügel in der Hand. Der Wiedereinstieg sieht für die Walldorfer beim Neuling Hünfelder SV eine Matchpremiere vor. Erstmals funkelt diese Paarung auf dem Hessenligaspielplan.

Bereits ins vierte Oberhausjahr marschiert der VfB Ginsheim. Nach den permanent einstelligen Endplatzierungen seit dem Premierenmitspracherecht 2017 muss der Verein vom Altrhein allerdings in naher Zukunft eventuell kleinere Brötchen backen. Einige personelle Korsettstangen des sportlichen Höhenflugs ziehen sich nun ein anderes Trikot über. Trainer Matthias Güldener, der im Januar den nach Alzenau abgewanderten Erfolgscoach Artur Lemm beerbte, will den Verlust mit vielen jungen Spielern der näheren Umgebung, dem eigenen Nachwuchs bzw. der in der Verbandsliga antretenden zweiten Mannschaft ausgleichen. Auf jeden Fall eine anspruchsvolle Herausforderung, die der VfB stemmen muss. Schon die erste Ligaperformance am Sonntag gegen RW Hadamar könnte wichtige Erkenntnisse über das Mithaltevermögen des auf vielen Posten neu zusammen gestellten Teams an den Tag bringen.

Zum engsten Favoritenkreis im Aufstiegsfight zählen zweifellos der SC Hessen Dreieich (rüstete seinen Kader durch namhafte Neuverpflichtungen auf), der in der Vorsaison nur knapp gescheiterte FC Eddersheim und Barockstadt Fulda. Während die beiden osthessischen Wiederaufsteiger Hünfelder SV und Buchonia Flieden „alte Hessenligahasen“ sind, betritt das andere Neulingstandem 1. FC Erlensee (beheimatet im Main-Kinzig-Kreis nahe Hanau) / SV Zeilsheim absolutes Neuland und bereichert erstmals die Oberhauslandkarte. Vor allem dem im Frankfurter Westen beheimateten Stadtteilklub SV Zeilsheim trauen die Experten eine gute Rolle zu. Angeführt vom dort schon seit 2015 als Trainer tätigen Ex-Profi Sascha Amstätter (früher in Liga Eins und Zwei für die Eintracht unterwegs und 2011er-Aufstiegsheld der Lilien in die Dritte Liga) hat über die Hälfte des kickenden Aufgebots schon höherklassige Luft geschnuppert.  

Alle Partien vom 1. Hessenligaspieltag:

Fr. 04.09. 20.00

KSV Baunatal – SV Steinbach

Sa 05.09. 15.00

TuS Dietkirchen – SV Zeilsheim, SC Waldgirmes – Viktoria Griesheim, SC Hessen Dreieich – Buchonia Flieden, Hünfelder SV – Rot-Weiß Walldorf

So 06.09. 15.00

VfB Ginsheim – Rot-Weiß Hadamar, FC Eddersheim – SG Barockstadt Fulda, SV Neuhof – FV Bad Vilbel

Abgesagt: FC Hanau 93 – Türk Gücü Friedberg & 1. FC Erlensee – FSV Fernwald

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